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Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung, 24. Mai '00

Noch Ecken und Kanten am runden Tisch

Bürgerinitiative misstrauisch gegenüber Absprachen mit der Polizei

von Stefan Grothues

Ahaus. Der runde Tisch zum Thema Castortransporte hat noch Ecken und Kanten: Misstrauen, Vorehalte und gegenseitige Vorwürfe prägen vor allem das Verhältnis von Polizei und Bürgerinitiative. Der 20. März 1998 hat tiefe Spruen hinterlassen.

So nahm die Vergangenheitsbewältigung am Montagabend in der ersten öffentlichen Sitzung des runden Tisches einen breiten Raum ein - in zumeist sachlicher und zugleich kühler Atmospäre. Hartmut Liebermann, Sprecher der Bürgerinitiative, richtete schwere Vorwürfe an die Polizei: Absprachen im Vorfeld des Castortransportes seien nicht eingehalten worden. Die versammlungsfreien Zonen seien zu groß zugeschnitten worden, Passierscheinregelungen hätten nicht funktioniert. Weil die Polizei "getrickst, getäuscht und gelinkt" habe, werde die BI kein Absprachen mit dem Polizeipräsidium treffen, wohl aber mit dem örtlichen Unternehmerverband AIW und mit der Kreishandwerkerschaft. Liebermann: "Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass Ahauser Betriebe nicht geschädigt werden."

Der Leitende Polizeidirektor Horst Haase verwahrte sich dagegen, die Polizei sie der Störfaktor gewesen. Er warf der BI "Gesinnungsethik" vor. "Hätten die Demonstranten die versammlungsfreien Räume respektiert, dann hätte es auch keine Probleme gegeben." Schienenbesetzungen seien nun einmal unzulässig. Haase wollte bei dem Einsatz von 20 000 Polizeibeamten nicht ausschließen, dass es vereinzelt auch zu Fehlverhalten auf Seiten der Polizei gekommen sei. "Aber wir dind bereit zu lernen. Der runde Tisch ist eine Chance für verbindliche Absprachen."


"Der Castor kommt durch"

"Grundwissen", so betonte Haase, müsse dabei sein, "dass der nächste Castor durchkommen wird, auch wenn wir notfalls 40 000 Beamte einsetzen müssten". Die Polizei werde die demokratisch legitimierte Entscheidung durchsetzen. Der BI-Vorsitzende Peter Münster jedoch stellte die demokratische Legitimation in Frage: "Wir bestreiten die Legitimation, Entscheidungen zu fällen, die andere Generationen über mehr als tausend Jahre belasten."


"Verbindlicher Termin"

Bei möglichen Absprachen am runden Tisch müsse der Innenminister in Düsseldorf rechtzeitig und verbindlich einen Transporttermin nennen, sagte Haase. 1998 hatte der damalige Innenminister Franz-Josef Kniola den Transport überraschend um einige Tage vorverlegt. Ohne klare Aussage des Ministers, so fürchtet Haase, würde sich der Protest in Ahaus über etliche Tage erstrecken.

Für das Gewerbe und für den Einzelhandel wäre das eine Katastrophe, erklärten Franz-Josef Böckhaus vom AIW und Paul Haverkamp vom Gewerbeverein. Und Christoph Bruns, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, erklärte: "Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, dass die Produktion mehrere Tage stillliegt." Eine neue Eisenbahnlinie, die das BZA ohne Umweg durch die Innenstadt an die Bahnstrecke nach Legden anschließt, ware ein Lösung, meinte Böckhaus. Bürgermeister Dirk Korte, der gleichzeitig Gesprächsleiter des runden Tisches ist, schätzte diesen Vorschlag als unrealistisch ein. Er befürworte Absprachen am runden Tisch mit dem Ziel, Korridore für den Verkehr in die Gewerbegebiete freizuhalten.


"Schritt nach vorn"

"Was dabei herauskommt, weiß keiner", meinte der CDU-Fraktionsvorsitzende Felix Büter. Dennoch sehe er keine andere Möglichkeit, als Absprachen zu treffen. Wenn die BI sich daran beteilige, könne er sich ein Entgegenkommen der CDU bei der Versorgung und Unterbringung der Demonstranten vorstellen. Für einen "Schritt nach vorn" trotz allen Misstrauens sprach sich auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Dönnebrink aus. Von ihm stammte der Vorschlag, eine kleine Arbeitsgruppe einzurichten, die konkrete Vorschläge für Korridore machen soll. Skepsis äußerte BI-Sprecher Hartmut Liebermann: "Wir prophezeien Ihnen, dass die Polizei alles dicht macht. Was soll dann diese Arbeitsgruppe?"

UWG, SPD und Grüne brachten am Montag auch eine Resolutionsentwurf in den runden Tisch ein, der Castortransporte prinzipiell ablehnt, weil die Sicherheit nicht gewährleistet sei. Im Detail wurde über die Resolution noch nicht diskutiert. Günter Jeschar von der evangelischen Kirchengemeinde wandte sich jedoch prinzipiell gegen eine solche Resolution: "Wir wollen am runden Tisch nicht das Für und Wider der Kernenergie erörtern, sondern uns fragen, wie wir konkret in Ahaus mit einem Castortransport umgehen." Auch Vertreter des Handwerks und der Polizei sahen sich nicht befugt, grundsätzlich Aussagen zu Castortransporten zu machen Die politischen Fragen gehören eher in den Rat, meinte auch Felix Büter für die CDU.

Die nächste Sitzung des Runden Tisches findet am 21. August um 18 Uhr statt.


Mo, 04.10.99 Westfälische Nachrichten - Gronauer Nachrichten
Kernenergie soll Bürger in Ahaus nicht weiter in zwei Lager spalten

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Leserbrief "Runder Tisch muss klare Position gegen Castor beziehen"

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Mi, 24.05.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
Noch Ecken und Kanten am runden Tisch

Di, 04.07.00 Münsterland Zeitung - Ahauser Zeitung
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Mi, 16.08.00 BI "Kein Atommüll in Ahaus", Pressemitteilung
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Minister nennt Termin nicht - Möglicher Transport im Frühjahr 2001

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Runder Tisch geplatzt

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UWG-Position zur Transportabsage
Brennelemente-Zwischenlager und Castor-Transporte: Blick über den Ahauser Kirchturm...


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