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ddp-Agenturmeldung, 17. Januar 2001

Voraussichtlich kein Castor-Transport im März

Kraftwerksbetreiber halten aber grundsätzlich an Genehmigung fest

von Stephan Heuschen

Düsseldorf/Salzgitter/Neckarwestheim (ddp). Der für Anfang März geplante Transport atomarer Brennelemente von Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen ist aller Voraussicht nach gestoppt. Nach Informationen der NRW-Landesregierung will das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter bis Ende Februar ein Interimslager für Castorbehälter am Kernkraftwerk Neckarwestheim genehmigen. Damit würden weitere Castor-Transporte ins westfälische Ahaus zunächst überflüssig. Die Kraftwerksbetreiber bestehen zwar nach wie vor auf weiteren Transporten, halten jedoch an dem geplanten Termin im März nicht unbedingt fest.

Der Sprecher des Gemeinschaftskernkraftwerkes Neckarwestheim (GKN), Uwe Mundt, sagte, der nächste Castor-Transport müsse nicht im März rollen, da die Genehmigung für das gesamte Jahr gelte. Er stellte zugleich klar, dass aus Sicht der Betreiber noch sechs Behälter mit abgebrannten Brennelementen nach Ahaus rollen müssten. Die Lagerkapazitäten des Kraftwerks würden ansonsten bis zur Inbetriebnahme eines standortnahen Zwischenlagers in etwa fünf Jahren nicht ausreichen. Das GKN habe ein Interimslager mit 24 Stellplätzen beantragt. Wenn die sechs Behälter dort abgestellt würden, wären nur noch 18 Stellplätze frei.

NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) war über die bevorstehende Entscheidung aus Salzgitter schriftlich vom Bundesumweltministerium informiert worden. Er wertete die Ankündigung als «wichtigen Teilerfolg für mein Bestreben, Castor-Transporte nach Ahaus überflüssig zu machen.» Wenn radioaktive Abfälle in Neckarwestheim zwischengelagert werden könnten, «ist es niemandem mehr zu erklären, dass in wenigen Wochen noch Castoren nach Ahaus transportiert werden sollen». Behrens forderte, die Polizei brauche eine schnelle und verbindliche Antwort aus Baden-Württemberg. Solange ein Verzicht nicht definitiv erklärt werde, müsse sich die Polizei auf einen weiteren Castor-Transport intensiv vorbereiten.

Die beiden Polizeigewerkschaften reagierten ebenso wie die NRW-Grünen zunächst mit Erleichterung. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Werner Swienty, sagte, es wäre völlig unverständlich, sollte der Atommüll über Hunderte Kilometer durch Deutschland transportiert werden, wenn es eine Alternative gibt». Die Gefahren für die Bevölkerung und für die bis zu 30.000 eingesetzten Beamten sowie der Kostenaufwand in Höhe von über 100 Millionen Mark machten einen Verzicht erforderlich. Dem schloss sich der NRW-Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, an. Der Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Frithjof Schmidt, sagte, Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) habe der baden-württembergischen Landesregierung einen Strich durch die Rechnung gemacht, «aus wahlkampftaktischen Gründen einen überflüssigen Atomtransport durch die Republik zu jagen.»


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