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Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten, 30. Dezember '99

"Sie hätten mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen"

UWG-Antrag auf Intensivierung der Integration Russlanddeutscher stößt im Rat auf Unverständnis

von Stefan Grothues

Ein Antrag der UWG-Ratsfraktion auf Intensivierung der Integrationsmaßnahmen für junge Russlanddeutsche hat bei CDU und SPD Unverständnis und Verärgerung ausgelöst.

Die UWG hatte ihren Antrag auf Verbesserung der Integrationsbemühungen damit begründet, dass für die Russlanddeutschen der Wechsel aus einer völlig anderen Kultur "häufig eine Überforderung" darstelle. Als Auswirkungen seien immer wieder starker Alkoholkonsum und hohes Gewaltpotential festzustellen.

Ratsherr Franz-Josef Weuthen (CDU) zeigte sich höchst verärgert über diese Antragsbegründung und warf der UWG "Arroganz und Unkenntnis" vor. Aus seiner beruflichen Erfahrung als Schulleiter wisse er, dass nur ein geringer Prozentsatz der Russlanddeutschen sich nicht zurecht finde, die Mehrheit dagegen sehr gut integriert sei. Weuthen: "Zur Integration gehören aber immer zwei Seiten. Die Antragsbegründung der UWG verstärkt nur Vorurteile." Der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dönnebrink und der Grüne Dietmar Eisele unterstützten Weuthen und empfahlen, das Thema nicht weiter öffentlich zu diskutieren. Dönnebrink: "Der Ruf dieser Bevölkerungsgruppe ist schon schlecht genug."

Ulf Kemper (UWG) dagegen verteidigte den Antrg der UWG. Ziel sei eine Erleichterung der Integration. "Die Vorurteile sind da und sollten deshalb auch öffentlich thematisiert werden." An die Adresse der UWG gerichtet, merkte Bürgermeister Dr. Korte daraufhin an: "Sie haben es gut gemeint, aber Sie hätten mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen."

Nach Darstellung der Verwaltung hat das Jugendamt das Thema Mitte 1997 erstmals aufgegriffen und seither "umfrangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation jugendlicher Russlanddeutscher eingeleitet". Vorrangige Hilfe zur Integration sei dabei nach wie vor das Erlernen der deutschen Sprache. Die enge Kooperation zwischen Jugendamt und Aussiedlerberatung habe in ein gemeinsames Projekt gemündet, zu dem die aufsuchende Sozialarbeit (Streetwork), Gruppenangebote und soziale Trainingskurse gehörten. Personell ist neben der Aussiedlerberatungsstelle des Caritasverbandes und den Fachdiensten des Jugendamtes seit einem Jahr schwerpunktmäßig ein Sozialarbeiter als Jahrespraktikant eingesetzt. Im November wurde darüber hinaus eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bewilligt. Mit großer Mehrheit beschloss der Rat, die Einstellung der Fachkraft im Zuge der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme abzuwarten. Nach einer ersten Auswertung soll die Verwaltung im Jugendhilfeausschuß einen Zwischenbericht abgeben.


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