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Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten, 22. Juni 99

Transporte mit Ausstiegswillen nicht vereinbar

Ahauser UWG kritisiert Haltung der Bundesregierung - Antwortschreiben von Umweltminister Trittin

Ahaus. In einem Schreiben an Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat der Vorsitzende der Unabhängigen Wählergruppe Ahaus (UWG), Dieter Homann, die Entwicklung der Energiekonsensgespräche sowie die Verunsicherung der Bevölkerung durch widersprüchliche Pressemeldungen über die Wiederaufnahme von Atommülltransporten scharf kritisiert.

Nach Ansicht der UWG sind Transporte aus dem Forschungszentrum Rossendorf, wo die Vorbereitungen für einen Transport bereits weit fortgeschritten sind, überflüssig, da in der dortigen Transportbereitstellungshalle ausreichende und geeignete Lagerkapazitäten vorhanden seien. Außerdem seien, so Homann, weitere Transporte aus bundesdeutschen Atomkraftwerken in das Ahauser Lager mit dem Ausstiegswillen nicht zu vereinbaren. Schließlich hat Homann für die UWG Trittin nach Ahaus eingeladen, um die Ahauser Bevölkerung über die Zukunft des BZA zu informieren.

Nun hat Minister Trittin in seinem Antwortschreiben an die UWG mitgeteilt, daß die Prüfung, ob die Brennelemente aus dem Forschungszentrum Rossendorf standortnah zwischengelagert werden können, noch nicht abgeschlossen sei. Es gehe dabei um die Frage, so Trittin, ob die Tranportbereitstellungshalle in Rossendorf, die kapazitätsmäßig alle 17 Brennelementebehälter aufnehmen könne, auch eine langfristige Zwischenlagerung der Castor-Behälter erlaube. Bezüglich weitere Castor-Transporte aus deutschen AKW nach Ahaus teilt Trittin mit, daß der Ausstieg aus der Wiederaufarbeitung bedinge, daß Brennelemnete, solange die von der Koalition vereinbarten standortnahen Zwischenläger noch nicht aufnahmebereit sein, in die bereits bestehenden Zwischenläger verbracht werden. Eine Verstopfung der Entsorgungswege sehe das Konzept der Bundesregierung nicht vor. Trittin: "Ich halte es andererseits aber auch nicht für vertretbar, wenn die Zwischenläger in Ahaus oder in Gorleben durch weitere Einlagerungen belastet werden, ohne daß sich die Energiewirtschaft zu einem zügigen Ausstieg aus der Atomenergie verpflichtet hat oder dies durch Gesetz einseitig geregelt ist."

Die jetzt veröffentlichte Einigung der Bundesregierung mit der Atomwirtschaft auf eine Beschränkung der Gesamtlaufzeit der Atomkraftwerke auf 35 Jahre mache deutlich, so Homann für die UWG, daß die Bundesregierung ihren bekundeten Ausstiegswillen aufgegeben habe. Wegen der risikoreichen und daher nicht verantwortbaren Nutzung der Atomenergie beharre die UWG auf einem Sofortausstieg. Homann kündigte an, daß bei zukünftigen Atomtransporten mit noch entschiedenerem Widerstand zu rechnen sei.

Nicht zuletzt die Skandale des vergangenen Jahres um erhöhte Kontamination und um das jahrelange Verschweigen seitens der Atomindustrie sowie die Vorfälle im Rahmen des Castor-Transports haben die dringende Notwendigkeit einer Energiewende deutlich gemacht.


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