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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 24. Januar 2001

Erleichterung: Castoren kommen vorerst nicht

Hoffnung auf einen generellen Transportstopp nach Ahaus

von Stefan Grothues

Ahaus. Selten ist eine Nachricht zum Thema Castor in Ahaus mit so einhelliger Zustimmung quer durch alle politischen Lager aufgenommen worden. Freude und Erleichterung lösten gestern mittag Meldungen aus, eine Weisung Trittins mache den für März vorgesehenen Transport der Castorbehälter aus Neckarwestheim unwahrscheinlich.

Allenfalls eine Prise Skepsis mischte sich in die Stellungnahmen der Ahauser Politiker: Nämlich ein Restzweifel, ob denn die Weisung des Bundesumweltministers auch rechtlichen Bestand haben werde. Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Innenministeriums erklärte gestern im Gespräch mit der Münsterland Zeitung, dass Minister Fritz Behrens zuversichtlich sein, dass der Betreiber des Kernkraftwerks in Neckarwestheim schon bald seinen Verzicht auf einen Trnasport erklären werde. "Wir warten in den nächsten Tagen auf ein endgültiges Signal, um die Vorbereitungen der Polizei für den Castortransport stoppen zu können." Polizeipräsident Hubert Wimber erklärte, die Vorbereitungen würden zwar noch fortgeführt werden, allerdings eher formal. Er sei überzeugt davon, dass schon in einigen Tagen die Planungen ganz eingestellt würden.

Klaus Wertel, Sprecher des Energieversorgers EnBW, der das Kraftwerk in Neckarwestheim betreibt, zeigte sich "erleichtert über die Option", die Trittins Weisung geschaffen habe. "Wir können jetzt ohne Zeitdruck Rechtssicherheit schaffen." Es gebe aus seiner Sicht nun auch die "Option" für andere Kernkraftwerke, auf Castortransporte nach Ahaus zu verzichten. Wertel betonte aber, dass alle Beteiligten in diesem Prozess Neuland beträten, so dass nicht mit rascher Klarheit zu rechnen sie. Noch am Montagabend hatte der Runde Tisch mit der Polizei ein Verkehrskonzept erarbeitet und Überlegungen für die Unterbringung von Demonstranten angestellt. Am gleichen Tag hatte Bürgermeister Korte Briefe an Ministerien von Bund und Land geschickt, auf eine rasche Entscheidung gedrängt und beklagt, die Bevölkerung sehe sich als Spielball der unterschiedlichen Interessen und politischer Taktierereien. Korte gestern: "Nun hat sich alles viel schneller geklärt, als wir gehofft hatten".


Stimmen zum Castorstopp

"Die atomrechtliche Weisung des Bundesumweltministers hat mich heute überrascht. Das war ja in dieser Form gar nicht abzusehen. Das ist für Ahaus eine große Erleichterung. Ich hoffe jetzt, dass es überhaupt keine Transporte von abgebrannten Brennelementen nach Ahaus mehr geben wird.

Bürgermeister Dr. Dirk Korte

Faktisch ist mit der Weisung Trittins der Transport nach Ahaus gestorben. Das ist vor allem auch ein Erfolg unserer politischen und juristischen Arbeit. Es war auch richtig, den Runden Tisch zu verlassen. Nicht zuletzt dieser Schritt hat dem nordrhein-westfälischen Innenminister gezeigt, dass ein Transport nach Ahaus auf Widerstand stoßen wird. Erst danach hat sich der Minister vehement gegen den Transport gewandt.

Hartmut Liebermann, Sprecher der BI "Kein Atommüll in Ahaus"

Ich hoffe, dass wir noch in dieser Woche Rechtsklarheit bekommen und alle polizeilichen Vorbereitungen stoppen können. Wir machen jetzt schon nichts mehr, das höhere Kosten verursachen könnte. Ich bin erleichtert, was meine dienstliche Aufgabe angeht und auch persönlich. Es ist für mich eine politische Genugtuung, dass es unter einer rot-grünen Regierung nun anders gelaufen ist als 1998.

Hubert Wimber, Polizeipräsident

Die Entscheidung von Trittin liegt im Interesse der ganzen Ahauser Bevölkerung. Ich hoffe, dass Interimslager auch für die anderen Kernkraftwerkstandorte eingerichtet werden können. Unser Ziel war seit 1998 die standortnahe Zwischenlagerung. Die Verhältnisse vom Tag X 1998 dürfen sich in Ahaus nicht wiederholen.

Felix Büter, CDU-Fraktionsvorsitzender

Wenn die Weisung rechtlich Bestand hat, wäre das phantastisch. Ich wäre glücklich, wenn die Anti-Castor-Bewegung in Ahaus ihr Ziel erreicht hätte. Der Protest hat dazu beigetragen, dass neue Überlegungen in Gang gekommen sind. Jetzt muss der Atomkonsens nur noch hinsichtlich der Laufzeiten nachgebessert werden.

Andreas Dönnebrink, SPD-Fraktionsvorsitzender

Es ist im Moment schwer, den Widerspruch zwischen der erteilten Transportgenehmigung und Trittins Anweisung rechtlich zu bewerten. Wenn kein Castor mehr kommt, ist das ein großer Erfolg für den Widerstand, der die Transporte zu teuer gemacht hat.

Dieter Homann, UWG-Fraktionsvorsitzender


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Kernenergie soll Bürger in Ahaus nicht weiter in zwei Lager spalten

Di, 01.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief "Runder Tisch muss klare Position gegen Castor beziehen"

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Do, 24.02.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
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Di, 14.03.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Runder Tisch tagt beim nächsten Mal öffentlich

Mi, 24.05.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Noch Ecken und Kanten am runden Tisch

Di, 04.07.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Öffentlicher "Runder Tisch" positiv bewertet

Mi, 16.08.00 BI "Kein Atommüll in Ahaus", Pressemitteilung
Sonntagsspaziergang/Anzeichen für Transport verdichten sich

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Innenminister Behrens am Runden Tisch

Mo, 23.10.00 Nachbericht vom "Runden Tisch"
Innenminister leitet Countdown für Castor-Transport ein

Di, 24.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Minister nennt Termin nicht - Möglicher Transport im Frühjahr 2001

Sa, 28.10.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Leserbrief: Breites Bündnis gegen Atomtransporte nötig

Do, 09.11.00 UWG-Stellungnahme
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Tischtuch scheint zerschnitten

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