Münsterland
Zeitung, 29. Dezember 2000Einsatzleitung im Polizeipräsidium: Urlaubssperre wegen
Castor
von Helmut P. Etzkorn
Münster. Direkt nach Karneval wartet auf den Leitenden Polizeidirektor Wilfried
Kampmann ein heißer Tanz: Als Gesamteinsatzleiter will der münstersche Polizist im
Auftrag des Innenministers den für März 2001 geplanten Castor-Transport nach Ahaus gegen
den erbitterten und nicht gewaltfreien Widerstand der Atomgegner möglichst störungsfrei
abwickeln. Allein aus NRW werden Kampmann dazu mehr als 15 000 Uniformierte zur Seite
gestellt.
Der Ständige Stab im münsterschen Polizeipräsidium - dort laufen vor und während
des Einsatzes alle Fäden zusammen - hat mit der Einsatzvorbereitung, derzeit werden
Kommunikationsstrukturen aufgebaut. In der ersten Januarwoche wird sich dann der Leiter
der Pressestelle im Präsidium, Alfons Probst, in der Ahauser Villa van Delden auf die
Akkreditierung von knapp 1000 Journalisten vorbereiten.
Für alle münsterschen Polizisten gilt bereits eine vorläufige Urlaubssperre ab 1.
März mit Ausnahme der Osterferien, im Präsidium wartet man auf eine landesweite Regelung
zur Urlaubsgewährung. Gleichzeitig laufen Planungen zur Unterbringung und Versorgung der
vielen tausend Einsatzkräfte. Auf entsprechende Pläne vom Castor IV-Transport im März
1998 kann nur bedingt zurückgegriffen werden. Kampmann: "Organisatorische
Anpassungen müssen vorgenommen werden, auch wird derzeit in einem erheblichen Umfang
technisches Gerät herangeschafft und installiert."
Im ganzen Land werden ab Anfang 2001 starke Einheiten komplett in das Castorprojekt
eingebunden, davon ist auch Münster betroffen. Kampmann: "Arbeitszeit und andere
Ressourcen können nur einmal genutzt werden. Deshalb stehen viele Bedienstete der Polizei
Münster für andere Aufgaben bald nicht mehr zur Verfügung." Wie sein Vorgänger
Haase setzt auch Castor-Polizeiführer Kampmann zunächst auf Deeskalation. Der
Polizeiführer: "Das bedeutet aber nicht, dass wir auf Zwangsmaßnahmen
verzichten." Das Klima zwischen Atomkraftgegnern und Polizei am "Runden
Tisch" ist vergiftet, weil mehrere Parteien und die Bürgerinitiative gegen das
Brennelemente-Zwischenlager die Gespräche mit Kampmann und Polizeipräsident Hubert
Wimber abgebrochen haben. Sie vermissen "konkrete Aussagen zu den Transporten".
Um die Sicherheitsrisiken für die Beamten nicht zu erhöhen, wird eine exaktes Datum für
den Transport nicht bekannt gegeben. Kampmann: "Sonst könnten Gewalttäter ihre
Aktionen noch besser planen."
Auf Kritik beim Einsatz 1998 stieß besonders die Festnahme von insgesamt 647
Demonstranten, gefolgt von über 120 strafrechtlichen Ermittlungsverfahren. Eine erste
Bewährungsprobe für Kampmann wird eine Großdemo am 18. Februar in Ahaus mit Autonomen
aus ganz Deutschland sein.

UWG: Castor-Transport ist überflüssige Machtdemonstration
Stellungnahme vom 31.12.2000 zu diesem Bericht aus der MZ
von Dieter Homann
Wenn in dem Bericht zum geplanten Castor-Transport
der Schluß gezogen wird, dass das Klima zwischen Atomkraftgegnern und Polizei am
"Runden Tisch" vergiftet sei, weil mehrere Parteien und die Bürgerinitiative
gegen das Brennelemente-Zwischenlager die Gespräche mit Vertretern des Polizeipräsidiums
abgebrochen haben, so mag dies der Haltung von Polizeidirektor Kampmann entsprechen, nicht
aber die tatsächlichen Gründe für den Abbruch der Gespräche wiedergeben.


Dieter Homann, UWG-Fraktions- vorsitzender |
Für die Unabhängige Wählergruppe Ahaus (UWG) habe ich
an den bisherigen sechs Sitzungen des "Runden Tisches" teilgenommen und
gemeinsam mit Vertretern aller gesellschaftlicher Gruppierungen aus Ahaus um eine klare
Position zu weiteren Castor-Transporten gerungen. Der dabei entstandene Minimalkonsens
(wenn ein Transport unverzichtbar erscheint, dann solle er am Wochenende kommen, um das
öffentliche Leben in Ahaus möglichst wenig zu beeinträchtigen, Bekanntgabe des genauen
Anlieferungstermins spätestens zwei Monate vor einem Transport) wurde als Forderung
Innenminister Fritz Behrens vorgetragen, von ihm jedoch in der Sitzung des "Runden
Tisches" am 23.10.2000 abgelehnt. Herr Behrens hat somit klar zu verstehen gegeben,
dass die Wünsche der Ahauser Bevölkerung bei seinen Entscheidungen und Planungen keine
Rolle spielen werden und dem "Runden Tisch" somit seine Bedeutungslosigkeit
bescheinigt. |
Die Vertreter des Polizeipräsidums am "Runden Tisch" haben
in den Sitzungen zwar immer wieder die Kooperationsbereitschaft der Ahauser Gruppen
eingefordert, selbst aber in keinster Weise Bereitschaft gezeigt, ihre Planungen offen
darzulegen oder gar die Interessen der Ahauser Bevölkerung hierbei berücksichtigen zu
wollen. Vielmehr wurde seitens der Polizei weiterhin die bekannte Strategie der
Kriminalisierung der demonstrierenden Bürger als "gewaltbereite Chaoten"
verfolgt und Polizeipräsident Hubert Wimber hat in der Oktober-Sitzung deutlich gemacht,
dass bei weiteren Castor-Transporten mit ähnlichen Übergriffen der Polizei wie im Jahre
1998 zu rechnen sei. Die gravierenden Grundrechtsverletzungen und brutalste Vorgehensweise
einiger Polizeieinheiten wurden nach wie vor bagatellisiert, klare Anfragen aus den Reihen
des "Runden Tisches" und eine selbstkritische Haltung zu den polizeilichen
Übergriffen beim letzten Castor-Transport wurden brüsk zurückgewiesen.
Unter diesen Umständen kann und wird eine Unabhängige Wählergruppe,
die den "Runden Tisch" vor etwa einem Jahr initiiert hat mit dem Ziel, eine
gemeinsame Haltung der Ahauser Bevölkerung gegen weitere Castor-Transporte zu erarbeiten,
nicht länger mit Vertretern des Polizeipräsidiums am "Runden Tisch"
teilnehmen. Die UWG läßt sich nicht vorführen oder gar als Handlanger der Polizei bei
Castor-Transporten instrumentalisieren, um den Transport möglichst reibungslos nach Ahaus
zu bringen.
Außerdem lehnt die UWG Ahaus weitere Castor-Transporte nach Ahaus ab,
da diese nicht dem Ausstieg aus der Atomenergie, sondern dem langfristigen Weiterbetrieb
dienen. Aufgrund bestehender Sicherheitsprobleme wären solche Transporte auch
unverantwortlich für die Bevölkerung. Sie tragen in keinster Weise zur Lösung des
Entsorgungsproblems bei, sondern sind eine sinnlose Verschiebung von Atommüll. Der für
Anfang März 2001 geplante Transport ist aus technischen Gründen nicht erforderlich,
sondern aus politischen Kreisen gewünscht und und wird von der Atomindustrie forciert und
bedeutet somit allenfalls eine überflüssige Machtdemonstration.
Daher wird die UWG alle Möglichkeiten nutzen, weitere Transporte nach
Ahaus zu verhindern und wenn, gegen alle Vernunftsgründe und dem Willen der Bevölkerung,
der nächste Castor-Transport wiederum "durchgeprügelt" wird, so wird die UWG
mit vielen Menschen deutlich machen, dass dies der letzte Transport sein muß.

Mo, 04.10.99 Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten
Kernenergie soll Bürger in Ahaus nicht weiter in
zwei Lager spalten
Di, 01.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief "Runder Tisch muss klare Position
gegen Castor beziehen"
Di, 22.02.00 UWG-Pressemitteilung
UWG hält Öffentlichkeit beim "Runden Tisch" für
notwendig
Do, 24.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
"Vorgespräch verlief konstruktiv"
Di, 14.03.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Runder Tisch tagt beim nächsten Mal öffentlich
Mi, 24.05.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Noch Ecken und Kanten am runden Tisch
Di, 04.07.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Öffentlicher "Runder Tisch" positiv
bewertet
Mi, 16.08.00 BI "Kein Atommüll in Ahaus", Pressemitteilung
Sonntagsspaziergang/Anzeichen für Transport verdichten
sich
Mo, 23.10.00 Stellungnahme Innenminister Behrens
Innenminister Behrens am Runden Tisch
Mo, 23.10.00 Nachbericht vom "Runden Tisch"
Innenminister
leitet Countdown für Castor-Transport ein
Di, 24.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Minister nennt
Termin nicht - Möglicher Transport im Frühjahr 2001
Sa, 28.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief:
Breites Bündnis gegen Atomtransporte nötig
Do, 09.11.00 UWG-Stellungnahme
UWG fordert Stopp der Castorpläne
Do, 07.12.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Runder Tisch ist nicht mehr rund
Fr, 08.12.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Tischtuch
scheint zerschnitten
Sa, 09.12.00 Junge Welt
Runder Tisch geplatzt
Fr, 29.12.00 Münsterland Zeitung
Einsatzleitung: Urlaubssperre wegen Castor
Mi, 17.01.01 AP-Agenturmeldung
Bund will Atomtransporte noch vermeiden
Mi, 24.01.01 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Erleichterung: Castoren kommen vorerst nicht
UWG-Position zur Transportabsage
Brennelemente-Zwischenlager und Castor-Transporte: Blick über den Ahauser Kirchturm...

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