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Frankfurter Rundschau, 18. August '00

Transport bei Tageslicht

Castor-Gipfel sucht Konsens für weitere Atom-Fuhren

von Reinhard Voss

Vertreter der deutschen Atomwirtschaft verhandeln am heutigen Freitag in Düsseldorf mit dem Bundesinnenministerium, dem Bundesumweltministerium und den an den Atomtransporten beteiligten Ländern über die nächsten Castor-Transporte nach Gorleben und Ahaus.

Eingeladen hat zu dem Gespräch im Düsseldorfer Innenministerium der nordrhein-westfälische Innenminister Fritz Behrens (SPD) als derzeitiger Vorsitzender der Innenministerkonferenz (IMK) von Bund und Ländern. Er folgt damit einer Aufforderung der IMK vom März 1998. Nach dem damaligen von Zehntausenden Polizisten geschützten vorerst letzten Castor-Transport aus den baden-württembergischen Atomkraftwerken ins westfälische Ahaus hatte die IMK die Bundesregierung und die Betreiber der Atomkraftwerke aufgefordert, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Aufwand bei den Atomtransporten über Schienen und Straßen zu verringern.

Auch aus den Reihen der Polizeigewerkschaften waren Einwände gegen die Art der bisherigen Atomtransporte gemacht worden. Durch die stundenlange nahe Begleitung der Castor-Behälter fühlten sich viele Polizeibeamte in ihrer Gesundheit gefährdet. Bei einem Gespräch mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin Anfang Mai in der Polizei- Führungsakademie in Münster hatten deshalb bereits die höchsten Polizeiführer aus den Bundesländern Strahlenschutzanzüge für die Beamten gefordert, die die Transporte begleiten.

Trittin erklärte sich für die Beschaffung solcher Anzüge für unzuständig und verwies auf das Bundesinnenministerium. Um die Sorgen und Ängste der Polizisten gebührend berücksichtigen zu können, nimmt an dem heutigen Gespräch im Düsseldorfer Innenministerium auch das Bundesamt für den Strahlenschutz teil.

Bei dem Atomkonsens zwischen der Bundesregierung und der Elektrizitätswirtschaft hatten sich beide Seiten auf die Notwendigkeit weiterer Castor-Transporte verständigt.

Inzwischen herrscht zwischen allen Beteiligten Übereinstimmung auch in der Auffassung, dass während der Expo in Hannover keine Transporte stattfinden sollten. Danach werden die Tage allerdings schon so kurz, dass Atomtransporte aus den süddeutschen Ländern kaum noch bei Tageslicht das Zwischenlager in Ahaus erreichen können.

Der vorerst letzte Castor-Transport im März 1998 war auch erst in der Dunkelheit in Ahaus angekommen, was von der Polizei als zusätzliche Gefährdung eingeschätzt worden war. Aus nordrhein-westfälischen Polizeikreisen verlautete deshalb im Vorfeld des heutigen Treffens, dass der nächste Castor-Transport erst im späteren Frühjahr 2001 in Marsch gesetzt werden sollte.

Ob sich die Atomlobby mit diesem Fahrplan einverstanden erklärt, gilt derzeit noch als ungewiss.


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