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Berliner Zeitung, 09. Januar '00

Atomtransporte frühestens nach NRW-Wahl

Castor-"Park-Modell" soll Verluste vermeiden

von Ewald B. Schulte

Berlin. Trotz der nach einer Ankündigung des Bundesamtes für Strahlenschutz unmittelbar bevorstehenden Genehmigung weiterer Atommülltransporte in die deutschen Zwischenlager Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und Gorleben (Niedersachsen) will die Bundesregierung die Wiederaufnahme der umstrittenen Castor-Transporte weiterhin aussetzen. Wie Regierungskreise der "Berliner Zeitung" bestätigten, soll das nordrhein-westfälische Zwischenlager Ahaus frühestens nach den NRW-Landtagswahlen im Mai erstmals wieder mit Nuklearmüll beschickt werden. Transporte nach Gorleben kämen erst nach Abschluss der Weltausstellung "Expo 2000" in Betracht.

Die jetzt zu erteilenden Transport-Genehmigungen hätten in erster Linie den Zweck, das angespannte Klima zwischen Politik und Atomwirtschaft vor der Wiederaufnahme der Konsensgespräche zu einem geordneten Ausstieg aus der Kernenergie zu entkrampfen. Lägen die Transportgenehmigungen vor, könne das Bundesamt für Strahlenschutz im Einvernehmen mit den atomrechtlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden der Länder den Stromkonzernen ergänzende Transportbereitstellungsgenehmigungen ausstellen. Damit würde es den Reaktorbetreibern gestattet, auf dem jeweiligen Werksgelände vorhandene Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen zu beladen. In den Abklingbecken der Atomkraftwerke würde so ausreichend Platz für den turnusmäßig anstehenden Wechsel der Brennelemente geschaffen, so dass entsorgungsbedingte wirtschaftliche Einbußen beim weiteren Reaktorbetrieb ausgeschlossen seien.


Transportbehälter geordert

Nach Informationen der "Berliner Zeitung" haben die einzelnen Kraftwerke für dieses "Park-Modell" bereits Vorsorge getroffen und eine entsprechende Anzahl leerer Castor-Behälter für Beladungszwecke geordert. Allein im Kernkraftwerk Biblis (Hessen), das ohne zusätzliche Entsorgungsmöglichkeiten mit der demnächst anstehenden Revision nur noch stark eingeschränkt genutzt werden könnte, befinden sich schon jetzt drei Castor-Behälter, die insgesamt 48 Brennstäbe für den späteren Transport nach Ahaus aufnehmen können.

Sprecher der Atomwirtschaft begrüßten zwar eine solche an den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Kraftwerksbetreiber ausgerichtete Genehmigungspraxis. Allerdings sei dies noch längst nicht die überfällige Aufhebung der Entsorgungsblockade. Davon könne erst dann die Rede sein, wenn die Bundesregierung die Durchführung weiterer Atommülltransporte - sei es nun zu den innerdeutschen Zwischenlagern oder aber zu den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien - tatsächlich wieder ermögliche. Für die vom Kanzleramt angestrebte Fortsetzung der Konsensgespräche bleibe es daher bei dem Forderungskatalog der Branche. Danach komme eine Begrenzung der Reaktor-Laufzeiten allenfalls dann in Betracht, wenn der aktuelle Entsorgungsstau aufgelöst werde und sich die Regierung verbindlich verpflichte, für die Zukunft einen von künstlichen Auflagen freien, ungestörten Reaktorbetrieb zu gewährleisten.


>Sa, 06.01. Frankfurter Rundschau
Neue Atomtransporte sollen bald genehmigt werden

>Mo, 08.01. Berliner Zeitung
Atomindustrie drängt auf Nuklear-Transporte - Gegner kündigen Massenproteste an

>Mi, 26.01. AFP-/Reuters-Agenturmeldungen
Atomtransporte wieder genehmigt

>Mi, 26.01. Bundeamt für Strahlenschutz, Pressemitteilung
BfS erteilt Genehmigungen für Transporte nach Ahaus - Erster Castor-Transport nicht vor August

>Mi, 26.01. dpa-Agenturmeldung
Bürgerinitiativen kündigen massiven Widerstand gegen Transporte an

>Mi, 26.01. AFP/dpa-Agenturmeldungen
Transporte nach Ahaus derzeit nicht möglich

>Do, 27.01. Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Castor darf wieder rollen/Leserbriefe


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