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Kampagne x1000mal quer, Pressemitteilung, 15. Juni '00

Atomkonsens ist Etikettenschwindel

Atomkraftgegner kritisieren Ergebnis der Konsensgespräche: Regierung hat sich vom Ausstiegsziel verabschiedet.

Hannover. Zum Ergebnis der Atomkonsens-Gespräche zwischen Bundesregierung und AKW-Betreibern erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Kampagne "X-tausendmal quer - überall":

"Unsere schlimmsten Befürchtungen sind übertroffen worden. Noch nie hatten die AKW-Betreiber so ideale Rahmenbedingungen, wie mit dem jetzt erzielten Konsens. Die vereinbarten mehr als 2.600 Terawattstunden zukünftiger Atomstrom-Produktion entsprechen fast der Strommenge, die bis heute in den deutschen Atomreaktoren produziert wurde. Der politisch und gesetzlich abgesicherter Weiterbetrieb der großen Reaktoren über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten hat mit Ausstieg nichts zu tun. Wer den Atomkonsens mit diesem Label schmücken will, betreibt simplen Etikettenschwindel. Tatsache ist, daß sich die Regierung in der letzten Nacht endgültig vom Atomausstieg und damit vom Auftrag ihrer Wählerinnen und Wähler verabschiedet hat.

Dabei ist die schnelle Stillegung der AKWs weiterhin notwendig. Denn angesichts der Gefahren ist jedes Jahr weiterer Atomkraft- Nutzung ein Jahr zu viel:

Mit jedem zusätzlichen Betriebsjahr steigt bei den Reaktoren die Gefahr unkontrollierbarer Störfälle, bis hin zur Kernschmelzkatastrophe, dem Super-GAU. Verschärft wird dieses Problem durch die Zusage der Bundesregierung, die Sicherheitsbestimmungen nicht der Entwicklung von Wissenschaft und Technik anzupassen, sondern auf dem Stand der Kohl-Regierung einzufrieren.

Der Atommüll-Berg wird sich - legt man die jetzt ausgehandelten Laufzeiten zugrunde - in den nächsten Jahrzehnten mehr als verdoppeln. Die Verträge mit den ausländischen Wiederaufarbeitungsanlagen können vollständig abgearbeitet werden, denn nicht diese schmutzige Technologie soll nach fünf Jahren beendet werden, sondern nur die Transporte nach La Hague und Sellafield. Das nach wie vor völlig ungelöste Entsorgungs- Problem wird durch die geplante Zwischenlagerung an den AKW- Standorten auf kommende Generationen verschoben. Diese bisher unzulässige Verschleierungs-Methode soll nun durch Rot-grün legalisiert werden.


"Rot-grünes Atomprogramm für das 21. Jahrhundert"

Einen Vorteil bietet das jetzt vorliegende Ergebnis der Konsensgespräche: Die Verhältnisse sind endlich klar. Die Bundesregierung hat sich auf die Seite der Stromkonzerne geschlagen. Damit ist allen Hoffnungen auf eine ausstiegsorientierte Atompolitik ein Ende gesetzt. Nicht beendet ist allerdings die gesellschaftliche Auseinandersetzung um die Atomenergie-Nutzung. Die Anti-Atom-Bewegung muß wieder auf die eigene Kraft vertrauen. Der Widerstand gegen den Betrieb der Reaktoren, gegen den Neubau von Zwischenlagern und gegen neuerliche Atommüll-Transporte geht in eine neue Phase.

So wie es in den 70er Jahren gelungen ist, gegen das Atomprogramm der damaligen SPD-Bundesregierung außerparlamentarischen Widerstand zu mobilisieren, so werden wir jetzt den Streit um das rot-grüne Atomprogramm für das 21. Jahrhundert anfachen."

Für Ihre Rückfragen und Interview-Wünsche:
Jochen Stay: 05841 - 4521 oder 0170 - 9358759

http://www.x1000malquer.de

Die bundesweite Anti-Atom-Kampagne "X-tausendmal quer - überall" organisiert eine massenhafte gewaltfreie Sitzblockade gegen den nächsten Castor-Transport. Zahlreiche Bürgerinitiativen und Umweltverbände unterstützen die Kampagne. Mehr als 3.000 Menschen haben bereits öffentlich ihre Teilnahme an der geplanten Blockade angekündigt, täglich werden es mehr.


Mi, 14.06.00 Dokumentation des Originaltextes
Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorungsunternehmen

06.00 Titanic
Energiekonsensvertrag

Do, 15.06.00 AP-Agenturmeldung
Umweltschützer empört über Atomkonsens

Do, 15.06.00 AP-Agenturmeldung
Statt Ausstieg ein sanftes Ausgleiten

Do, 15.06.00 dpa-Agenturmeldung
Atomkompromiss: Kein Grund zum Jubeln für Rot-Grün

Do, 15.06.00 dpa-AFX-Agenturmeldung
Nach Atomkonsens mit der Wirtschaft Proteste von allen Seiten

Do, 15.06.00 Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", Pressemitteilung
Atomkonsens ist Mogelpackung

Do, 15.06.00 Kampagne x1000mal quer, Pressemitteilung
Atomkonsens ist Etikettenschwindel

Do, 15.06.00 Greenpeace, Pressemitteilung
Energiekonsens erhöht Atomrisiko

Do, 15.06.00 Deutsches Atomforum, Pressemitteilung
Deutsches Atomforum sieht Weiterbetrieb der Kernkraftwerke auf Jahre hinaus gesichert

Sa, 17.06.00 AP-Agenturmeldung
Grüne gehen beim Atomausstieg wieder in die Offensive

So, 18.06.00 dpa-Agenturmeldung
DGB fordert europaweiten Atomausstieg

Mo, 19.06.00 Traute Kirsch, BUND NRW
Atomausstiegsgesetz - der nächste Betrug

Mo, 19.06.00 AP-Agenturmeldung
SPD will Umsetzung des Atomausstiegs «sorgsam prüfen»

Do, 22.06.00 Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus"
Stellungnahme zur Vereinbarung zwischen der deutschen Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen

Do, 22.06.00 AP-Agenturmeldung
Betreiber sehen kein Ende der Atomkraft

Do, 22.06.00 Westfälische Rundschau
Stromkonzerne drängen auf neue Castor-Transporte

Fr, 23.06.00 n-tv online
Grünen-Delegierte für Atomkompromiss


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08.11.2009

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