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Junge Welt, 28. Januar 2003

Uran bis zum Abwinken

Anreicherungsanlage im westfälischen Gronau soll auf zweieinhalbfache Kapazität hochgerüstet werden

von Reimar Paul


Bürgerinitiativen und Umweltverbände haben eine Kampagne gegen den geplanten Ausbau der einzigen deutschen Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau gestartet. Die Kapazität der Fabrik soll auf das Zweieinhalbfache der heutigen Leistung erweitert werden. Weiterhin ist in Gronau die Errichtung eines Zwischenlagers für 60000 Tonnen Uranoxid vorgesehen. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kündigte am Dienstag an, auch bundesweit Einsprüche gegen den Ausbau zu sammeln.

In Urananreicherungsanlagen wird Uran für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet. Im Natururan beträgt der Anteil von Uran-235 nur etwa 0,7 Prozent, in Atomkraftwerken ist aber ein Uran 235-Anteil von drei bis vier Prozent erforderlich. Gegenwärtig bringt es die Fabrik auf eine Kapazität von 1400 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr (UTA/a). Damit kann in jedem Jahr Uran für den Betrieb von elf bis zwölf großen Atomkraftwerken angereichert werden. Die SPD-Grünen-Landesregierung in Düsseldorf hatte bereits vor Jahren eine Erweiterung auf 1800 Tonnen UTA/a genehmigt. Diese Kapazität soll 2004 erreicht sein. Das Genehmigungsverfahren lief unter Ausschluß der Öffentlichkeit ab, Einspruchsmöglichkeiten gab es nicht. Die Betreiberfirmen Urenco und Uranit haben beim nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium nun eine Kapazitätserhöhung auf 4500 UTA/a beantragt. Damit könnten jährlich 36 Atomkraftwerke versorgt werden, wobei in Deutschland gerade einmal 19 Reaktoren in Betrieb sind.

Der Arbeitskreis Umwelt Gronau (AKU) wies am Dienstag darauf hin, daß auf dem Gelände der Fabrik auch mehrere tausend Tonnen hochgiftiges und radioaktives Uranhexafluorid (UF6) gelagert werden. Weiteres Material werde wöchentlich mit Lastwagen mitten durch Wohngebiete angekarrt, erklärte ein Sprecher der Initiative. Außer angereichertem Uran wird in Gronau auch abgereichertes Uran aufbewahrt. Dieses Material wird zum Teil nach Rußland exportiert. Im sogenannten Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft finden die Urananreicherungsanlage und die Urantransporte keinerlei Erwähnung.

Beim Uran verschwimmen die ohnehin unscharfen Trennlinien zwischen militärischer und »ziviler« Atomkraft vollends. So kann hoch angereichertes Uran auch als Basis für Atombomben dienen. Eine militärische Nutzung der Fabrik in Gronau wäre nach entsprechenden Umrüstungen möglich, so der AKU. Andererseits wird abgereichertes Uran für Uranmunition verwendet, die im Krieg gegen Jugoslawien und offenbar auch in Afghanistan zum Einsatz kam.

Immerhin soll der Ausbau der UAA diesmal nicht im stillen Kämmerlein beschlossen werden. Das offizielle Genehmigungsverfahren lief am Montag an. »Wir wollen in den kommenden beiden Monaten möglichst viele Einsprüche sammeln«, sagt AKU-Sprecher Udo Buchholz. Damit solle dem Düsseldorfer Wirtschaftsministerium als zuständiger Genehmigungsbehörde »klargemacht werden, daß der Betrieb von Atomkraftwerken und Atomfabriken grundsätzlich unbeherrschbar ist«.

Mit ihrer Kampagne wollen der AKU und andere Initiativen auch auf die weltweiten Folgen des Uranabbaus aufmerksam machen. Rund 70 Prozent des Uranerzes, das in den Atomkraftwerken der Industrieländer verfeuert wird, stammt aus Regionen mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung. Die Aborigines in Australien, die Cree-Indianer in Kanada oder die Tuareg in Nigeria zählen zu den Hauptbetroffenen in den Uranabbaugebieten.


weitere Infos zur Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), 02. Januar 2005
Unterschriftenaktion "Stilllegen statt erweitern!"

AFP-Agenturmeldung, 07. Januar 2005
IAEA-Chef schlägt weltweites Moratorium für Uran-Anreicherung vor

Arbeitskreis Umwelt Gronau u.a., Demonstrationsaufruf, 09. Oktober 2004
"Den Hahn zudrehen - Die Atomfabrik Gronau stilllegen, sofort!"

Arbeitskreis Umwelt Gronau, Pressemitteilung, 06. September 2004
Protestkundgebung vor der niederländischen Uranfabrik in Almelo

anti-atom-aktuell.de, 20. Juli 2004
"Herr Steinbrück: Erst Urenco stoppen - dann mit Udo rocken!"

DDP-Agenturmeldung, 21. Juni 2004
Uran-Transport nach Russland - Atomkraftgegner rufen zu Protesten auf

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Pressemitteilung, 24. Mai 2004
Protest gegen Jahrestagung Kerntechnik in Düsseldorf

Westfälische Nachrichten, 14. Januar 2004
Ratsmehrheit hat keine Bedenken gegen Ausbau

Westfälische Nachrichten, 30. Januar 2004
Richtkrone thronte im statt über dem Neubau

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, 08. Januar 2004
Internationaler Protest gegen Almelo

Süddeutsche Zeitung, 02. Januar 2004
Der Atom-Schwarzmarkt

DPA-Agenturmeldung, 01. Januar 2004
Deutsche Atomtechnik-Teile für Libyen abgefangen

Die Tageszeitung, 18. Dezember 2003
Urencos russische Uran-Deals

AFP-Agenturmeldung, 26. November 2003 u.a.
Areva/Urenco: 3 Mrd. Euro in eine neue Urananreicherungsfabrik

AKU Gronau, BBU, 11. Juli 2003
In NRW soll das bundesweit einzige Uranoxidlager gebaut werden

Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2003
Tausende Einwände gegen Ausbau der Urananreicherung

AKU Gronau, BBU, 10. Juli 2003
Urananreicherungsanlage: BBU wirft Landesregierung NRW Irreführung der Bevölkerung vor

Die Tageszeitung, 07. Juli 2003
Atomausstieg? Nicht in Gronau

Junge Welt, 07. Juli 2003
Urananlage soll wachsen

Robin Wood, 07. Juli 2003
Atomfabrik Gronau schließen - Aktion auf der Landesgartenschau

AKU Gronau, BBU, DNR und Robin Wood, 04. Juli 2003
Umweltorganisationen protestieren gegen den beantragten massiven Ausbau der Uranfabrik in Gronau

AKU Gronau, Robin Wood, BBU, 26. März 2003
Mehr als 6.000 Einsprüche gegen den Ausbau der Gronauer Atomfabrik

Münsterland Zeitung, 28. Januar 2003
Urananreicherung soll erweitert werden

Junge Welt, 28. Januar 2003
Uran bis zum Abwinken

Die Tageszeitung, 28. Januar 2003
Uran aus Deutschland

Robin Wood, 27. Januar 2003
Ausstieg statt Ausbau - Aktion auf dem Gronauer Rathaus

redaktion@uwg-ahaus.de, Januar 2003
Gronau stillegen statt erweitern


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