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99. |
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Westfälische Nachrichten - Gronauer Zeitung, 03. Dezember '99 Sitzblockade: Protest gegen UrantransportGroßaufgebot der Polizei löst Demo aufcv - Gronau. Um halb eins ist der Widerstand gebrochen. Drei Lkw, jeder mit einem fast vier Meter langen Uranhexafluorid-Fass beladen, rollen langsam auf das Urenco-Haupttor zu - der Weg von Polizisten gesäumt. Die Demonstranten, die noch wenige Minuten zuvor das Tor blockiert haben, können das "Schauspiel" nur aus der Ferne beobachten. Sie sind von Beamten einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei einzeln aus dem Weg getragen worden. Eine 24jährige aus Münster soll im weiteren Verlauf mit einem Knüppel auf einen Polizisten eingeschlagen haben, sie wird - als Einzige - vorläufig festgenommen. Ihr droht nun ein Verfahren wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt. 26 weitere Demonstranten müssen auf der Wache ihre Personalien hinterlassen und mit Bußgeldern wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz rechnen. Die ersten Atomkraftgegner treffen sich morgens bereits um halb acht vor der Urananreicherungsanlage, ausgerüstet mit heißem Kaffee, belegten Broten und wetterfester Kleidung. Ihre Absicht: gegen den Uranhexafluorid-Transport zu demonstrieren, der seit Montag aus dem französischen Pierrelatte Richtung Gronau unterwegs ist. "Gut unterrichtete Umweltschützer" hatten - wie berichtet - frühzeitig von dem geplanten Transport erfahren und zum Protest aufgerufen. Als dann gegen halb zwölf die ersten drei Lkw mit UF-6-Behältern aus Nordhorn eintreffen, werden sie von rund 40 Demonstranten mit Sprechchören ("Hopp, hopp, hopp - Urantransporte stopp!") und Transparenten empfangen. Mindestens ebenso viele Polizisten in Uniform und Zivil, Betriebsleitung und Betriebsrat von Urenco beobachten das Spektakel. Die drei Lkw, speziell ausgewiesene Gefahrenguttransporter, haben die Druckbehälter aus 16 Millimeter dickem Stahl zuvor am Bahnhof in Nordhorn übernommen. Auf Grund der Menge - insgesamt sind zwölf Behälter mit festem, schwach radioaktivem UF-6 in Frankreich auf den Weg gebracht worden - ist klar, daß sie die Strecke nach Gronau insgesamt vier Mal fahren müssen. Behindert wird allerdings nur die erste Fuhre. Schon am Nachmittag, als die Lkw zum zweiten Mal das Tor zur Urananreicherungsanlage passieren, ist kein Demonstrant mehr in Sicht. Urenco-Sprecher Manfred Krey steht am Morgen nur wenige Meter neben den Demonstranten, die gerade "Widerstand in Gronau, Widerstand in Ahaus, wir machen dem Atomstaat über all den Garas" skandieren. Deren Aufregung kann er dabei kaum nachvollziehen: "Für uns sind diese Transporte Routine - und sie sind sicher." Das belege die 15jährige Erfahrung mit UF-6-Transporten in Gronau. Derzeit würden pro Jahr etwa 210 Behälter mit Natururan angeliefert. Etwa 110 Fässer mit angereichertem Uran (ca. 25 Lkw) und 190 große Behälter (190 Lkw) mit abgereichertem Uran würden die Anlage verlassen. Macht summa summarum 430 Lkw - bei einem Ausbau auf 1800 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr würde sich diese Zahl auf rund 750 Lkw erhöhen. Allerdings plane die Urenco für das zweite Halbjahr 2000 den Bau eines Gleisanschlusses, um zumindest einen Teil der Transporte "von der Straße herunterzukriegen", so Krey. Jörn Roggenkamp, Sprecher von Greenpeace, hat den UF-6-Transport nach Gronau über weite Strecken begleitet und mit Kollegen dokumentiert. Dabei geht es ihnen weniger um eine minutiöse Aufzeichnung des Transportweges als vielmehr darum, solche Transporte selbst aus dem Dunkel herauszubringen". Schließlich handele es sich bei UF-6, entgegen der Einschätzung Urencos, um "hochbrisantes Material", das zweieinhalb Tage lang durch dicht besiedeltes Gebiet transportiert worden sei.
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