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Hartmut Liebermann

Hartmut Liebermann

50 Jahre, verheiratet, 1 Kind
Studiendirektor
Mitglied im Vorstand der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" sowie im Kreisvorstand Borken der Gewerkschaft "Erziehung und Wissenschaft"
Politische Schwerpunkte: Energiepolitik, Schulpolitik, Stadtentwicklung
Wahlbezirk 2 - Ahaus, Rathaus
liebermann@uwg-ahaus.de

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Als vor 20 Jahren in Ahaus die UWG gegründet wurde, war ich dabei. Seitdem arbeite ich als sachkundiger Bürger im Schulausschuss der Stadt Ahaus mit. Zeitweise gehörte ich auch dem Ausschuss für Planen und Bauen an Da Ahaus eine wachsende Stadt mit vielen Kindern ist, liegen mir Erhalt und Weiterentwicklung des guten Schulangebots sowie die städtebauliche Entwicklung auch weiterhin am Herzen.

Ob Landwirte in Ammeln, Selbstständige und Beschäftigte im Gewerbegebiet Ost/Südost oder Anwohner der Wohngebiete um die Schorlemer Straße: Niemand wurde im letzten Jahr durch den Castor-Transport so belastet wie wir Einwohner des Wahlbezirks 2. Der Widerstand gegen das Atommüll-Lager in Ammeln und gegen weitere Castor-Transporte ist daher in unserem ureigensten Interesse. Dass es für diesen Widerstand am 12. September endlich auch die nötigen Mehrheiten im Stadtrat gibt – dafür will ich mich stark machen!

Als langjähriges Mitglied der Bürgerinitiative weiß ich: Die UWG hat diesen Widerstand von Anfang an konsequent mit unterstützt. Nur sie als unabhängige Kraft kann dies ohne Rücksichtnahme auf Parteiinteressen in Bonn oder Düsseldorf.

Ihr Hartmut Liebermann

 


Interview Sommer '99

blickpunkt. Herr Liebermann, Sie sind in Ahaus bisher vor allem als Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" bekannt. Diese ehrenamtliche Tätigkeit üben Sie schon seit vielen Jahren aus. Reicht das, um eine Kandidatur für den Stadtrat zu begründen ?

Hartmut Liebermann: Nein, natürlich nicht. Der Rat der Stadt Ahaus hat eine Fülle von unterschiedlichen Aufgaben zu bewältigen. Einige davon liegen mir besonders am Herzen, und darauf will ich mich konzentrieren.

blickpunkt. Welche Aufgaben sind das ?

Hartmut Liebermann: Die Stadt Ahaus ist in den letzten Jahren rapide angewachsen, teilweise durch Zuzug, aber auch durch überdurchschnittlich hohe Geburtenzahlen. Dem muss eine vernünftige Kommunalpolitik Rechnung tragen.

blickpunkt. In welcher Weise?

Hartmut Liebermann: Große und weiter wachsende Kinderzahlen machen es erforderlich, für ein leistungsfähiges Schulsystem zu sorgen. Dies ist in Ahaus erfreulicherweise gegeben. Aber es muss beständig weiterentwickelt werden, um neuen Aufgaben und der wachsenden Schülerzahl gerecht zu werden.

blickpunkt. Wollen Sie also mehr Lehrer einstellen ?

Hartmut Liebermann: Das würde ich gerne tun, aber leider liegt dies nicht in der Kompetenz der Stadt, sondern ist Sache des Landes bzw. der Bezirksregierung. Als Schulträger können wir hier nur immer wieder bei diesen Stellen Druck machen. Wir selbst sind aber verantwortlich für die materielle Ausstattung der Schulen.

blickpunkt. Was heißt das ?

Hartmut Liebermann: Dazu gehört z.B. die Bereitstellung von genügend Räumlichkeiten für die Schulen, aber auch die Verbesserung der Ausstattung mit Geräten aus dem Multimedia-Bereich, Und da gibt es noch einiges zu tun in den nächsten Jahren.

blickpunkt. Steigende Schülerzahlen machen sich zu bestimmten Tageszeiten auch im Straßenbild bemerkbar.

Hartmut Liebermann: Ja, und hier ist auch die Stadt gefragt. Für die Sicherheit der Schulwege muss noch einiges getan werden. Bestimmte Straßen müssen vom Durchgangsverkehr entlastet werden (z.B. die Fuistingstraße), teilweise muss das Radwegesystem verbessert werden, Querungshilfen an neuralgischen Punkten angelegt werden. Auch der Schulbusverkehr muss immer wieder überprüft werden, wenn es zu Engpässen kommt. Damit bin ich übrigens bei einem weiteren Schwerpunkt meines Interesses - der Verkehrspolitik.

blickpunkt. Was gehört noch zu ihren Schwerpunkten ?

Hartmut Liebermann: Das Wachstum der Einwohnerzahl erfordert auch eine aktive Wohnungsbaupolitik. Dazu gehört das Bereitstellen von ausreichendem und finanziell erschwinglichem Baugrund ebenso wie eine Verkehrsplanung, die Wohnbereiche schützt. Dort, wo Gewerbe- und Wohngebiete nahe beieinanderliegen, wie gerade im Wahlbezirk 2, muss verschiedenen Interessen Rechnung getragen werden.

blickpunkt. Was heißt das konkret ?

Hartmut Liebermann: Das berechtigte Interesse von Gewerbetreibenden auf rasche Zu- und Abfahrtswege zu ihren Betrieben ist ebenso zu beachten wie das der Bewohner von Wohngebieten, den LKW-Verkehr möglichst davon fern zu halten. Ich war deswegen dagegen, dass die Parallelstraße durchgezogen wird bis zum Kreisverkehr an der B 474, weil damit der gewerbliche Durchgangsverkehr verstärkt an Wohnbereiche wie z.B. den Schwarzen Weg herangeführt wird. Man hätte meines Erachtens diesen Verkehr besser über den Schumacherring leiten können. Aber leider hat die Mehrheit des Stadtrates anders entschieden. Dass dieser Beschluss gegen die Interessen der Anlieger war, zeigen die Bürgeranträge verschiedener Nachbarschaften, die inzwischen eingereicht wurden. Sie zielen allesamt darauf ab, den Durchgangsverkehr, insbesondere den LKW-Verkehr wenigstens aus bestimmten Straßen fernzuhalten (Schorlemerstraße, Witten Kamp), wenn die Parallelstr. durchgezogen sein wird. Ich möchte dazu beitragen, dass diesen Anliegen soweit wie möglich entsprocen wird.

blickpunkt. Was ist noch zu beachten bei der künftigen Entwicklung ?

Hartmut Liebermann: Bei allem Wachstum muss die Stadt darauf achten, dass sich Ahaus und seine Ortsteile nicht wie ein Pfannekuchen immer mehr in der Fläche ausbreiten. Ein ungebremster Verbrauch von landwirtschaftlichen Nutzflächen oder naturnahen Erholungsflächen ist auf Dauer nicht zu vertreten. Dies gilt auch und gerade für den Osten der Stadt, wo Gewerbegebiete immer mehr die ländliche Struktur Ammelns zu überlagern drohen. Die zuletzt vorgenommene Ausweitung des Gewerbegebietes in der städtischen Bauleitplanung muss für lange Zeit die letzte sein.

blickpunkt. Schulpolitik, Bauen und Verkehrspolitik als Schwerpunkte: Demnach spielt ihre Tätigkeit in der Bürgerinitiative gar keine Rolle bei ihrer jetzigen Kandidatur für den Stadtrat ?

Hartmut Liebermann: Doch, natürlich ! Der Stadtrat hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit der Problematik "Atommüll in Ahaus" und "Castor-Transporte" zu befassen gehabt, und er hat wichtige Entscheidungen dazu gefällt, leider die falschen. Deshalb wird der Rat auch in Zukunft mit diesem leidigen Thema konfrontiert werden.

blickpunkt. Die CDU behauptet, der Rat habe gar nichts zu entscheiden gehabt. Das BZA sei der Stadt von außen aufgedrückt worden.

Hartmut Liebermann: Das ist eine reine Schutzbehauptung. Ohne die Ansiedlungsverträge, die die CDU mit ihrer Ratsmehrheit gegen UWG und SPD durchgesetzt hat, wäre das BZA wohl nie gebaut worden. Denn ein Betrieb, der sich auf Jahrzehnte hinaus an einem Standort niederlassen will, kann dies faktisch auf die Dauer nicht ohne die Unterstützung der betroffenen Gemeinde, auch wenn diese vielleicht rechtlich nicht vorgeschrieben wäre.

blickpunkt. Ist das aber heute nicht Schnee von gestern ?

Hartmut Liebermann: Nein, denn bei den Bemühungen unserer Bürgerinitiative, weitere Castor-Transporte nach Ahaus zu verhindern, stoßen wir in Bonn und Düsseldorf immer wieder auf den Einwand: "Was wollt ihr denn, Euer Stadtrat hat doch der Anlage zugestimmt und sogar Geld dafür erhalten ?"

blickpunkt. Aber heute ist die Situation doch anders: Auch für die CDU kandidieren Leute, die gegen weitere Castor-Transporte sind ?

Hartmut Liebermann: Dies Schauspiel kennen wir seit 20 Jahren: Jedesmal vor der Kommunalwahl präsentiert uns die CDU einige solcher Kandidaten, um damit der UWG Stimmen wegzunehmen. Wenn sie dann einmal gewählt sind, gehen sie mit ihrer abweichenden Meinung in der CDU völlig unter und legen resigniert ihr Mandat nieder. Oder sie fallen um und tragen alle wesentlichen Beschlüsse zugunsten des BZA mit. Ein gutes Beispiel dafür ist übrigens mein direkter Gegenkandidat im Wahlbezirk 2.

blickpunkt. Herr Enning-Haarmann ?

Hartmut Liebermann: Ja. 1979 hat er sich an der ersten Treckerdemonstration der Ahauser Landwirte gegen das BZA beteiligt und wurde daraufhin in den Stadtrat gewählt. Seitdem hat er alle Beschlüsse der CDU zugunsten des BZA mitgetragen, auch den Ansiedlungsvertrag für eine 2. Lagerhalle. Auf einer Demonstration ist er seitdem nicht mehr gesehen worden.

blickpunkt. Auch nicht auf den regelmäßigen Sonntagsspaziergängen ?

Hartmut Liebermann: Nein. Hin und wieder fotografiert er jedoch aus dem vorbeifahrenden Auto heraus, wer sich alles an den Protestkundgebungen beteiligt. Ich weiß nicht, für wen er diese Aufnahmen macht.

blickpunkt. Die rot-grüne Bundesregierung ist dabei, den Ausstieg aus der Atomenergie zu vollziehen. Wofür wird da noch die UWG im Ahauser Stadtrat gebraucht ?

Hartmut Liebermann: Der sogenannte Ausstieg, wie er uns jetzt vorgesetzt wird, bedeutet in Wirklichkeit, dass alle bestehenden Atomkraftwerke bis zu ihrem technischen K.O. weiterlaufen dürfen. Das bedeutet auch, dass die bisher angefallenen Mengen an Atommüll sich mindestens noch verdoppeln werden. Das halten wir für nicht hinnehmbar, denn es gibt nach wie vor weltweit keine Endlagermöglichkeit für hochradioaktive Abfälle. Aufgabe einer Kommunalpolitik, die sich an den Interessen der Ahauser Bevölkerung orientiert, muss es daher sein, weiteren Transporten nach Ahaus massiven Widerstand entgegenzusetzen.

blickpunkt. Kann das die UWG allein ?

Hartmut Liebermann: Sicher nicht. Aber eine starke UWG im Rat ist wichtig. Denn nur sie als unabhängige Kraft muß nicht auf parteipolitische Interessen in Düsseldorf oder Bonn, demnächst vielleicht auch in Berlin, Rücksicht nehmen. Eine Mehrheit gegen weitere Atommüll-Transporte im Stadtrat heißt aber vor allem, dass die absolute Mehrheit der CDU gebrochen wird – darauf hoffe ich am 12. September !

blickpunkt. Herr Liebermann, wir bedanken uns für das Gespräch.

 

 

 

 

update
08.11.2009

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