Münsterland
Zeitung - Ahauser Zeitung, 23. August 2000Rätselraten um Transporttermin
Innenminister und BGS: Termin steht nicht fest - BI: November angepeilt
von Stefan Grothues
Ahaus. Es gebe noch keinen Termin für einen Castortransport nach Ahaus. Dies haben
gestern auf Anfrage der Münsterland Zeitung übereinstimmend Sprecher des
nordrhein-westfälischen Innenministeriums und des Bundesgrenzschutzamtes Kleve
festgestellt.
Die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" dagegen rechnet noch in
diesem Jahr mit einem Transport. Am Montagabend hatte BI-Sprecher Hartmut Liebermann am
Runden Tisch eine Urlaubssprerre beim Bundesgrenzschutz (BGS) ab dem 06. November
angeführt. Zudem solle die Bundeswehr zu diesem Zeitpunkt in Rheine Unterkünfte für
BGS-Personal bereithalten und Gefangenensammelstellen einrichten.
"Das kann alles nicht sein, weil der Termin für einen Transport nicht
feststeht", erklärte dagegen Udo van Dülmen, Sprecher des zuständigen
Bundesgrenzschutzamtes in Kleve. Es gebe beim Bundesgrenzschutz definitiv keine
Urlaubssperre. Ludger Harmeier, Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums,
kann sich ebenfalls nicht vorstellen, dass die Vorbereitungen bereits auf einen bestimmten
Zeitpunkt hinzielen. Über den Transporttermin solle erst dann entschieden werden, wenn
die neue Koordinierungsstelle des Bundes, der Länder und der Energieversorger
zusammengetreten sei. Die Koordinierungsstelle soll in diesem Monat ihre Arbeit aufnehmen.
Harmeier betonte, der nordrhein-westfälische Innenminister halte Castortransporte noch
in diesem Jahr aus polizeilicher Sicht für nicht verantwortbar Die Polizei brauche nach
der Terminierung sechs Monate Zeit, um sich auf den Transport vorzubereiten. Beim
Bundesgrenzschutz laufen die Vorbereitungen zur Sicherung eines Castortransports bereits.
Eine Arbeitsgruppe, die sich auch mit Unterbringungsmöglichkeiten befasst, wurde
eingerichtet. Aber, so betont BGS-Sprecher van Dülmen, nicht mit Blick auf einen fest
definierten Termin. Zur Frage, ob und inwieweit die Bundeswehr im Zuge der Amtshilfe
Maßnahmen ergriffen hat, hieß es gestern aus dem Bundesverteidigungsministerium in
Berlin nur: "Kein Kommentar."

Runder Tisch will Offenheit
Der Runde Tisch tagte am Montagabend bei großem Zuschauerinteresse in gereizter
Atmosphäre, die vom tiefen Misstrauen der Bürgerinitiative (BI) gegenüber der Polizei
und dem NRW-Innenminister geprägt war. "Wir haben Angst, wieder genasweist zu
werden", sagte der BI-Vorsitzende Peter Münster. Und Hartmut Liebermann
befürchtete, ein Transporttermin noch in diesem Jahr solle möglicherweise in einer
"gigantischen Desinformationskampagne" von Behörden und Ministerien
verschleiert werden.
Zuvor hatten Bürgermeister Dr. Dirk Korte, der Leitende Polizeidirektor Winfried
Kampmann und der Geschäftsführer des Brennelemente-Zwischenlagers erklärt, sie hätten
keine Information über die Terminierung eines Castortransportes. Daraufhin warf Peter
Münster der Polizei "Uninformiertheit und Naivität" vor. Und Hartmut
Liebermann erklärte, Bundesgrenzschutz und Bundeswehr hätten konkrete Maßnahmen für
die 45. Kalenderwoche eingeleitet. "Entweder ist hier jemand am Tisch nicht offen,
oder der Termin wird an ganz anderer Stelle geplant. - Warum sollen wir dann noch
teilnehmen?" stellte Liebermann die Beteiligung der BI am Runden Tisch in Frage.

Verlässlicher Termin
Auf Offenheit und die Nennung eines verlässlichen Termin mindestens acht Wochen vor
dem Castortransport will Bürgermeister Dr. Dirk Korte im Namen des Runden Tisches nun
schriftlich bei den zuständigen Ministerien in Bund und Land drängen. Weiterhin bestand
Einigkeit am Runden Tisch in der Frage, dass Transporte, sofern sie unvermeidbar seien,
samstags stattfinden sollten. Diesen Vorschlag hatte eine Arbeitsgruppe des Runden Tisches
in der vergangenen Woche entwickelt. Ein Transport am Samstag würde die
Beeinträchtigungen für Wirtschaft und Schulen minimieren. Prinzipiell, so betonte
Liebermann, lehne die BI Castortransporte nach wie vor ab.
Der Runde Tisch griff auch die weiteren Anregungen der Arbeitsgruppe auf: Zumindest
eine der beiden Autobahnzufahrten müsse offengehalten werden, eine funktionierende
Passierscheinregelung müsse gewährleistet sein, die Fußgängerzone solle möglichst
wenig in Anspruch genommen werden und für die Demonstranten sollten Versorgungs- und
Sanitäreinrichtungen geschaffen werden.
Die Einrichtung von Camps für Demonstranten und die Frage der Sperrzonen - sie sollten
nach Ansicht der Arbeitsgruppe möglichst klein sein - sind Thema weiterer Sitzungen. Der
Runde Tisch tagt erneut im September.

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