Berliner
Zeitung, 24. Januar 2001Bald neue Atommüll-Transporte
Verträge mit den Wiederaufarbeitungsfirmen werden wie vorgesehen erfüllt
Berlin. Trotz des von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) per Weisung
gestoppten Castor-Transports zum nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus ist schon
bald mit der Wiederaufnahme der umstrittenen Atommülltransporte zu rechnen. Grund: Im
Atomkonsens mit den Energiekonzernen hat sich die Bundesregierung verpflichtet, den
Kernkraftwerksbetreibern die Abarbeitung der mit der französischen Cogema (La Hague) und
der britischen BNFL (Sellafield) geschlossenen Wiederaufarbeitungsverträge zu
ermöglichen. Diese Verträge laufen noch bis zum Jahr 2005 und erfassen nahezu alle
deutschen Kernkraftwerke. Einzige Ausnahme ist das ebenfalls von der baden-
württembergischen EnBW betriebene Kernkraftwerk Obrigheim, das als bislang einziges KKW
über ein eigenes Zwischenlager für abgebrannte Brennstäbe verfügt und sich mit der
Inbetriebnahme dieses Lagers aus der Wiederaufarbeitung verabschiedet hat.

Genehmigungen bereits erteilt
Das Bundesamt für Strahlenschutz hat bereits vor Wochen diverse Genehmigungen für
Atommüll-Transporte zur Cogema erteilt, so etwa für das EnBW-Kraftwerk Philippsburg,
aber auch für die RWE-Meiler in Biblis. Auf Druck der französischen Regierung sind diese
Transporte jedoch so lange blockiert, bis die Bundesrepublik den in den letzten Jahren bei
der Wiederaufarbeitung angefallenen Nuklearmüll zurückgenommen hat. Eingelagert werden
soll dieses brisante, in Glaskokillen eingeschmolzene Material im niedersächsischen
Zwischenlager Gorleben. Diese Abfall-Rücknahme, zu der sich die Bundesrepublik
verbindlich verpflichtet hatte, konnte bislang nicht realisiert werden, da eine auf der
Anfahrtroute gelegene Eisenbahnbrücke zunächst von Grund auf saniert werden mußte.
Sobald die Wiederaufarbeitungsabfälle in Gorleben eingetroffen sind, können die
Atommülltransporte zur Cogema wieder aufgenommen werden.
Am Montag hat das Bundesamt für Strahlenschutz außerdem die Wiederaufnahme von
Brennelementtransporten ins britische Sellafield genehmigt. Eine dieser Genehmigungen
betrifft des EnBW- Kraftwerk Neckar-Westheim. Der Zeitpunkt für diesen Transport ist nach
Unternehmensangaben noch offen.
Der Essener Energiekonzern RWE kündigte am Dienstag an, dass er zusätzlich zu den
Wiederaufarbeitungslieferungen nach Frankreich in der zweiten Hälfte dieses Jahres einen
Teil der Biblis- Brennelemente im Zwischenlager Ahaus unterbringen will. Einen
entsprechenden Antrag, der nach der Zwischenlagerung die direkte Endlagerung dieser
Brennstäbe vorsieht, habe man bereits vor geraumer Zeit gestellt.
Das RWE-Kraftwerk Lingen muß noch eine Restmenge seines Wiederaufarbeitungsvertrages
mit der BNFL erfüllen. Anschließend sollen die Brennstäbe dieses Atommeilers in einem
Zwischenlager auf dem Kraftwerksgelände zwischengelagert werden. Dieses Zwischenlager
befindet sich bereits in Bau. An allen anderen Atomkraftwerks-Standorten sind die
planungsrechtlichen Vorarbeiten für die Errichtung solger Lager gerade erst angelaufen.

Fr, 05.01.01 ap-Agenturmeldung
AKW-Gegner bereiten sich auf
Gorleben-Transport vor
Do, 11.01.01 Weser Kurier
Atomkraftgegner wollen Kosten in die Höhe
treiben
Mi, 24.01.01 Berliner Zeitung
Bald neue Atommüll-Transporte
Di, 30.01.01 Die Welt
Nicht Angela Merkel, sondern Jürgen Trittin ist
jetzt der Hassname von Gorleben
Mi, 31.01.01 Gemeinsame Erklärung der Umweltverbände
Atomtransporte fördern ungestörten Betrieb
der Atomkraftwerke und zementieren Endlagerstandort Gorleben
Fr, 02.02.01 Frankfurter Rundschau
Strahlende Harmonie
Di, 06.02.01 Spiegel online
Strafe für die Ausstiegs-Lüge
Sa, 24.02.01 BI "Kein Atommüll in Ahaus"
Tolles Treiben im Wendland
Sa, 24.03.01 BI Lüchow-Dannenberg
Castor Alarm! Aufruf zum Tag X im Wendland

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