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Leipziger Volkszeitung, 13. Oktober 2004

Wortgefechte um Castoren

Um Atomtransporte nach Ahaus wird gerungen

von Michael Donhauser

Ahaus (dpa/lnw) - Mehr als sechs Jahre ist es her, dass sich die Tore des Brennelemente-Zwischenlagers im westfälischen Ahaus zum bisher letzten Mal hinter frisch eingelagerten Castor-Behältern schlossen. Damals, 1998 waren es Atomkraftgegner aus ganz Deutschland, die den Atommüll-Transport nach Ahaus zum Wagnis machten und am selbst ausgerufenen "Tag X" tausende von Polizisten mit Krawallen und Blockaden in Atem hielten. Diesmal sollen 18 Behälter mit 951 Brennstäben aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden nach Ahaus gebracht werden. Während sich die weniger gewordenen Anti-Atomkraft-Aktivisten schon seit dem Frühjahr müde demonstrieren, wird die eigentliche Schlacht diesmal in Wortgefechten von Politikern und Juristen ausgetragen.

An diesem Montag - einen Tag nach Ende der Kommunalwahlen in NRW - beendete das Oberverwaltungsgericht Lüneburg zunächst einmal juristisch den Streit zwischen Nordrhein-Westfalen, dem Freistaat Sachsen und dem Bundesamt für Strahlenschutz (Salzgitter) als genehmigender Behörde für die Transporte. Die Beschwerde aus Düsseldorf gegen die Genehmigung vom März wiesen die Richter aus formellen Gründen ab, Anfechtung ausgeschlossen. NRW-Innenminister Fritz Behrens lässt aber nicht locker.

"Eine vernünftige Lösung" hält der SPD-Politiker noch immer für möglich. Am Dienstag sollte das Landeskabinett darüber beraten, welche Schritte zu unternehmen sind. Das Thema ist für NRW ein erheblicher Kostenfaktor. Für Atommüll aus Forschungsreaktoren ist im Atomrecht nicht wie bei Kraftwerken die standortnahe Zwischenlagerung vorgesehen, sondern die Fahrt ins Zentrallager. Mit den Fuhren aus Rossendorf könnte also ein Damm brechen, der Nordrhein-Westfalen in den nächsten Jahren dreistellige Millionenbeträge allein zur Sicherung von Atommüll-Transporten kosten würde. Spätestens 2009 nehmen auch die USA keine Brennstäbe mehr an. Gelänge allerdings eine für beide Seiten akzeptable Verhinderung der Fuhren aus Sachsen, wäre dies ein Vorbild auch für andere Bundesländer.

Für Behrens spielt die Zeit. Fachleute sind sich einig, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt im Dezember Straßentransporte - wie von Sachsen vorgesehen - aus Witterungs- und Sicherheitsgründen für die Zeit des Winters nicht mehr realistisch sind. Schließlich liegen vor den Castoren - je nach Route - nicht nur rund 600 Kilometer Autobahn, sondern auch einige Mittelgebirge wie der Harz und der Teutoburger Wald mit bei Glätte gefährlichen Steigungen und Gefällstrecken. Ein bei Glatteis am Berg fest hängender Atommüll-Laster wäre für die Sicherheitsbehörden ein Horrorszenario.

In Sachsen können die Lastwagen aber erst vom 22. November an starten. Erst dann sind die zwingend vorgeschriebenen Stoßdämpfer für die Behälter in ausreichender Menge greifbar. Für die Transporte von Rossendorf nach Ahaus bliebe also nur ein schmaler Zeitkorridor von Ende November bis Anfang Dezember. Schon am Montag hatte Umweltminister Steffen Flath (CDU) in Dresden vor diesem Hintergrund Druck gemacht und seiner Hoffnung Ausdruck verliehen "noch im November" transportieren zu können. Denn die Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz läuft zum Jahresende aus. Flath weiß: Würde dieser Termin verstreichen, würde wieder zunächst einmal nur ein neues Verfahren ins Rollen gebracht, nicht die zum Teil seit Jahrzehnten in Rossendorf lagernden Brennstäbe.


Die Tageszeitung, 13. Oktober 2004

Castor-Transporte nach Ahaus nicht vor 2005

Trotz abgewiesener Klage wollen SPD und Grüne die Atommülltransporte verhindern - und machen Druck auf Sachsen

von Andreas Wyputta

Düsseldorf/Ahaus. Trotz einer negativen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg will Nordrhein-Westfalens rot-grüne Regierungskoalition weiter gegen die drohenden Atommülltransporte ins Münsterland kämpfen. "Ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr keinen Castor-Transport in das Zwischenlager Ahaus geben wird", so Landesinnenminister Fritz Behrens (SPD) zur taz. Trotz der Entscheidung des Gerichts sei "mit gutem Willen aller Beteiligter noch immer eine vernünftige Lösung möglich", sagte Behrens. Das OVG hatte eine Klage Nordrhein-Westfalens mit der formellen Begründung zurückgewiesen, Bundesländer seien nicht befugt, gegen die Transportgenehmigung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter zu klagen.

Auch der atompolitische Sprecher der Grünen, Rüdiger Sagel, kritisierte das Urteil als "wenig hilfreich". Zur Sicherung der gefährlichen Atommülltransporte aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden müssten tausende Polizisten eingesetzt werden, was NRW rund 50 Millionen Euro kosten wird. Nötig sei nun politischer Druck der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten auf ihre sächsischen Parteifreunde, die mit den bisher allein regierenden Christdemokraten eine Regierungskoalition bilden wollen. "Innenminister Behrens soll dringend Gespräche mit sächsischer SPD und Landesregierung führen, um die Vermeidung der Transporte doch noch durchzusetzen."

Behrens' Sprecher Ulrich Rungwerth bestätigt solche Gespräche bereits: "Sie können davon ausgehen, dass Menschen, die in einer Partei sind, auch miteinander sprechen." Auf einen Transport sei die nordrhein-westfälische Polizei nicht vorbereitet - da die BfS-Genehmigung Ende Dezember ausläuft, setzt die nordrhein-westfälische Landesregierung auf eine Verzögerungstaktik. Die Atommülllieferung sei "völlig sinnlos", bekräftigt auch Sagel - sollten sich Bund und Länder nicht auf einen Standort für ein noch zu bestimmenden Endlager festlegen können, müssten die Castoren schließlich nach Sachsen zurückgeschafft werden.

Gegen diesen "Atommülltourismus" protestieren auch Anti-Atom-Initiativen aus dem Münsterland. Nach einer Demonstration vor dem Ahauser Rathaus wurde eine Dauermahnwache vor dem Zwischenlager eingerichtet, so Matthias Eickhoff von der Initiative Widerstand gegen Atomanlagen: "Wir machen weiter Druck."


Pressespiegel Castor Rossendorf-Ahaus

>aktuell. >juni05. >rückblick castor aus rossendorf x3.

Kath. Frauengemeinschaft Deutschland, Ahaus, 06. Juni 2005
Mahner in der Stadt

>aktuell. >juni05. >rückblick castor aus rossendorf x2.

>aktuell. >mai05. >rückblick castor aus rossendorf x1.

>aktuell. >mai05. >rückblick castor aus rossendorf vorlauf x1.

Münsterland-Zeitung, 25. Mai 2005
"Ruhe in der Innenstadt"

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., Pressemitteilung, 23. Mai 2005
NRW-Landesregierung hat kein politisches Mandat mehr für Castoren

Münsterland-Zeitung, 11. Mai 2005
Castor: Transporttermin noch im Nebel

Münsterland-Zeitung, 03. Mai 2005
600 Kilometer für Protest

Die Tageszeitung, 28. April 2005
Anti-Atom spaltet die Bewegung

Münsterland-Zeitung, 19. April 2005
Circus contra Castor am Zwischenlager

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., Pressemitteilung 05. April 2005
Atomkraftgegner demonstrieren direkt vor Zwischenlager Ahaus

Münsterland-Zeitung, 30. März 2005
BI meldet Proteste an

Münsterland-Zeitung, 15. März 2005
Stört Castor Kirchenchöre?

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., Pressemitteilung, 14. März 2005
Am 4. Juni soll zweiter Castor-Transport nach Ahaus rollen

Die Tageszeitung, 10. März 2005
Störfall in Ahauser Atomlager

Die Tageszeitung, 28. Februar 2005
Grüne im Schnellwaschgang

Münsterland-Zeitung, 24. Februar 2005
Rollen Castoren durch Heek?

WDR, 20. Februar 2005
Atomkraftgegner machen mobil

Münsterland-Zeitung, 10. Februar 2005
"Enttäuschte Freundschaft"

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., Pressemitteilung, 14. Januar 2005
Atomtransporte von Dresden nach Ahaus direkt nach Landtagswahl

Westfälische Nachrichten, 23. Dezember 2004
1000 Kerzen

Münsterland-Zeitung, 15. Dezember 2004
Konkrete Schritte mit keiner Silbe erwähnt

Freie Presse Sachsen, 11. November 2004
Castor-Stopp - Atommüll bleibt vorerst in Rossendorf

Die Tageszeitung, 09. November 2004
Der Tod ist kein Hindernis

Münsterland-Zeitung, 28. Oktober 2004
Castor: Appell an die Politik

WDR, 21. Oktober 2004
Castor-Transporte oder die Frage nach dem Schnee

Leipziger Volkszeitung, 13. Oktober 2004
Wortgefechte um Castoren

Münsterland-Zeitung Ahaus 12. Oktober 2004
Grünes Licht für den Castor

Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., Pressemitteilung, 06. Oktober 2004
CASTOR-Proteste vor Ahauser Amtsgericht

Sächsische Zeitung, 28. September 2004
Sachsen hält an Castor-Transporten in diesem Jahr fest

Münsterland-Zeitung, 28. September 2004
Proteste gegen Castortransporte

ahaus-online.de, 11. September 2004
Homann und BI-Mitglieder trafen Bärbel Höhn

WDR, 01. September 2004
Kein Atommüll nach Ahaus? Kläger bezweifeln Sicherheit des Zwischenlagers

Westfälische Nachrichten, 20. August 2004
Castoren kommen nicht vor dem Herbst

BI "Kein Atommüll in Ahaus", WigA Münster, Pressemitteilung, 06. August 2004
Atommüll - Entscheidungen in Kürze vor Gerichten

WDR, 06. August 2004
Castor-Schlappe für NRW-Regierung

Münsterland-Zeitung, 17. Juli 2004
Trotz Klage: NRW-Castor rollte per LKW

Münsterland-Zeitung, 03. Juli 2004
Höhn: Ich bin zuversichtlich

DDP-Agenturmeldung, 02. Juli 2004
Streit um Castoren - Bundesverwaltungsgericht weist NRW-Klage nach Braunschweig zurück

Münsterland-Zeitung, 24. Juni 2004
Neue Halterungen für Castoren

WDR, 08. Juni 2004
Neue Runde im Castor-Streit

Sächsische Zeitung, 13. Mai 2004
Castoren rollen erst später

Münsterland-Zeitung, 19. April 2004
NRW will Klage gegen Castor

Münsterland-Zeitung, 02. April 2004
Castor spaltet Rat

Münsterland-Zeitung, 31. März 2004
Atomtransport genehmigt

Münsterland-Zeitung, 24. März 2004
Landtag debattiert heute über Castortransport

Die Tageszeitung, 18. März 2004
Ahaus und Gronau müssen endlich stillgelegt werden

Münsterland-Zeitung, 13. März 2004
Protest schlägt Zelte auf

Westline, 10. März 2004
Betreibergesellschaft übt Kritik

Münsterland-Zeitung, 10. März 2004
Kabinett will Castortransport verhindern

Neue Ruhr-Zeitung, 06. März 2004
Atom spaltet Höhn und Trittin

Münsterland Zeitung, 04. März 2004
kfd gegen Castortransporte

Münsterland Zeitung, 03. März 2004
Pax Christi gegen Castortransporte

Sächsische Zeitung, 01. März 2004
Castor-Proteste an den Autobahnen

Die Tageszeitung u.a., 20. Februar 2004
Sachsen soll Castoren behalten

Sächsische Zeitung, 20. Februar 2004
Castor rollt noch nicht, aber die Protest-Welle

Münsterland-Zeitung, 17. Februar 2004
Minister: Transport unnötig

Leipziger Volkszeitung, 07. Februar 2004
Minister: Castor-Transport im Frühjahr möglich

BI "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., 02. Februar 2004
CASTOR-Transport nach Ahaus aus Angst vor Protesten vorverlegt

BI "Kein Atommüll in Ahaus" u.a., 01. Februar 2004
Offener Brief an die NRW-Landesregierung

BI "Kein Atommüll in Ahaus", 20. Januar 2004
Bald Genehmigung für CASTOREN? - Wir stellen uns quer!

Münsterland Zeitung, 15. Januar 2004
Spontane Demo am Zwischenlager

Die Tageszeitung, 11. Januar 2004
Ahaus wird grüner Super-GAU

Münsterland Zeitung, 19. Dezember 2003
Breiten Protest gegen Castor angekündigt

Die Tageszeitung, 19. Dezember 2003
Im Münsterland wächst der Widerstand

Westfälische Nachrichten, 19. Dezember 2003
Können und wollen nicht tatenlos zusehen

Münsterland Zeitung, 18. Dezember 2003
Protest am frühen Morgen

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen u.a., 17. Dezember 2003
Atommüllager Ahaus blockiert

Münsterland Zeitung, 02. Dezember 2003
Castortransport nach Ahaus im Jahr 2004?

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen/Grüne Liga Sachsen
Rossendorf: 34 Jahre Reaktorbetrieb ohne Entsorgungskonzept


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