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Münstersche Zeitung Wettringen, 05. Juli 2002
"Dann gibt es Tote im Gronauer Rathaus"Strittige Debatte über die Haltung der Gemeinde zur UAA-Erweiterung in GronauWettringen. "Wir haben als Ratsmitglieder den Eid geleistet, Schaden von der Gemeinde abzuwenden. Deshalb können wir unser Schicksal nicht dem Kreis Steinfurt überlassen." Deutliche Worte fand Karl Renkert von der UWG. Sie waren der emotionale Höhepunkt einer langen Debatte im Umweltausschuss darüber, wie sich die Gemeinde zum Ausbau der Uran-Anreicherungs-Anlage (UAA) in Gronau verhalten soll. Renkert forderte eine klare Ablehnung der Erweiterungspläne ." Zur Not werden wir im Rat einen solchen Antrag stellen, und dann muss jeder Ja oder Nein sagen." Vor vier Wochen haben die Ratsmitglieder die Firma Urenco besucht. "Sehr informativ war es", lobte Ausschussvorsitzender Heiner Lütke-Wenning (SPD) am Mittwochabend, aber: "Wenn man die Sicherheitsvorkehrungen sieht, dann weiß man, dass auch der Betreiber der UAA das Risiko kennt." Stutzig habe ihn auch die Bemerkung von den "Toten im Gronauer Rathaus" gemacht, falls ein Flugzeug in die UAA stürzt. Und die Giftwolken könnten bei entsprechenden Winden eben auch in den Nachbarorten wie Wettringen für "verseuchtes Land" sorgen. "Dass das Szenario eines vorher nicht für möglich gehaltenen Flugzeugabsturzes nicht abwegig ist, hat uns leider gerade erst das Unglück am Bodensee gezeigt", so Lütke-Wenning.Seine Parteikollegin Annette Plogmaker erinnerte auch an die Transporte zur Uran-Anreicherungs-Anlage, die eventuell auch durch Wettringen führen könnten. Sie forderte: "Die Gemeinde sollte jetzt ein Zeichen gegen die Ausbaupläne setzen." Bürgermeister Engelbert Rauen und die CDU sprachen sich jedoch dagegen aus, zum jetzigen Zeitpunkt eine negative Stellungnahme der Gemeinde abzugeben. "Das bringt auch gar nichts", meinte CDU-Fraktionschef Heinz Herwing. Er zeigte sich wie Rauen damit einverstanden, Wettringens Interessen durch den Kreis Steinfurt bei den entsprechenen Behördenterminen vertreten zu lassen. "Als einzelne Kommune wären wir damit überfordert." Das sei keineswegs ein "Verstecken hinter dem Kreis", richtete sich Herwing an Renkert. Den indirekten Vorwurf, nicht Schaden von der Gemeinde abwenden zu wollen, wies der CDU-Mann ebenfalls zurück. Es reiche aus, abzuwarten, was die nächsten Gespräche der zahlreichen Experten aus ganz Deutschland ergäben, meinte Engelbert Rauen. "Wenn sich dann für Wettringen die Notwendigkeit darstellt, würden wir tätig werden. Das ist heute nicht das Ende der Debatte." Die CDU verwies zudem darauf, dass der Kreis Steinfurt vor dem Hintergrund der Ereignisse des 11. September angeregt habe, das Störfall-Szenario auf gezielte Flugzeugstürze auszudehnen. Der Kreis habe in diesem Zusammenhang auch die Forderung verschiedener Gemeinden unterstützt, den Untersuchungsradius auf 20 Kilometer auszudehnen - so dass auch Wettringen, Neuenkirchen, Steinfurt und Horstmar mit in das Untersuchungsgebiet einbezogen würden.
Was passiert bei einem Terrorangriff?Umweltausschuss diskutiert über Urananlage-md- Wettringen, Die Urananreicherungsanlage in Gronau möchte ihre Kapazität deutlich erhöhen? Doch: Wie ist sie gegen eine terroristische Attacke - zum Beispiel mit einem Passagierflugzeug - geschützt? „Das soll geprüft werden“, meinte Bürgermeister Engelbert Rauen am Mittwochabend vor dem Umweltausschuss. „Wir lassen uns vom Kreis Steinfurt über den Stand des Genehmigungsverfahrens auf dem Laufenden halten. Darüber hinaus sehen wir zurzeit keinen Handlungsbedarf.“ 17 Ratsmitglieder und Vertreter der Verwaltung haben die Gronauer Firma Anfang Juni besucht. Um sich ein Bild zu machen - soweit der Laie das eben kann. „Wir sind einfach überfordert, jetzt schon eine umfassende Stellungnahme abzugeben“, meinte CDU-Fraktionschef Heinz Herwing. „Wir brauchen noch mehr Informationen.“ Wenn ein Flugzeug auf die Urananlage knalle, könne der Staub, der sich dann bilde, auch für Wettringen zum Problem werden und weite Gebiete verseuchen, meinte Heiner Lütke-Wenning (SPD). „Die Besichtigung hat mich nicht überzeugt. Ich glaube nicht, dass alles im grünen Bereich ist.“ Die Risiken seien nicht von der Hand zu weisen, meinte Karl Renkert (UWG). „Die Gronauer Anlage beliefert japanische Atomkraftwerke. Dafür tragen wir hier das Risiko.“ Ein Leben ohne Risiko gebe es nicht, meinte Rauen. „Wenn wir überhaupt kein Risiko wollen, dann müssen wir gleich den Strom abschalten. Wir werden die Sache weiterhin sehr genau und differenziert beobachten. Die Sache ist für uns auf keinen Fall erledigt.“
„Atomkraft unbeherrschbar“Opposition scheiterte mit Beschluss gegen Ausbau der Urananreicherungsanlage in GronauNeuenkirchen. In Gronau soll noch mehr Uran angereichert werden. Darüber sind die Politiker vor Ort nicht glücklich - nach dem 11. September 2001 noch weniger.Seit diesem Tag weiß jeder, dass gezielt herbeigeführte Flugzeugabstürze eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Gronau liegt 25 Kilometer Luftlinie von Neuenkirchen entfernt. Dort sollen 4500 Tonnen Uran pro Jahr getrennt werden und 50 000 Tonnen Uranoxid zwischengelagert werden. Für die Grüne Ellen Pfennig eine nicht denkbare Vorstellung. Sie forderte vom Rat den Beschluss. den Neubau der Uranoxidanlage und die Erhöhung der Kapazität abzulehnen und über diesen Beschluss sofort die Genehmigungsbehörde, das Wirtschaftsministerium NRW, zu informieren. „Wir sollten uns energisch dagegen aussprechen“, sagte sie am Montag im Rat. „Nutzung von Atomkraft ist grundsätzlich unbeherrschbar.“ UWG und SPD unterstützten ihren Antrag. Zurückhaltender gab sich die CDU. „Es ist falsch, in Unkenntnis der Sachlage eine Beurteilung abzugeben“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Franz Möllering. Seine Fraktion schloss sich dem Kreisvorschlag an, Auswirkungen von möglichen Störfällen — darunter fallen auch gezielte Abstürze von Großflugzeugen auf einen Untersuchungsradius von 20 Kilometern auszudehnen. Darunter würde dann auch Neuenkirchen fallen. Ferner sollten Schutzeinrichtungen und Schutzausrüstungen überprüft werden. „Eine Blanko-Vollmacht aus dem Bauch heraus stellen wir heute nicht aus“, so Möllering. Bruder August Möllering (UWG) forderte eine namentliche Abstimmung. „Hier werden viele ungedeckte Schecks ausgestellt, die zu Lasten der nachfolgenden Generation gehen. Sie soll später nachlesen können, wer gegen die Ablehnung gestimmt hat.“ Am Ende setzte sich die CDU durch, dass zunächst die Störfallszenarios untersucht werden sollen. • spe
Widerstand gescheitertDiskussion um UrananreicherungsanlageNeuenkirchen. In Gronau soll die Urananreicherungsanlage ausgebaut werden und ein Uranoxidlager gebaut werden. Das brachte SPD, Grüne und UWG am Montag auf den Plan. Sie forderten in einem von den Grünen in die Wege geleiteten Antrag, diese Pläne in Gronau abzulehnen und unverzüglich die Genehmigunsbehörde von ihrem ablehnenden Beschluss zu informieren. Aber der Widerstand der Opposition scheiterte an der CDU-Mehrheit im Rat. Sie folgte der Anregung des Kreises, ein zu untersuchendes Störfallszenario auf einen Untersuchungsradius von 20 Kilometern auszudehnen. Dann würden auch die Neuenkirchener erfahren, was bei ihnen passieren kann, wenn ein Großraumflugzeug gezielt auf die Urananreicherungsanlage stürzt.
Mehr Infos: Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
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