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Münsterland Zeitung, 04. Mai '00

Trittin: Vor November rollt kein Castor-Behälter nach Ahaus

Umweltminister kritisiert Blockadehaltung beim Atomausstieg

Münster/Ahaus. (HPE) Nicht vor November "wenn überhaupt noch im Jahr 2000" wird es laut Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis '90/Die Grünen) einen Castor-Transport nach Ahaus geben. Vor 200 Polizisten und Bundesgrenzschützern aus ganz Deutschland kritisierte der prominenteste Atomkraftgegner gestern in der Polizeiführungsakademie Münster die "scheinheilige Blockadehaltung" der süddetuschen Länder beim Atomausstieg und ihre "Fundamentalopposition" gegen den Bau von Zwischenlagern in direkter Nähe der Kernkraftwerke. Trittin: "Frei nach Sankt Florian wollen die Südländer zwar weiterhin die Gewerbesteuer kassieren, die Lasten des strahlenden Mülls soll aber der Norden tragen. Hier wird nicht nur versucht, einen gesellschaftlichen Konsens über die Beendigung der Atomenergienutzung zu verhindern, sondern zugleich Politik auf Kosten der Polizeibeamten gemacht." Neuerliche Castor-Transporte sind für den Minister erst verantwortbar, wenn vorher der Ausstieg mit den Kraftwerksbetreibern besiegelt werde.



Angeblicher Atomkraftgegner
Zum besseren Schutz werden die Transportbegleiter der Polizei möglicherweise künftig Schutzanzüge tragen. Auch sollen die Castoren einen Schutzmantel bekommen, um ein direktes Berühren der brisanten Container während des Transports unmöglich zu machen.

Zugleich rief Trittin Polizisten und Atomkraftgegner zu einem "gewaltfreien und zivilen Umgang miteinander" auf. Großes Verständnis zeigte er für die Ängste der Beamten, die bei der Begleitung des 100 Millionen Mark teuren Transportes 1998 nach Ahaus erhöhten Strahlenbelastungen ausgesetzt waren.

Trittins Hoffnung des Dialogs an Stelle der Eskalation wurden von den Polizisten als "frommer Wunsch" eingestuft, zumal sich viele Beamte schon jetzt als "Prügelknaben" im Konflikt um die künftige Energiepolitik missbraucht fühlen. Bundesgrenzschutz-Inspektuer Walter Sperner meinte, Konflikte seien vorprogrammiert, eine "faire Streitkultur" könne es zwischen Polizei und Castor-Gegnern kaum geben.


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