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99. |
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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 14. August 99 Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten zum Thema CastorGräben nicht mehr so tiefvon Stefan GrothuesAhaus. Das ABC des Kommunalwahlkmapfes buchstabierte der Vorsitzende der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", Burkhard Helling, am Donnerstagabend so: "Ahaus, Bürgermeisterwahl, Castor". "Wer hilft uns beim nächsten Tag X?", fragte ein großes Transparent, das die Bühne der fast vollbesetzten Stadthalle überspannte. Um Antworten bat die BI genau einen Monat vor dem Wahltermin die vier Ahauser Bürgermeisterkandidaten Dr. Dirk Korte (CDU), Andreas Dönnebrink (SPD), Hubert Kersting (UWG) und Dietmar Eisele (Bündnis '90/Die Grünen). Eines machten alle vier Kandidaten im Verlaufe des Abends deutlich: Wer auch immer Bürgermeister wird, verhindern könne er den nächsten Castortransport nicht. Die Entscheidungen würden in Berlin und Düsseldorf getroffen. Und alle vier Kandidaten bedauerten: Der nächste Tag X wird kommen. So waren die Gräben im Streit um das BZA nicht mehr ganz so tief wie noch vor Jahren. Zumeist ruhig uns sachlich verlief daher die zweieinhalbstündige Diskussion auf dem Podium und mit den Zuhörern in der Stadthalle. Schärfe und Emotionen flackerten nur auf, wenn es um die Vergangenheit ging: um die Frage, wer verantwortlich für den Bau des Zwischenlagers in Ahaus gewesen sei, oder wenn der Tag X angesprochen wurde. Der 20. März 1998, der Tag des Castortransportes, sei eben, so die Gesprächsleiterin Andrea Benstein vom WDR, ein einschneidendes Datum für alle Ahauser gewesen. Ein Datum, so räumte Bürgermeister Korte ein, das auch seine eigene Einstellung zu den Castortransporten verändert habe. Er halte zwar die Kernenergie nach wie vor für technisch vertretbar. Die Auseinandersetzungen hätten jedoch ein Maß erreicht, das nicht mehr hingenommen werden könne. In der Bundespolitik müsse ein Konsens gefunden werden. Aber nicht nur dort: "Im Falle meiner Wahl", so Korte, "möchte ich einen runden Tisch einrichten, an dem die Ahauser Parteien, Kirche und Bürgerinitiative sich zusammensetzen." Dann könne Ahaus mit einer Stimme sprechen, um zu verhindern, daß neue Transporte nach Ahaus kommen, solange nicht sichergestellt sei, daß Kontaminationen der Behälter ausgeschlossen sind. Konsensbereitschaft auf kommunaler Ebene betonten grundsätzlich auch die anderen drei Kandidaten. Daß die Stadt heute aber kaum noch Einflußmöglichkeiten habe, lasteten Andreas Dönnebrink, Hubert Kersting und Dietmar Eisele der CDU an, die das Zwischenlager nach Ahaus geholt habe. Dönnebrink: "Wo kommt der plötzliche Sinneswandel her? Herr Korte sang doch früher Lobeslieder auf die Atomenergie". Dönnebrink zeigte sich überzeugt davon, daß schon im ersten Halbjahr 2000 die nächsten Castoren nach Ahaus rollen: "Ich habe die Verbindungen, ich bekomme die Auskünfte." Dönnebrink forderte mit Nachdruck einen sofortigen Atomausstieg, weil die Atomenergie weder sicher noch beherrschbar sei. Als Bürgermeister wolle er sich in Ahaus ganz konkret für eine Sicherung des Demonstrationsrechtes, für eine bessere Unterbringung und Versorgung der Demonstranten einsetzen. Das will auch Hubert Kersting, der bedauert, daß weder CDU noch SPD und Grüne im Bund den Ausstieg und die Endlagerfrage entschlossen angingen. "in in Ahaus können nur immer wieder ganz entschieden unseren Unmut äußern und Widerstand leisten. Dazu müssen wir einen breiten Konsens finden." Wenn aber der nächste Castortransport komme, dann werde ich da sein, wo es brennt". Die Sicherheit der Behälter müsse vor einem neuen Transport in jedem Falle gewährleistet sein, meinte Dietmar Eisele, der die bisherige Praxis verantwortungslos nannte. Seiner Ansicht nach könnten die Stromverbraucher über den Bezug von Öko-Strom für einen raschen Ausstieg aus der Atomenrgie sorgen. BI-Sprecher Hartmut Liebermann bezeichnete es am Ende als "eine Sensation", daß alle vier Bürgermeisterkandiaten sich für einen Atomausstieg ausgesprochen hätten. Das sei nicht zuletzt ein Erfolg der Bürgerinitiative. Die, so ihr Vorsitzender Helling, wolle nicht für eine bestimmte Partei werben. Schließlich seien zwanzig Stadtratskandidaten der BI auf SPD, UWG und Grüne verteilt. Helling: "Vielleicht sind BI-Mitglieder bald auch in der CDU vertreten."
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