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Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten, 29. Dezember 2001

Ist Bodenaushub aus Schermbecker Deponie belastet?

-rs- Ahaus-Alstätte. Es sollte eine Anlieferung wie jede andere derzeit im Rahmen der Rekultivierung der Alstätter Deponie auch werden. Jetzt aber ist das Vorhaben der Oberhausener Firma Nottenkämper, 3000 Tonnen Bodenaushub aus der Hausmülldeponie Schermbeck nach Ahaus-Alstätte zu transportieren, abrupt auf Eis gelegt worden. Nach Berichten der in Schermbeck erscheinenden Neuen Ruhr Zeitung, nach denen das Material unter anderem mit Schwermetallen, Altöl und Teer belastet sein soll, hat der Betreiber, die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (egw), jetzt die Notbremse gezogen und aus Sicherheitsgründen die Anlieferung gestoppt. Wir haben zudem eine Probe gezogen, die uns Aufschluss über die Zusammensetzung des angelieferten Materials geben soll, sagte Hendrik Stegemann, Technischer Leiter der egw, gestern auf Anfrage der WN.

Aus Sicht der egw besteht aber wenig Anlass, an dem von der Firma Nottenkämper bereits vorliegenden Nachweis der Unbedenklichkeit des Bodenaushubs zu zweifeln. Das Untersuchungsergebnis sei eindeutig, so Stegemann. Auch sei bei der Anlieferung der ersten Lastwagenladungen kein Ölgeruch festgestellt worden, der darauf hindeutet, dass es sich um belastetes Material handeln könnte. Auf Grund der Zeitungsberichte sei die weitere Anlieferung jetzt aber trotzdem gestoppt worden. Stegemann: Wir wollen auf Nummer sicher gehen.

Die egw will jetzt das Ergebnis der Rückstellprobe abwarten, mit dem jedoch nicht vor Mitte Januar gerechnet wird. Der in einer Größenordnung von 1000 Tonnen angelieferte Bodenaushub, den Stegemann gegenüber den WN als Klärschlamm-Bauschuttgemisch bezeichnete, wird bis dahin auf dem Gelände der Deponie im Alstätter Brook zwischengelagert werden.

Ursprünglich vorgesehen war, das Material aus der Schermbecker Deponie für die vorläufige Abdeckung des Alstätter Deponiekörpers im Rahmen der laufenden Rekultivierungsmaßnahmen zu verwenden.


Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 29. Dezember 2001

Deponieabdeckung gestoppt

von Stefan Grothues

Alstätte - Die Verfüllung von 3000 Tonnen Boden-Bauschutt-Gemisch auf der stillgelegten Deponie in Alstätte ist gestern vorzeitig gestoppt worden. Die zuständige Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (egw) will zunächst in einem neuen Gutachten klären lassen, ob das Material stärker als erlaubt mit Schwermetallen und Altöl belastet ist.Am Donnerstag und gesternmorgen wurden nach Angaben von Hindrik Stegemann, dem technischen Leiter der egw, etwa 1000 Tonnen Bodenmaterial aus Schermbeck im Kreis Wesel nach Alstätte gebracht.

Das Material dient zur Abdeckung der ehemaligen Deponie. Die Analyse eines unabhängigen Labors habe zuvor ergeben, dass das Material aus Schermbeck "weit unterhalb der Grenzwerte" mit Öl und Schwermetallen belastet sei, so Stegemann. Er gehe davon aus, dass dies auch tatsächlich so sei. Dennoch nehme er Hinweise aus jüngsten Zeitungsberichten im Kreis Wesel ernst, in denen von einer stärkeren Belastung des Materials mit Schwermetallen, Altöl und Teer die Rede war. Ein neues Gutachten soll nun Gewissheit bringen. Eine akute Gefährdung besteht nach egw-Angaben durch die bereits angelieferten 1000 Tonnen nicht. Theoretisch sei aber ein Eindringen von Schadstoffen durch Feuchtigkeit in den Deponiekörper denkbar. Stegemann: "Sollte das zweite Gutachten wider Erwarten eine zu hohe Belastung mit Schadstoffen ergeben, müssten die bereits angelieferten 1000 Tonnen vom Vertragspartner Remex wieder aus Alstätte abgefahren werden. Das ist aber reine Spekulation."

In Schermbeck waren in einer Tongrube insgesamt 16 000 Tonnen Erde unerlaubt gelagert worden. Nach einem Bericht der Neuen Rhein-Zeitung vom Donnerstag sollen die gesamten 16 000 Tonnen bis Mitte Januar aus der Tongrube ausgehoben und auf der Alstätter Deponie entsorgt werden. Das sei nicht richtig, betonte dagegen gestern Hindrik Stegemann: Es gebe nur einen Vertrag über die Abnahme von 3000 Tonnen.

Müllberg soll grüner Hügel werden

Tagtäglich wurde von 1978 bis zum Jahr 2000 Hausmüll zur Deponie in Alstätte gebracht - insgesamt 1,4 Millionen Kubikmeter Müll. In diesem Jahr haben die Rekultivierungsarbeiten für den elf Hektar großen und 32 Meter hohen Müllberg begonnen. In zehn Jahren soll der Müllberg in einen grünen, von einem Bäumen gesäumten Hügel verwandelt werden. Die Abdeckung mit Erde schafft die Grundlage für die Rekultivierung. Teilmengen des Abdeckungsmaterials stammen aus dem Kreis Wesel und stehen nun im Verdacht belastet zu sein. Eine erste Analyse, so die egw, spreche jedoch gegen den Verdacht, eine zweite soll Klarheit schaffen.


Rheinische Post - Wesel, 29. Dezember 2001

Verseuchter Boden

Lagerung zunächst gestoppt

SCHERMBECK (RP). Nur einen Tag, nachdem damit begonnen wurde, belastete Erde aus einer ehemaligen Tongrube der Firma Nottenkämper in Gahlen abzufahren, wurde die Aktion gestern gestoppt. 1000 Tonnen landeten wie geplant auf einer Deponie für Siedlungsabfälle in Ahaus-Altstätte, dann zog deren Betreiber, die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland mit Sitz in Gescher, die Bremse.

Anlass dafür war nach Angaben des Technischen Leiters Hendrik Stegemann der Hinweis auf Geruchsbelästigungen im gestrigen RP-Bericht. Anlieger der Gahlener Grube hatten bereits im Juni über Gestank geklagt und die Sache damit ins Rollen gebracht. Auch am ersten Verladetag lag Teergeruch in der Luft.

Laut Analyse enthalte das Material geringe Mengen an Teer- und Ölresten und sei für die Deponierung in Ahaus "voll geeignet", so Stegemann. "Wir haben nichts gerochen", sagte er. "Aber wir wollen auf Nummer Sicher gehen und haben deshalb noch einmal Proben genommen." Mit Ergebnissen rechnet er Mitte Januar. Bis dahin dürfe kein weiteres Material aus Gahlen angeliefert werden.

Laut Stegemann hat die Oberhausener Firma Nottenkämper (Containerdienst, Entsorgung, Transporte) eine Genehmigung für die Lagerung von 3000 Tonnen. Sie muss aber 16 000 Tonnen loswerden. Zu der Möglichkeit, dem Unternehmen höhere Kapazitäten einzuräumen, äußerte sich Stegemann zurückhaltend.


Ruhr Nachrichten - Dorsten, 29. Dezember 2001

Bagger in der Tongrube Gahlen

In die alte Tongrube in Gahlen kommt Bewegung - und damit auch in den Umweltskandal (wir berichteten). Seit Donnerstag arbeiten Bagger daran, die mit Schwermetallen sowie Öl- und Teerresten verseuchte Erde auszuheben. Schätzungen gehen von etwa 16 000 Tonnen Erdreich aus. Mehrere hundert Mal werden die LKW der Firma Nottenkämper zur Deponie nach Ahaus fahren müssen, um den Boden vollständig zu entsorgen - auf eigene Kosten. Denn weil Nottenkämper dort bei der Verfüllung der Tongrube die Genehmigungswerte stark überschritten hatte, verpflichtete sich das Oberhausener Unternehmen gegenüber dem Kreis, das verseuchte Erdreich abzutragen.

Über die Schuldfrage kann Bernhard Nottenkämper auch ein halbes Jahr, nachdem die Erde in die Grube gefüllt worden ist, nur spekulieren. Er sei von anderen Unternehmern hereingelegt worden, betonte er immer wieder. Fest steht: die Duisburger Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Der Umweltskandal war bereits Ende Juni ans Licht gekommen, als sich Gahlener Bürger beim Ordnungsamt über den extremen Geruch beschwert hatten. Eine sofortige Analyse hatte erhebliche Verstöße gegen die Kohlendioxid- und Schwermetall-Grenzwerte festgestellt. os


Neue Ruhr Zeitung, 29. Dezember 2001

Erneuter Wirbel

Kreis Borken stoppte die Anlieferung des belasteten Materials

SCHERMBECK. Das Nottenkämper-Material aus der ehemaligen Tongrube Gahlen sorgt auch in Ahaus für Wirbel. 1000 Kubikmeter waren erst auf der Deponie Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland angeliefert, da schritt der Kreis Borken ein. Zweifel waren laut geworden, ob denn die Alstätte-Deponie überhaupt geeignet sei, den mit Schwermetallen sowie Altöl- und Teerrückständen belasteten Bodenaushub aufzunehmen.

Wie die Kreisverwaltung Borken gestern auf Anfrage der NRZ bestätigte, wurde die Anlieferung des Materials aufgrund dieser Zweifel gestoppt. Zunächst war die Aufnahme erlaubt worden, weil eine vorgelegte Untersuchung bestätigte, dass die Erde dort abgekippt werden könnte. Von dem bereits abgekippten Material wurden Proben gezogen, die nun analysiert werden.

Mit einem Ergebnis wird bis Mitte Januar gerechnet, so Kerstin Weßling, Pressesprecherin der Kreisverwaltung Borken. Erst dann könne eine Entscheidung getroffen werden, ob die belastete Erde aus Schermbeck wirklich auf die Deponie in Ahaus-Alstätte gebracht werden darf.


Antrag für die Ratssitzung am 29. Januar 2002
>Abdeckung der Mülldeponie Ahaus-Alstätte


Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 30. Januar 2002

Verantwortung oder Verunsicherung?

Ahaus - Kritische Vorsicht oder unverantwortliche Verunsicherung? Nachdem sich der Verdacht, die Alstätter Deponie würde mit unzulässig hoch kontaminiertem Boden abgedeckt, als unbegründet erwiesen hatte (Münsterland Zeitung berichtete), stritt der Rat am Dienstagabend über die politische Vorgehensweise der UWG in dieser Frage. Die UWG war kurz nach Bekanntwerden des Verdachts Ende Dezember 2001 mit einem Antrag an die Öffentlichkeit gegangen und hatte darin umfassende Informationen gefordert.

Die UWG sprach in ihrem Antrag von einem "skandalösen Vorgang", dass weder Rat und Verwaltung noch die Bevölkerung über die Abdeckung mit belastetem Material informiert gewesen seien. Die CDU bewertete dies als Panikmache. Zu dem Zeitpunkt habe die Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland bereits die Bodenanlieferung gestoppt und ein zusätzliches Gutachten in Auftrag gegeben gehabt, das später die Unbedenklichkeit des Abdeckmaterials bestätigte. Der Boden sei zwar verunreinigt, jedoch würden die Grenzwerte deutlich eingehalten, so die Analyse eines unabhängigen Gutachters. Diese Gutachten hätte die UWG abwarten müssen, bevor sie von "skandalösen Vorgängen" spreche, so die Ansicht der CDU. Der Antrag der UWG sei "überflüssig wie ein Kropf", so der Alstätter Ortsvorsteher Hermann-Josef Gerwing-Gerwer. Das sah die UWG ganz anders: Nach Zeitungsberichten aus dem Kreis Wesel, von wo der Boden stamme, habe es berechtigte Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entsorgung gegeben, so der Fraktionsvorsitzende Dieter Homann. "Außerdem lässt mich die Tatsache, dass uns die Gutachten nicht vorgelegt werden zweifeln, ob alles koscher ist. Weil wir als Politiker Verantwortung tragen, haben wir diesen Antrag gestellt", so Homann weiter.

Bürgermeister Dr. Dirk Korte hingegen vermutete ein anderes Motiv der UWG: "Sie haben einen vagen Verdacht genutzt, sich ins Gespräch zu bringen." Der ganze Vorgang habe sich im Rahmen der Gesetze bewegt. Daher habe kein Anlass für eine besondere Information bestanden. Er wehre sich gegen das "abgrundtiefe Misstrauen gegenüber der EGW als Einrichtung des Kreises." Die Stadt will sich nun bei der EGW dafür einsetzen, dass die Analyse-Ergebnisse den Fraktionen zur Verfügung gestellt werden.


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