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Junge Welt, 07. Juli 2003

 

Urananlage soll wachsen

Gronau: Heute beginnt Erörterung. 7000 Einwendungen gegen geplanten Ausbau gesammelt

von Reimar Paul

  Die einzige deutsche Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau soll massiv ausgebaut werden (jW berichtete). Rund 7000 Menschen haben dagegen mit Einsprüchen protestiert. Über diese Einwendungen wird ab heute beim Erörterungstermin verhandelt - in Legden, rund 30 Kilometer von Gronau entfernt.

In der UAA wird Uran für die Nutzung in Atomkraftwerken vorbereitet. Im Natururan beträgt der Anteil von Uran 235 nur etwa 0,7 Prozent, in Atomkraftwerken ist aber ein Uran-235-Anteil von drei bis vier Prozent erforderlich. Bevor es angereichert werden kann, muß das Uran in einem chemischen Prozeß in Uranhexafluorid umgewandelt werden. Dies geschieht allerdings nicht in Gronau, sondern in einer sogenannten Konversionsanlage im französischen Pierrelatte.

Derzeit hat die UAA Gronau eine Kapazität von 1400 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr (UTA/a). Das bedeutet, daß in jedem Jahr Uran für den Betrieb von elf bis zwölf großen Atomkraftwerken angereichert werden kann. Die SPD-Grünen-Landesregierung in Düsseldorf hatte bereits vor Jahren eine Erweiterung auf 1800 Tonnen UTA/a genehmigt. Diese Kapazität soll 2004 erreicht sein.

Betreiber der Fabrik in Gronau sind die Firmen Uranit und Urenco, wobei Uranit gleichzeitig Muttergesellschaft der Urenco und eine Tochter der (Atom-) Energiekonzerne RWE Energy und E.ON Kernkraft ist. Sie beantragten bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung eine Kapazitätserhöhung auf 4500 UTA/a. Damit könnten jährlich etwa 35 Atomkraftwerke versorgt werden. In Deutschland laufen aber nur 19 Reaktoren, darunter mehrere kleinere Kraftwerke. »Mit dem geplanten UAA-Ausbau wird dem von der rot-grünen Bundesregierung propagierten Atomausstieg bis zum Jahr 2020 eine Hintertür für den dauerhaften Weiterbetrieb von Atomanlagen geöffnet«, kritisieren Umweltorganisationen. Außerdem werde der Weiterbetrieb von Atomkraftwerken im Ausland ermöglicht.

Neben energiepolitischer Kritik haben viele Einwender konkrete Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Sie befürchten Störfälle, Flugzeugsabstürze und Sabotage in der Urananreicherungsanlage, außerdem könne es bei den Urantransporten von und nach Gronau zu Unfällen kommen.

Beim Uran verschwimmen die ohnehin unscharfen Trennlinien zwischen militärischer und »ziviler« Atomkraft vollends. So kann hochangereichertes Uran auch als Basis für Atombomben dienen. Eine militärische Nutzung der Fabrik in Gronau wäre nach entsprechenden Umrüstungen möglich, so der örtliche Arbeitskreis Umwelt. Andererseits wird abgereichertes Uran für Uranmunition verwendet, die zuletzt im Krieg gegen den Irak zum Einsatz kam.

Beim Erörterungstermin wollen die Atomgegner schließlich auch auf die weltweiten Folgen des Uranabbaus aufmerksam machen. Rund 70 Prozent des Uranerzes, das in den Atomkraftwerken der Industrieländer »verfeuert« wird, stammt aus Regionen mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung. Die Aborigines in Australien, die Cree-Indianer in Kanada oder die Tuareg in Nigeria zählen zu den Hauptbetroffenen in den Uranabbaugebieten. In der DDR wurde das Metall mehrere Jahrzehnte lang von der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut abgebaut. In Westdeutschland gab es in Menzenschwand im Schwarzwald eine kleine Abbaustätte.


weitere Infos zur Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), 02. Januar 2005
Unterschriftenaktion "Stilllegen statt erweitern!"

AFP-Agenturmeldung, 07. Januar 2005
IAEA-Chef schlägt weltweites Moratorium für Uran-Anreicherung vor

Arbeitskreis Umwelt Gronau u.a., Demonstrationsaufruf, 09. Oktober 2004
"Den Hahn zudrehen - Die Atomfabrik Gronau stilllegen, sofort!"

Arbeitskreis Umwelt Gronau, Pressemitteilung, 06. September 2004
Protestkundgebung vor der niederländischen Uranfabrik in Almelo

anti-atom-aktuell.de, 20. Juli 2004
"Herr Steinbrück: Erst Urenco stoppen - dann mit Udo rocken!"

DDP-Agenturmeldung, 21. Juni 2004
Uran-Transport nach Russland - Atomkraftgegner rufen zu Protesten auf

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Pressemitteilung, 24. Mai 2004
Protest gegen Jahrestagung Kerntechnik in Düsseldorf

Westfälische Nachrichten, 14. Januar 2004
Ratsmehrheit hat keine Bedenken gegen Ausbau

Westfälische Nachrichten, 30. Januar 2004
Richtkrone thronte im statt über dem Neubau

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, 08. Januar 2004
Internationaler Protest gegen Almelo

Süddeutsche Zeitung, 02. Januar 2004
Der Atom-Schwarzmarkt

DPA-Agenturmeldung, 01. Januar 2004
Deutsche Atomtechnik-Teile für Libyen abgefangen

Die Tageszeitung, 18. Dezember 2003
Urencos russische Uran-Deals

AFP-Agenturmeldung, 26. November 2003 u.a.
Areva/Urenco: 3 Mrd. Euro in eine neue Urananreicherungsfabrik

AKU Gronau, BBU, 11. Juli 2003
In NRW soll das bundesweit einzige Uranoxidlager gebaut werden

Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2003
Tausende Einwände gegen Ausbau der Urananreicherung

AKU Gronau, BBU, 10. Juli 2003
Urananreicherungsanlage: BBU wirft Landesregierung NRW Irreführung der Bevölkerung vor

Die Tageszeitung, 07. Juli 2003
Atomausstieg? Nicht in Gronau

Junge Welt, 07. Juli 2003
Urananlage soll wachsen

Robin Wood, 07. Juli 2003
Atomfabrik Gronau schließen - Aktion auf der Landesgartenschau

AKU Gronau, BBU, DNR und Robin Wood, 04. Juli 2003
Umweltorganisationen protestieren gegen den beantragten massiven Ausbau der Uranfabrik in Gronau

AKU Gronau, Robin Wood, BBU, 26. März 2003
Mehr als 6.000 Einsprüche gegen den Ausbau der Gronauer Atomfabrik

Münsterland Zeitung, 28. Januar 2003
Urananreicherung soll erweitert werden

Junge Welt, 28. Januar 2003
Uran bis zum Abwinken

Die Tageszeitung, 28. Januar 2003
Uran aus Deutschland

Robin Wood, 27. Januar 2003
Ausstieg statt Ausbau - Aktion auf dem Gronauer Rathaus

redaktion@uwg-ahaus.de, Januar 2003
Gronau stillegen statt erweitern


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