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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 29. März '00 Neue Perspektiven für JutegeländeAusschuss: Einzelhandelsflächen bieten Chancen und Risiken für die Fußgängerzonevon Stefan GrothuesAhaus. Wie kann das ehemalige Gelände der Jutefabrik attraktiv und mit Gewinn für die Stadt Ahaus genutzt werden - ohne gleichzeitig die Innenstadt und Fußgängerzone zu schwächen? Als "schwieriger Spagat" oder "eklatantes Dilemma" wurde diese Aufgabe im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Verkehr am Montagabend bezeichnet. Dennoch gelangte der Ausschuss zu der Überzeugung, dass die Stadt tätig werden muss, um das Gelände für großflächigen Einzelhandel zu öffenen. Die Federführung bei der Erstellung eines Nutzungskonzepts müsse bei der Stat liegen. Vor zwei Jahren schien das Problem schon einmal gelöst zu sein: Der Bauträger Con3 wollte die 42600 Quadratmeter große Fläche erwerben, um vor allem Wohnhäuser, Altenwohnungen und nur zu einem geringen Teil Einzelhandelsflächen zu vermarkten. Das Konzept ist aber inzwischen überholt, weil der Wohnungsbedarf in Ahaus nicht nur gedeckt ist, sondern sogar schon Wohnungen leer stehen. Die Inhaberin der Fläche, eine Immobiliengesellschaft, die aus der Baumwollspinnerei Gronau (BSG) hervorgegangen ist, zeigt nun großes Interesse am Verkauf dieser Fläche. Interessenten gibt es viele. Allen gemeinsam ist, dass sie das Areal für großflächigen Einzelhandel vermarkten wollen. Nach Auffassung des Ersten Beigeordneten Reinhard Sommer ist die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel nicht nur vertretbar, sondern berge sogar neue Chancen: "Die Gunst der Lage und des Umfeldes mit Bahnhof, Schloss und Innenstadtnähe bieten die Möglichkeit, eine Nutzung zu installieren, die Magnetwirkung über die Grenzen der Stadt hinaus entfaltet." Bürgermeister Dr. Dirk Korte hält dies auf Grund der vielfältigen Aktivitäten in den Nachbarstädten für dringend erforderlich: "Wir müssen verhindern, dass Kaufkraft in andere Gemeinden abfließt." Und Sommer erklärte: "Wenn das Gelände unbeplant bleibt, verliert die Stadt Ahaus den Anschluss." Eine "gewisse Konkurrenz" der neuen Einzelhandelsflächen zur Ahauser Fußgängerzone werde sich allerdings wohl nicht ganz vermeiden lassen. Darum müssten Geschäftsleute aus der Innenstadt möglichst frühzeitig in die Planungen miteinbezogen werden. Hubert Kersting (UWG) zeigte sich besorgt: "Der Kernbereich der Stadt könnte an Substanz verlieren. Bei einem innenstadtrelevanten Sortiment müssen wir die Rote Karte zeigen." Andreas Dönnebrink (SPD) bewertete es als positiv, dass über das eigentliche Jutegelände hinaus auch die Randbereiche in ein Gesamtkonzept einbezogen werden. Er teile die Bedenken Kerstings, so Dönnebrink. "Die Gefahr ist aber nicht so groß, wenn wir gemeinsam mit den Gewerbetreibenden planen." Der Ausschussvorsitzende Felix Büter (CDU) sieht auch Chancen für die Fußgängerzone: "Wenn wir eine Verbindung zur Innenstadt hinbekommen, dann könnte auch die Fußgägnerzone von einer erhöhten Frequenz profitieren. Nach dem Beschluss des Ausschusses soll die Stadt nun kurzfristig mit den Inhabern des Geländes verhandeln, um die Beseitigung der Altlasten zu klären. Für die dabei entstehenden Kosten (Teerdächer, Asbest, Bodenverunreinigungen durch Öl, Treibstoff und Färbemittel) muss der Grundstücksinhaber aufkommen. Nach ersten groben Schätzungen könnten sich die Kosten auf zwei Millionen Mark belaufen. In Randbereichen könnten auch Kosten auf die Stadt Ahaus zukommen.
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