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Die Tageszeitung, 14. September 2001

AKWs nicht sicher

Reaktorsicherheitsexperten bezweifeln, dass ältere deutsche AKWs gezielte Abstürze überstehen würden

von Jago

Berlin. Auch deutsche Atomkraftwerke würden einem gezielten Angriff mit einem größeren Verkehrsflugzeug vermutlich nicht standhalten: "Man ist immer von dem Worst-Case-Szenario eines Aufpralls durch kleinere Militärflugzeuge ausgegangen", erklärte der Reaktorsicherheitsexperte Helmut Hirsch gegenüber der taz.

Nach Ansicht Hirschs, unter anderem für die österreichische Regierung und den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) tätig, sei es vor allem bei älteren AKWs wie den in den 70er-Jahren errichteten in Stade, Obrigheim oder Biblis A "höchst unwahrscheinlich", dass sie den gezielten Aufprall eines Jumbojet unbeschadet überstehen. Wenn es Attentätern gelinge, die Betonhülle eines Atommeilers zu zerstören, drohe eine "Kernschmelze gefährlichster Kategorie, die Tschernobyl in den Schatten stellen würde." Der Sicherheitsgutachter fordert, nach dem Angriff auf das World Trade Center auch das Konzept für Atomkraftwerke und Zwischenlager "zu überdenken".

Auch für Kritiker der mangelnden Sicherheit von AKWs sei allerdings ein derartiges Attentat bisher nicht vorstellbar gewesen. Neuere AKWs, deren Kuppeln mit einer bis zu zwei Meter dicken Betonschicht umgeben sind, würden zwar mutmaßlich auch der Stoßlast einer größeren Boeing widerstehen; auch bei ihnen stelle sich aber die Frage nach möglichen Auswirkungen auf den Rest der Anlage.

Auch der Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit in Köln, Heinz-Peter Butz, gestand ein, dass es in der Frage, bis zu welchem Maß ein AKW einem Angriff standhalten würde, "eine Grenze gibt, die wir nicht so genau kennen". Zwar seien deutsche Atomkraftwerke gegen Flugzeugabstürze weitgehend geschützt. Anders sehe es aber bei einem terroristischen Angriff aus. Allerdings sei ein Atommeiler mit einer Höhe von 50 Metern im Vergleich zu dem 400 Meter hohen World Trade Center für einen Piloten schwieriger zu treffen, konstatierte Butz. Bisher war man davon ausgegangen, dass deutsche Atomkraftwerke im Gegensatz zu den meisten ausländischen gegen Luftfahrtunglücke weitgehend gesichert seien.


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