Gemeinsame
Erklärung der Umweltverbände, 31. Januar 2001IPPNW, BBU, BUND, Robin Wood,
X-tausendmal quer - überall, BI Lüchow-Dannenberg, Grüne Liga:
Atomtransporte fördern ungestörten Betrieb der Atomkraftwerke und zementieren
Endlagerstandort Gorleben
Berlin. Während sich bündnisgrüne Spitzenpolitiker wegen der bevorstehenden Wahlen
auf ihrem heutigen Treffen in Berlin über den Umgang mit Protesten gegen den geplanten
Atomtransport von der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben streiten, weisen
Organisationen und Kampagnen der Anti-Atom- Bewegung darauf hin, dass dieser Transport
allein dem jahrzehntelangen Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke dient und den
Endlagerstandort Gorleben zementiert. Die rzteorganisation IPPNW, der Bund für Umwelt und
Naturschutz, die Kampagne X-tausendmal quer, Robin Wood, die Grüne Liga, der
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz sowie die Bürgerinitiative
Lüchow-Dannenberg stützen sich bei dieser Analyse auf die Vereinbarung der
Bundesregierung mit der Atomwirtschaft ("Atomkonsens"), in der das Ziel eines
jahrzehntelangen "ungestörten Betriebs" der Atomkraftwerke vereinbart und dem
Standort Gorleben eine "Eignungshöffigkeit" bescheinigt wurde. Vor diesem
Hintergrund sehen die Organisationen allen Anlass, zu Protesten gegen diesen und andere
Atomtransporte aufzurufen.
Laut Atomkonsens-Vereinbarung wird den Atomkraftwerken die Produktion von Strommengen
eingeräumt, die einer durchschnittlichen Betriebszeit von rund 35 Jahren entspricht. Von
einer vorzeitigen Beendigung der Atomenergienutzung kann also überhaupt keine Rede sein.
Der wirtschaftlichen Verwertung der hochgefährlichen Anlagen, die für Betriebszeiten von
rund 20 Jahren konzipiert wurden, werden keinerlei Grenzen gesetzt. Atomkraftwerke in
Deutschland können noch mindestens bis zum Jahr 2024 betrieben werden. Für diesen
jahrzehntelangen Weiterbetrieb sichert die Bundesregierung im Atomkonsens zu, einen
"ungestörten Betrieb der Kernkraftwerke wie auch deren Entsorgung" zu
gewährleisten.
Die Atomkraftwerke ersticken aber im Atommüll. Die Lagerbecken in zahlreichen Anlagen
sind voll. Eine weitere Lagerung von Atommüll ist beispielsweise in Neckarwestheim nur
möglich, indem - unter Rechtsbeugung - die genehmigte Menge an radioaktiven Substanzen
auf dem Kraftwerksgelände auf Weisung von Umweltminister Trittin überschritten werden
soll.
Bis die neuen Zwischenlager auf den Atomkraftwerksstandorten errichtet sind, soll der
Atommüll in die zentralen Zwischenlager und in die Wiederaufarbeitungsanlagen La Hague
und Sellafield abtransportiert werden. Einfach, um sie fortzuschaffen. Da sich Frankreich
allerdings weigert, neuen Atommüll aus Deutschland aufzunehmen, bevor wenigstens ein Teil
des alten Atommülls von La Hague nach Gorleben abtransportiert wird, soll jetzt dieser
Transport nach Gorleben rollen.
Der Atomtransport erfolgt also nicht - wie Bündnis 90/Die Grünen argumentieren -, um
deutschen Atommüll aus Frankreich zurückzunehmen, sondern, um neuen Atommüll aus
Deutschland nach Frankreich transportieren zu können! Insgesamt sind mehrere hundert
Atomtransporte in die französischen und britischen Plutoniumfabriken geplant. Mit einer
"internationalen und moralischen Verpflichtung" hat der jetzt anstehende
Transport von La Hague nach Gorleben also wenig zu tun. Er ist ein Türöffner für neue
Transporte ins Ausland.
Im Interesse der Atomindustrie haben Gerhard Schröder und Jürgen Trittin den von
Angela Merkel verhängten Atomtransport-Stopp aufgehoben, obwohl die
Kontaminationsprobleme nicht gelöst sind. Die Beladung eines deutschen Castor-Behälters
im Atomkraftwerk Philippsburg im vergangenen Herbst mußte nach vier Versuchen aufgegeben
werden. Der Deckel war einfach nicht dichtzukriegen. Und auch der erste Versuch, einen
Behälter des Typs TN 13 mit einem neuartigen "Kontaminationsschutzhemd" zu
überziehen, ist gescheitert. Die Grenzwerte für Radioaktivität konnten erst beim
zweiten Versuch eingehalten werden. Die Beispiele machen mehr als die amtlichen
Persilscheine des Bundesamtes für Strahlenschutz deutlich, dass der Schutz vor
Radioaktivität bei Atomtransporten weder für die Polizei noch für die Bevölkerung
gewährleistet ist.
IPPNW, BUND, Grüne Liga, Robin Wood, BBU, die BI Lüchow- Dannenberg und die Kampagne
X-tausendmal quer rufen die Bevölkerung und die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen
und die anderer Parteien dazu auf, sich an den - traditionell gewaltfreien - Protesten
gegen die bevorstehenden Atomtransporte zu beteiligen.
Rückfragen an: Henrik Paulitz (IPPNW, Tel. 06221-758877), Jochen Stay (X-tausendmal
quer, Tel. 05841-4521), Dr. Angelika Zahrnt (BUND, Tel. 030-275864-25), Bettina Dannheim
(Robin Wood, Tel. 040-3909553)

http://www.bund.net

Fr, 05.01.01 ap-Agenturmeldung
AKW-Gegner bereiten sich auf
Gorleben-Transport vor
Do, 11.01.01 Weser Kurier
Atomkraftgegner wollen Kosten in die Höhe
treiben
Mi, 24.01.01 Berliner Zeitung
Bald neue Atommüll-Transporte
Di, 30.01.01 Die Welt
Nicht Angela Merkel, sondern Jürgen Trittin ist
jetzt der Hassname von Gorleben
Mi, 31.01.01 Gemeinsame Erklärung der Umweltverbände
Atomtransporte fördern ungestörten Betrieb
der Atomkraftwerke und zementieren Endlagerstandort Gorleben
Fr, 02.02.01 Frankfurter Rundschau
Strahlende Harmonie
Di, 06.02.01 Spiegel online
Strafe für die Ausstiegs-Lüge
Sa, 24.02.01 BI "Kein Atommüll in Ahaus"
Tolles Treiben im Wendland
Sa, 24.03.01 BI Lüchow-Dannenberg
Castor Alarm! Aufruf zum Tag X im Wendland

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