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Die Tageszeitung, 18. Dezember 2003

Urencos russische Uran-Deals

von Elmar Kok

Die Uran-Wiederaufarbeitungsanlage in Gronau wird weiter ausgebaut - dabei sind die Kapazitäten bereits heute mehr als ausreichend. Umweltschützer sprechen von billiger Atommüllentsorgung.

Die Erweiterung der Uran-Wiederaufarbeitungsanlage der Firma Urenco in Gronau ist Realität. Seit dem Wochenende hat auch die grüne Landespartei diese Realität anerkannt und bekannt gegeben, dass die Partei sich nur noch politisch für die Stillegung der Anlage einsetzen werde.

"Gegen den Betrieb der Anlage juristisch vorzugehen, wird schwierig", sagt Harald Schwalbe, Umweltreferent der Landesgrünen. Und weiter: "Da ist nichts mehr mit großem Optimismus." Jetzt kämpft die Öko-Partei darum, dass die Anlage wenigstens den Sicherheitsstandards entspricht. Die Partei werde darauf achten, dass die Anlage "entsprechende Sicherheiten, etwa gegen Flugzeugabstürze bekommt", sagt Schwalbe.

Sicher ist, dass die Anlage nach ihrem Ausbau mehr Uran herstellen wird, als für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke während des Ausstiegs nötig ist. Während in Deutschland noch 18 Meiler auf die Einstellung ihres Betriebs warten, kann die Anlage in Gronau Brennstoff für knapp die doppelte Anzahl Kraftwerke liefern. "Wir werden nach dem Ausbau pro Jahr rund 4500 Tonnen Urantrennarbeit machen", sagt Manfred Krey, Pressesprecher von Urenco. 1000 Tonnen reichten, um 8 Kraftwerke zu versorgen, sagt Krey. Dann wird in Europa noch mehr Uran durch die Gegend geschickt als bisher. Denn die Urenco verschifft ihr Material, dass sie Wertstoff nennt, über Rotterdam nach Rußland. Dort wird es nach Firmenangaben wieder angereichert. Um welche Mengen es sich handelt, will Krey aber nicht sagen. Was zurückkomme sei so gut wie Natururan.

Die Gegner der Anlage in Gronau nennen den Urenco-Wertstoff schlicht Atommüll und verdächtigen die Firma abgereichertes Uran in Rußland abzuliefern und gegen gutes Geld in neues umzutauschen. Zweifel seien angebracht, denn eigentlich sei die erneute Anreicherung des Materials viel teurer als auf dem Weltmarkt erworbenes Natururan, sagt Bettina Dannheim, Energiereferentin der Umweltorganisation Robin Wood: "So billig können das nur die Russen."

Der preiswerte Uranimport aus Rußland treibt auch den atompolitischen Sprecher der Grünen im Landtag, Rüdiger Sagel, um. Das müsse überprüft werden, fordert er. Sagel will sich mit dem Ausbau der Anlage nicht zufrieden geben. "Das ist weder wirtschaftspolitisch noch technologisch notwendig", sagt der Landtagsabgeordnete.

Richtig Angst macht die Anti-Atombewegung im Landtag dem Anlagen-Betreiber jedenfalls nicht. Protest sei man gewöhnt, sagt Atommann Krey. Im Sommer habe es zuletzt rumort, sagt er: "Als es da diesen Krach in der Koalition gab."


weitere Infos zur Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), 02. Januar 2005
Unterschriftenaktion "Stilllegen statt erweitern!"

AFP-Agenturmeldung, 07. Januar 2005
IAEA-Chef schlägt weltweites Moratorium für Uran-Anreicherung vor

Arbeitskreis Umwelt Gronau u.a., Demonstrationsaufruf, 09. Oktober 2004
"Den Hahn zudrehen - Die Atomfabrik Gronau stilllegen, sofort!"

Arbeitskreis Umwelt Gronau, Pressemitteilung, 06. September 2004
Protestkundgebung vor der niederländischen Uranfabrik in Almelo

anti-atom-aktuell.de, 20. Juli 2004
"Herr Steinbrück: Erst Urenco stoppen - dann mit Udo rocken!"

DDP-Agenturmeldung, 21. Juni 2004
Uran-Transport nach Russland - Atomkraftgegner rufen zu Protesten auf

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Pressemitteilung, 24. Mai 2004
Protest gegen Jahrestagung Kerntechnik in Düsseldorf

Westfälische Nachrichten, 14. Januar 2004
Ratsmehrheit hat keine Bedenken gegen Ausbau

Westfälische Nachrichten, 30. Januar 2004
Richtkrone thronte im statt über dem Neubau

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, 08. Januar 2004
Internationaler Protest gegen Almelo

Süddeutsche Zeitung, 02. Januar 2004
Der Atom-Schwarzmarkt

DPA-Agenturmeldung, 01. Januar 2004
Deutsche Atomtechnik-Teile für Libyen abgefangen

Die Tageszeitung, 18. Dezember 2003
Urencos russische Uran-Deals

AFP-Agenturmeldung, 26. November 2003 u.a.
Areva/Urenco: 3 Mrd. Euro in eine neue Urananreicherungsfabrik

AKU Gronau, BBU, 11. Juli 2003
In NRW soll das bundesweit einzige Uranoxidlager gebaut werden

Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2003
Tausende Einwände gegen Ausbau der Urananreicherung

AKU Gronau, BBU, 10. Juli 2003
Urananreicherungsanlage: BBU wirft Landesregierung NRW Irreführung der Bevölkerung vor

Die Tageszeitung, 07. Juli 2003
Atomausstieg? Nicht in Gronau

Junge Welt, 07. Juli 2003
Urananlage soll wachsen

Robin Wood, 07. Juli 2003
Atomfabrik Gronau schließen - Aktion auf der Landesgartenschau

AKU Gronau, BBU, DNR und Robin Wood, 04. Juli 2003
Umweltorganisationen protestieren gegen den beantragten massiven Ausbau der Uranfabrik in Gronau

AKU Gronau, Robin Wood, BBU, 26. März 2003
Mehr als 6.000 Einsprüche gegen den Ausbau der Gronauer Atomfabrik

Münsterland Zeitung, 28. Januar 2003
Urananreicherung soll erweitert werden

Junge Welt, 28. Januar 2003
Uran bis zum Abwinken

Die Tageszeitung, 28. Januar 2003
Uran aus Deutschland

Robin Wood, 27. Januar 2003
Ausstieg statt Ausbau - Aktion auf dem Gronauer Rathaus

redaktion@uwg-ahaus.de, Januar 2003
Gronau stillegen statt erweitern


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