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Darmstädter
Echo, 09. Dezember 2000Stehen im Frühjahr beide Blöcke im Atomkraftwerk Biblis still?Reparatur im Block A verzögert sich, Block B geht bald zur nächsten Revision vom Netz Stillstand schützt vor Pannen nichtBiblis. Falls es nicht gelingt, die defekten Schweißnähte im Block A des Kernkraftwerks Biblis in den nächsten Wochen vorschriftsmäßig zu reparieren, dann könnten im Frühjahr beide Reaktoren gleichzeitig still stehen. Das war zuletzt 1996 der Fall. Block B muss voraussichtlich Ende April zur nächsten planmäßigen Revision vom Netz. Der 21. Betriebszyklus dieses Reaktors hat am 21. Juni begonnen. Weil damals nicht die größtmögliche Zahl von Brennelementen ausgewechselt werden konnte, dauert dieser Zyklus nur zehn statt normalerweise bis zu 14 Monaten. Stillstand schützt vor Pannen nicht: Block A war am 19. August planmäßig zur Revision vom Netz gegangen. Die routinemäßigen Arbeiten sind abgeschlossen. Mit der Entdeckung einer defekten Schweißnaht wurde Anfang Oktober klar, dass dieses Kraftwerk nicht wie geplant zurück ans Netz gehen kann. Die Entdeckung des Risses hatte bundesweit die Diskussion über die Sicherheit kerntechnischer Anlagen neu angefacht. Bis ins Berliner Umweltministerium und in den Hessischen Landtag reichten die Auswirkungen des Vorfalls. Eine Meldung der Betreibergesellschaft RWE Power (Essen) über zwei Vorkommnisse im Kraftwerksblock A hat das hessische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde Ende vergangener Woche erreicht. In dem für den Brennelementewechsel, Inspektionen und die Nachrüstung abgeschalteten Block habe am 29. November bei einer Prüfung der Feuerlöschanlagen zunächst eine Armatur nicht geöffnet werden können. Über diese Armatur wird eine Sprühflutanlage für elektrische Kabel mit Löschmittel versorgt. Die Prüfung sei erfolgreich gewesen, nachdem ein Ventil gereinigt worden war, heißt es in fast gleich lautenden Erklärungen aus Wiesbaden und Biblis. Bei einer Überprüfung am Tag darauf, dem 30. November, ließen sich laut Aufsichtsbehörde nach dem Start des Notstromdiesels zwei von acht sicherheitstechnischen Pumpen in der Kühlwasserversorgung mit einer Auslegung von je 50 Prozent nicht starten. Nach dem Austausch einer defekten Elektronik-Baugruppe sei diese Prüfung erfolgreich wiederholt worden. Nach einer ersten Bewertung durch die Aufsichtsbehörde haben die Vorkommnisse keine sicherheitstechnische Bedeutung. Eine Gefährdung des Personals, der Umgebung oder Anlage sei mit den Vorkommnissen nicht verbunden gewesen. Eine abschließende Bewertung wird unter Hinzuziehung des TÜV Nord vorgenommen. Im Reaktorblock B war wie kurz berichtet am 18. November eine von vier Hauptkühlmittelpumpen ausgefallen. Auch darüber wurde das hessische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde vom Betreiber des Atomkraftwerkes informiert. Mit dem Ausfall der Pumpe war die automatische Absenkung der Reaktorleistung auf etwa 43 Prozent verbunden. Ursache für die Abschaltung sei ein Kurzschluss im Antriebsmotor der Pumpe gewesen. Zwischenzeitlich wurde Block B gemäß den Festlegungen der Betriebsgenehmigung mit einer abgesenkten Reaktorleistung von maximal 75 Prozent mit den drei noch vorhandenen Hauptkühlmittelpumpen betrieben. Nach einer ersten Bewertung durch die Atomaufsichtsbehörde hatte die Störung keine sicherheitstechnische Bedeutung. Ebenso liegt keine Meldepflicht gemäß den deutschen Meldekriterien oder nach der Internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen vor. Die Reparaturmaßnahmen werden von der Aufsichtsbehörde unter Hinzuziehung des TÜV Süddeutschland kontrolliert. Wie berichtet, hat RWE Power beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den Antrag auf Genehmigung der so genannten Interimslagerung von Castor- Behältern für abgebrannte Brennelemente auf dem Bibliser Kraftwerksgelände gestellt. Bereits jetzt dürfen in Biblis bis zu sechs Castor-Behälter bis zu ihrem Abtransport in eines der deutschen Zwischenlager abgestellt werden. Auf der vorgesehenen Fläche ist Platz für 28 Behälter. Alle Behälter werden auf Betonplatten gelagert. Sie werden hierbei auf Lagerblöcke gelegt und zum Wetter- und Strahlenschutz mit einer Betonhaube umgeben. Durch diese Art der Lagerung würde selbst bei maximaler Belegung der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Grenzwert der Strahlenbelastung weit unterschritten. Bis zur Fertigstellung der bereits beantragten Zwischenlagerhalle, voraussichtlich im Jahr 2005, ist es das vorrangige Ziel von RWE, zur Entsorgung abgebrannter Brennelemente Abtransporte in die zentralen Zwischenlager oder in die Wiederaufarbeitung durchzuführen. Insofern ist die Interimslagerung nur für den Fall notwendig, dass diese Transporte nicht rechtzeitig und in ausreichender Zahl realisierbar sind. Sobald die Zwischenlagerhalle am Standort aufnahmebereit ist, wird die Interimslagerung von Castoren geräumt.
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