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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 08. Dezember 2000

Tischtuch scheint zerschnitten

Runder Tisch will nach Abgang von SPD, UWG und BI nach Lösungen suchen

von Stefan Grothues

Ahaus. Das Tischtuch am Runden Tisch scheint zerschnitten - aber nicht zwischen allen Gesprächspartnern.

SPD, UWG und die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" haben am Mittwoch ihren Rückzug aus dem Gremium erklärt, das vor acht Monaten ins Leben gerufen worden war, um auf einer breiten gesellschaftlichen Basis die Begleitumstände eines Castortransportes für die Ahauser erträglicher zu gestalten. Die drei Gruppierungen begründeten ihre Entscheidung auf zwei Ebenen - und jedes Mal stand die Polizei im Fadenkreuz der Kritik: Zum einen wurde der Polizei in der Frage der Ingewahrsamnahme von Demonstranten 1998 Verfassungsbruch vorgeworfen, den die Polizei noch nicht bedaure. Zum anderen vermissen die Auszügler konkrete und glaubwürdige Zusagen der Polizei zum nächsten Castortransport.

Die überwiegende Mehrheit der Gruppierungen am Runden Tisch jedoch sieht eine Chance und auch die Notwendigkeit, in Zusammenarbeit mit der Polizei konkrete Erleichterungen zu bewerkstelligen. Der Unternehmensverband aiw beispielsweise hatte eigens seine Mitgliedsunternehmen befragt und dabei "ein klares Votum" für ein Verbleiben am Runden Tisch erhalten. Für die Schulen machte Schulleiter Wolfgang Reinert deutlich, dass "wir auf das Gespräch mit der Polizei angewiesen sind".

...demnäXt wieder in Ahaus.

BI-Sprecher Hartmut Liebermann dagegen betonte, dass der Runde Tisch sich grundsätzlich gegen weitere Castortransporte nach Ahaus positionieren müsse.


Gesammelt: Stimmen am Runden Tisch

"Die CDU hält am Runden Tisch fest. Das sind wir der Bevölkerung schuldig. Hier erhalten Verbände, Schulen, Kirchen und andere Gruppierungen die Chance, mitzuwirken. Die Polizei soll bleiben. Ohne sie läuft hier nichts."
Rudolf Enning-Haarmann, stellv. Bürgermeister (CDU)

"Die SPD zieht ab sofort ihre Delegierten vom Runden Tisch zurück. Wir wollen Verbesserungen für die Ahauser Bevölkerung und Betriebe. Da aber die Polizei keine Festlegung zulassen will und nicht bereit ist, ihre Einsatzplanung auf die Vorschläge des Runden Tisches auszurichten, ist es schiere Zeitverschwendung, den Runden Tisch aufrechtzuerhalten."
Andreas Dönnebrink, SPD-Fraktionsvorsitzender

"Der Innenminister hat die Forderung des Runden Tisches abgeschmettert. Wir werden nicht weiter teilnehmen, wenn Vertreter des Polizeipräsidiums mit am Tisch sitzen. Die Passierscheinregelung kann die Polizei alleine klären."
Dieter Homann, UWG-Fraktionsvorsitzender

"Die WGW bleibt am Runden Tisch, obwohl beim Polizeieinsatz 1998 nicht alles in Ordnung war. Ich appellieren an die BI: Geben Sie Herrn Kampmann (Leitender Polizeidirektor aus Münster) eine Chance, es besser zu machen als sein Vorgänger."
Hermann-Josef Haveloh, Wählergemeinschaft Wüllen

"Wir haben der Polizei einmal vertraut. Das war grausam genug."
Hartmut Liebermann, BI "Kein Atommüll in Ahaus"

"Der Runde Tisch soll fortgesetzt werden. Es ist unsere Aufgabe, die Polizei in die Pflicht zu nehmen, um Verbesserungen für die Ahauser zu erreichen."
Dietmar Eisele, Bündnis 90/Die Grünen

"Die Landwirte wollen die Gespräche am Runden Tisch fortführen. Wir haben dabei nichts zu verlieren, höchstens die Polizei, wenn sie Aussagen macht, die sie nicht einhalten kann."
Bernhard Rickert, Vertreter der Ahauser Landwirte

"Nach den enttäuschenden Aussagen des Ministers wollte ich die Brocken eigentlich hinschmeißen. Wir haben lange im Presbyterium darüber gesprochen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen: Wir bleiben am Runden Tisch. Wir dürfen uns als Kirche in schwierigen Situationen nicht zurückziehen."
Günter Jeschar, ev. Christusgemeinde

"Der Pfarrverbandsrat der katholischen Kirchengemeinden in Ahaus hat beschlossen, am Runden Tisch zu bleiben. Wir werden also weiter teilnehmen, auch wenn ich persönlich keine Gründe dafür erkennen kann, die dafür sprechen, hier zu bleiben."
Diakon Josef Korthues, Gemeinde St. Josef

"Der Gewerbeverein will trotz der Enttäuschung nach dem Ministerbesuch bleiben. Wir müssen ganz konkrete Gespräche über die Ahauser Belange weiterführen. Jetzt wo auch die Planungen der Polizei konkreter werden und wir endlich anfangen können, sagen einige 'Da machen wir nicht mehr mit'. Das machen Sie mal der Bevölkerung klar."
Elmar Korbmacher, Gewerbeverein Ahaus

"Der Transporttermin rückt immer näher. Ich setze auf eine konkrete Zusammenarbeit aller am Runden Tisch, damit die Arbeitnehmer auch am Tag X zu ihrem Arbeitsplatz können."
Robert Brandt, Gewerkschaftsvertreter

"Auch wir sind über die Entscheidung des Ministers, keinen Transporttermin zu nennen, enttäuscht. Es macht aber Sinn, über Fragen wie die Passierscheinregelung im Gespräch zu bleiben. Die Polizei gehört als Staatsorgan bei diesen Gesprächen dazu. Wir sollten die Gräben, die wir gerade zuschütten, nicht wieder aufreißen."
Felix Büter, CDU-Fraktionsvorsitzender

"Der Runde Tisch kann das Spannungsverhältnis zwischen Polizei und BI nicht lösen. Vielleicht hilft ein Gespräch unter vier Augen. Wenn die BI fehlt, dann fehlt ein wichtiges Element. Wir müssen hier ganz konkrete Fragen klären: Zum Beispiel brauchen die Handwerker auch am Tag X die Autobahnauffahrt, um zu ihren Kunden im Ruhrgebiet zu fahren."
Christoph Bruns, Kreishandwerkerschaft

"Es klingt viel Enttäuschung aus den Beiträgen am Runden Tisch, weil wir bislang keine konkreten Aussagen über den Einsatz machen konnten. Aber jetzt nimmt bei uns die Planungstiefe täglich zu. An unserem Auftrag beißt die Maus keinen Faden ab: Wir werden den Castor ins Zwischenlager Ahaus bringen. Abere wir wollen auch die Belastungen für die Ahauser möglichst gering halten. Sie werden keine andere Polizei als uns finden können, um über diese Dinge zu sprechen. Wir sind zur Zusammenarbeit bereit."
Wilfried Kampmann, Leitender Polizeidirektor

"Die BI hat lange und intensiv ihre Entscheidung überlegt. Nach acht Monaten am Runden Tisch müssen wir die Erfahrung machen, dass uns die Polizei für dumm verkaufen will. Wir hatten von Anfang an Bedenken gegen eine Beteiligung des Polizeipräsidiums. Wir wollten die Chance nutzen, etwas für die Ahauser zu erreichen. Aber wir versprüen auch einen Druck, uns nicht zum Handlanger derer zu machen, die den Castor möglichst reibungslos durchbringen wollen. Es kann hier auch in erster Linie gar nicht um praktische Fragen gehen. Es geht um ganz prinzipielle: Die Polizei hat 1998 Grundrechte verletzt. Dennoch ist sie zu keinerlei Selbstkritik bereit und sabotiert die Arbeit am Runden Tisch faktisch."
Hartmut Liebermann, BI-Sprecher

"Für mich ist die Mitarbeit der Polizei am Runden Tisch unerlässlich. Die Polizei ist Teil unseres demokratischen Rechtsstaates, den ich hier nicht ausschließen kann und will. Wenn die BI hier nicht mehr ihre eigenen Belange vertritt, dann tut es mir leid, aber ich kann es nicht ändern."
Bürgermeister Dr. Dirk Korte
Mo, 04.10.99 Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten
Kernenergie soll Bürger in Ahaus nicht weiter in zwei Lager spalten

Di, 01.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief "Runder Tisch muss klare Position gegen Castor beziehen"

Di, 22.02.00 UWG-Pressemitteilung
UWG hält Öffentlichkeit beim "Runden Tisch" für notwendig

Do, 24.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
"Vorgespräch verlief konstruktiv"

Di, 14.03.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Runder Tisch tagt beim nächsten Mal öffentlich

Mi, 24.05.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Noch Ecken und Kanten am runden Tisch

Di, 04.07.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Öffentlicher "Runder Tisch" positiv bewertet

Mi, 16.08.00 BI "Kein Atommüll in Ahaus", Pressemitteilung
Sonntagsspaziergang/Anzeichen für Transport verdichten sich

Mo, 23.10.00 Stellungnahme Innenminister Behrens
Innenminister Behrens am Runden Tisch

Mo, 23.10.00 Nachbericht vom "Runden Tisch"
Innenminister leitet Countdown für Castor-Transport ein

Di, 24.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Minister nennt Termin nicht - Möglicher Transport im Frühjahr 2001

Sa, 28.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief: Breites Bündnis gegen Atomtransporte nötig

Do, 09.11.00 UWG-Stellungnahme
UWG fordert Stopp der Castorpläne

Do, 07.12.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Runder Tisch ist nicht mehr rund

Fr, 08.12.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Tischtuch scheint zerschnitten

Sa, 09.12.00 Junge Welt
Runder Tisch geplatzt

Fr, 29.12.00 Münsterland Zeitung
Einsatzleitung: Urlaubssperre wegen Castor

Mi, 17.01.01 AP-Agenturmeldung
Bund will Atomtransporte noch vermeiden

Mi, 24.01.01 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Erleichterung: Castoren kommen vorerst nicht

UWG-Position zur Transportabsage
Brennelemente-Zwischenlager und Castor-Transporte: Blick über den Ahauser Kirchturm...


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