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Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2003

Tausende Einwände gegen Ausbau der Urananreicherung

Atomgegner zählen Sicherheitsrisiken der Gronauer Anlage auf - Genehmigungsbehörde sieht lediglich eine "Chemieanlage"

von Joachim Haas-Feldmann

Die Pläne zum Ausbau der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage Gronau (UAG) stehen auf dem Prüfstand. Für die derzeit laufende Erörterung haben Atomgegner mehr als 7000 Einwände erhoben.

Frankfurt a.M. Die Kritiker sehen in der Urananreichung erhebliche Sicherheitsrisiken und argumentieren, dass Deutschland grundsätzlich aus der Kernkraft aussteigen wolle. Für das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium als Genehmigungsbehörde handelt es sich bei der UAG lediglich um eine Chemieanlage.

Der Anlagenbetreiber Urenco will rund 800 Millionen Euro investieren und die Kapazität der Anlage im Münsterland so ausbauen, dass pro Jahr 800 Tonnen angereichertes Uran produziert werden können. Mit dieser im Vergleich zu heute verdreifachten Menge ließen sich 35 Atomkraftwerke beliefern. Urenco setzt dabei auch auf den ausländischen Markt.

Firmensprecher Manfred Krey betont, dass Nordrhein-Westfalen das atomkritische Öko-Institut als Gutacher eingeschaltet hat und dieses nichts gegen den UAG-Ausbau einzuwenden habe. Martin Waldhausen, Sprecher des Bundesumweltministeriums, sieht den Atomkonsens zum schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie nicht konterkariert, da nur 20 Prozent der vorgesehenen Uran-Produktion für deutsche AKW bestimmt seien und rechtlich die UAG nicht unter den Atomkonsens falle. Ähnlich formal argumentiert auch Lothar Wittenberg, Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums: Urenco habe ein Recht auf das Genehmigungsverfahren und sein Haus prüfe die Rechtmäßigkeit im Auftrag des Bundes. In Berlin betont Sprecher Waldhausen dagegen, zu genehmigen habe das Land.

Dass der UAG-Erörterungstermin zum Missfallen der Kritiker im rund 30 Kilometer von Gronau entfernten Legden anberaumt wurde, begründet das Landesministerium damit, dass in Gronau derzeit eine Gartenschau stattfinde und daher kein geeigneter Raum für Hunderte von UAG-Einwendern zu finden gewesen sei. Der Arbeitskreis Umwelt (AKU) in Gronau hält das für lächerlich, da nur wenige Dutzend Einwender zur Erörterung kommen. Eine weithin sichtbare Brücke der Gartenschau nutzten Atomkritiker vor dem Erörterungstermin, um dort per Transparent auf die Gefahren des Ausbaus hinzuweisen: Statt bisher jährlich 260 Bahnwaggons würden künftig 840 Züge atomare UAG-Fracht befördern, der Straßentransport würde von 750 Lastern auf 2770 steigen.

AKU-Sprecher Werner Neumann ist Realist genug um zu wissen, dass bei der Erörterung das Hauptziel der Anti-Atom-Initiativen, nämlich die Stilllegung der UAG, kaum erreicht werden kann. Aber die Gefahren müssten "so gering wie möglich gehalten werden". Er zählt sie auf: Das angereicherte Uran tauge zum Bombenstoff, das abgereicherte Uran, das als "Abfall" anfällt, für Uranmunition. Zudem sei die UAG unzureichend gegen Flugzeugabstürze und Sabotage gesichert. Und zu sagen, es handele sich um eine Chemieanlage, sei ein Hohn, denn die UAG sei in der Produktionskette für AKW-Brennelemente unabdingbar.


zur Sache

Bevor Uran zur Stromerzeugung einsetzbar ist, muss das Erz konzentriert und in Uranhexafluorid verwandelt werden. Dazu wird das Gas in der Urananreichungsanlage in Gronau in Zentrifugen gefüllt, die das spaltbare Natururan herausfiltern und dessen Atomgehalt steigern, damit eine Kettenreaktion im AKW möglich ist. Das angereicherte Uran wird in Brennelemente eingearbeitet. 95 Prozent des Urans sind nicht anreicherbarer Atommüll.


weitere Infos zur Erweiterung der Urananreicherungsanlage Gronau

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Natur- und Umweltschutzverein Gronau (NUG), 02. Januar 2005
Unterschriftenaktion "Stilllegen statt erweitern!"

AFP-Agenturmeldung, 07. Januar 2005
IAEA-Chef schlägt weltweites Moratorium für Uran-Anreicherung vor

Arbeitskreis Umwelt Gronau u.a., Demonstrationsaufruf, 09. Oktober 2004
"Den Hahn zudrehen - Die Atomfabrik Gronau stilllegen, sofort!"

Arbeitskreis Umwelt Gronau, Pressemitteilung, 06. September 2004
Protestkundgebung vor der niederländischen Uranfabrik in Almelo

anti-atom-aktuell.de, 20. Juli 2004
"Herr Steinbrück: Erst Urenco stoppen - dann mit Udo rocken!"

DDP-Agenturmeldung, 21. Juni 2004
Uran-Transport nach Russland - Atomkraftgegner rufen zu Protesten auf

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Pressemitteilung, 24. Mai 2004
Protest gegen Jahrestagung Kerntechnik in Düsseldorf

Westfälische Nachrichten, 14. Januar 2004
Ratsmehrheit hat keine Bedenken gegen Ausbau

Westfälische Nachrichten, 30. Januar 2004
Richtkrone thronte im statt über dem Neubau

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, 08. Januar 2004
Internationaler Protest gegen Almelo

Süddeutsche Zeitung, 02. Januar 2004
Der Atom-Schwarzmarkt

DPA-Agenturmeldung, 01. Januar 2004
Deutsche Atomtechnik-Teile für Libyen abgefangen

Die Tageszeitung, 18. Dezember 2003
Urencos russische Uran-Deals

AFP-Agenturmeldung, 26. November 2003 u.a.
Areva/Urenco: 3 Mrd. Euro in eine neue Urananreicherungsfabrik

AKU Gronau, BBU, 11. Juli 2003
In NRW soll das bundesweit einzige Uranoxidlager gebaut werden

Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2003
Tausende Einwände gegen Ausbau der Urananreicherung

AKU Gronau, BBU, 10. Juli 2003
Urananreicherungsanlage: BBU wirft Landesregierung NRW Irreführung der Bevölkerung vor

Die Tageszeitung, 07. Juli 2003
Atomausstieg? Nicht in Gronau

Junge Welt, 07. Juli 2003
Urananlage soll wachsen

Robin Wood, 07. Juli 2003
Atomfabrik Gronau schließen - Aktion auf der Landesgartenschau

AKU Gronau, BBU, DNR und Robin Wood, 04. Juli 2003
Umweltorganisationen protestieren gegen den beantragten massiven Ausbau der Uranfabrik in Gronau

AKU Gronau, Robin Wood, BBU, 26. März 2003
Mehr als 6.000 Einsprüche gegen den Ausbau der Gronauer Atomfabrik

Münsterland Zeitung, 28. Januar 2003
Urananreicherung soll erweitert werden

Junge Welt, 28. Januar 2003
Uran bis zum Abwinken

Die Tageszeitung, 28. Januar 2003
Uran aus Deutschland

Robin Wood, 27. Januar 2003
Ausstieg statt Ausbau - Aktion auf dem Gronauer Rathaus

redaktion@uwg-ahaus.de, Januar 2003
Gronau stillegen statt erweitern


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