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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 27. Januar '00

Castor darf wieder rollen

Ab August sind Transporte möglich

von Stefan Grothues

Ahaus. Die Genehmigung von fünf Castortransporten ins Ahauser Zwischenlager hat gestern in Ahaus Erinnerungen an den März 1998 geweckt: Demonstrationen, Absperrungen und ein Großaufgebot der Polizei lähmten damals das öffentliche Leben.

Während Bürgermeister Dr. Dirk Korte hofft, dass sich die Zustände des Tages X nicht noch einmal wiederholen, kündigte der Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", Hartmut Liebermann, "massive Proteste" an.

Die vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) genehmigten fünf Castor-Transporte von den Kraftwerken Biblis, Neckarwestheim und Philippsburg nach Ahaus können frühestens ab August rollen. Dies ergibt sich aus den Auflagen der Genehmigung. Der Genehmigungsinhaber muss entsprechend einer Forderung der Länderinnenminister den konkreten Transporttermin sechs Monate vorher bei der zuständigen Polizeibehörde anmelden. Die einzelnen Genehmigungen sind befristet auf zwei Jahre erteilt.

Der Präsident des BfS Wolfgang König sagt dazu: "Für innerdeutsche Transporte ist die für die Sicherheit erforderliche Vorsorge getroffen. Insbesondere ist durch zusätzliche Auflagen gegenüber früheren Genehmigungen gewährleistet, dass die international festgelgten Grenzwerte für radioaktive Verunreinigungen eingehalten werden."

Wann von den jetzt erteilten Genehmigungen Gebrauch gemacht wird, liegt in der Entscheidung der Erzeuger der atomaren Abfälle, den Kraftwerksbetreibern. Sie stellen fest, wann sie technisch transportbereit sind. Die Genehmigungsinhaberin Nuclear Cargo und Service GmbH, eine Tochter der Deutschen Bahn AG, stimmt unter Beachtung der Sechs-Monats-Frist einen konkreten Transporttermin mit den Polizeibehörden ab. Diese haben die Sicherung des Transportes zu gewährleisten.


Korte: Weniger Emotionen

Bürgermeister Dr. Dirk Korte glaubt, dass die Bevölkerung in der Frage der Castortransporte "nicht mehr ganz so emotionalisiert" sei. "Die Castortransporte sind in Ahaus nicht mehr das Thema, das sie einmal waren. Das hat nicht zuletzt auch die Kommunalwahl gezeigt." Nach der Bildung der rot-grünen Bundesregierung hätten viele eingesehen, dass ein Atomausstieg "einfach und schnell" doch nicht vollzogen werden könne und dass sich Transporte nach Ahaus nicht ganz vermeiden ließen. Er hoffe, dass es noch vor dem ersten Transport zu einem Konsens zum Atomausstieg komme. Diese demokratisch legitimierte Entscheidung könne mögliche Auseinandersetzungen in Ahaus weiter vermindern. Darüber hinaus, so Korte, weiter, wolle er sich dafür einsetzen, dass die künftigen Transporte das öffentliche Leben in Ahaus nicht so stark beeinträchtigen, wie dies im März 1998 der Fall war. Hierzu könne auch der runde Tisch beitragen "für den es jetzt ganz konkreten Gesprächsbedarf gibt". Der runde Tisch solle kein Forum für allgemeine Diskussionen zum Thema Atomenergie und Castortransporte sein, sondern sich konkret mit den Begleitumständen der Transporte auseinandersetzen, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung zu vermindern. In der Frage der Sicherheit müsse man darauf vertrauen, dass die vom Bundesamt für Strahlenschutz gemachten Auflagen Kontaminationen künftig ausschlössen.


Liebermann: Protest nötig

Hartmut Liebermann, der Sprecher der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", ist überzeugt davon, dass in Ahaus wieder viele tausend Menschen gegen den Castortransport auf die Straße gehen werden.

Heftig kritisierte er die Genehmigung durch das BfS: Es habe offensichtlich dem Druck der Atomkraftwerksbetreiber gebeugt und die Genehmigungen ausgesprochen, obwohl die Probleme mit den Transportbehältern nach wie vor nicht gelöst seien. Im Gegenteil: Es gebe immer neue Probleme. Auch wenn das BfS heute mit Wolfram König einen grünen Präsidenten habe, könne er nicht darauf vertrauen, dass die Sicherheit nun garantiert sei. Liebermann: "Manche Dinge werden jetzt vielleicht sorgfältiger geprüft als früher. Andererseits wurde im BfS ja nicht die ganze Mannschaft ausgewechselt.

Für Ahaus sei es nun wichtig, dass schon der erste Transport auf Grund massenhafter Proteste so teuer werde, dass weitere Transporte nicht mehr durchsetzbar seien. Von einem runden Tisch in Ahaus erhoffe er sich eine "möglichst einheitliche Position gegen Castortransporte".

Keinesfalls dürfe der runde Tisch darauf abzielen, die Umstände des Castortransportes möglichst reibungslos zu gestalten. Denn ein deutliches politisches Signal könne nur dann gegeben werden, wenn Castortransporte eben nicht reibungslos über die Bühne gingen.


Leserbrief "Emotionen Motor für Engagement"

Leserbrief "Castor-Transporte auf das Abstellgleis"


>Sa, 06.01. Frankfurter Rundschau
Neue Atomtransporte sollen bald genehmigt werden

>Mo, 08.01. Berliner Zeitung
Atomindustrie drängt auf Nuklear-Transporte - Gegner kündigen Massenproteste an

>Di, 09.01. Berliner Zeitung
Atomtransporte frühestens nach NRW-Wahl

>Mi, 26.01. AFP-/Reuters-Agenturmeldungen
Atomtransporte wieder genehmigt

>Mi, 26.01. Bundeamt für Strahlenschutz, Pressemitteilung
BfS erteilt Genehmigungen für Transporte nach Ahaus - Erster Castor-Transport nicht vor August

>Mi, 26.01. dpa-Agenturmeldung
Bürgerinitiativen kündigen massiven Widerstand gegen Transporte an

>Mi, 26.01. AFP/dpa-Agenturmeldungen
Transporte nach Ahaus derzeit nicht möglich


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08.11.2009

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