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Westfälische Nachrichten, 19. August '00

Stromversorger wollen Castoren rollen sehen

Nächster Castor noch dieses Jahr?

von Stefan Werding

Ahaus. Die Energieversorger machen Druck. Noch in diesem Jahr wollen sie die nächsten Castoren ins Ahauser Brennelemente-Zwischenlager rollen sehen. Nach den Worten des nordrhein-westfälischen Innenministers Behrens sehen die Kraftwerksbetreiber einen "dringenden Bedarf" noch im Herbst. Das sagte der Minister gestern nach einer Sonderkonferenz der Innenminister. Bislang hatten die beteiligten Polizeibehörden immer betont, dass sie für die Vorbereitung des nächsten Transports eine Vorbereitungszeit von mindestens sechs Monaten benötigten. Die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" rechnet mit einem Transport noch in diesem Jahr.


Initiative rechnet fest mit Transport - Innenministerium: Entscheidung offen

Hartmut Liebermann macht es spannend. Der Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" ist davon überzeugt, dass noch dieses Jahr weitere Catoren nach Ahaus rollen werden. Seine Quellen will er am Montag verraten, wenn im Ahauser Rathaus der Runde Tisch zum Zwischenlager wieder tagt. "Dann wollen wir die Behörden zwingen, Stellung zu beziehen", sagte er gestern.

"Absolut dummes Zeug", sagte dagegen ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums zu den Aussagen der Bürgerinitiative. Er bestätigte zwar, dass die Energieversorger gegenüber den Innenministern den nächsten Transport noch in diesem Jahr gefordert haben. Aber eine Entscheidung sei noch völlig offen. Ähnlich äußerte sich das Bundesumweltministerium. Auf Nachfrage unserer Zeitung, ob die von den beteiligten Polizeibehörden immer wieder geforderte Vorbereitungsfrist von mindestens sechs Monaten nicht politisch beeinflussbar sei, sagte der Sprecher des Innenminissteriums wörtlich: "Sie können alles schreiben."

Eine neue Koordinierungsstelle mit Mitgliedern aus Bundesregierung, Ländern und Energieversorgungsunternehmen soll nun über die Forderung beraten. Die Gruppe soll sich noch im August erstmals zusammensetzen. Innenminister und Stromkonzerne legen dann gemeinsam die Transporttermine fest.


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