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BI "Kein Atommüll in Ahaus, Aufruf, 24. August '00

CASTOR-ALARM:

Transport nach Ahaus im November erwartet!

Noch in diesem Jahr soll offenbar ein Castor-Transport nach Ahaus durchgepeitscht werden. Zwar dementieren alle beteiligten Behörden und Ministerien bis zum heutigen Tage (24.8.), dass schon ein Transporttermin feststehe. Das Polizeipräsidium Münster geht sogar noch ein Stück weiter: Zur Vorbereitung eines Castor-Transports benötige die Polizei ein halbes Jahr Vorbereitungszeit, und bisher habe sie noch nicht mal einen Auftrag erhalten, daher könne der Transport frühestens im nächsten Frühjahr kommen. Aber die Fakten, die im Laufe des Monats August der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" bekannt geworden sind, sprechen eine andere Sprache. Fest steht demnach: Die Leitung der Bundeswehr-Kasernen in Rheine hat vom Führungsstab in Münster den Auftrag erhalten, ab der 45. Kalenderwoche (also ab 5. November) folgende Maßnahmen zu ergreifen: Beeitstellung von Unterkünften für BGS-Einsatzgruppen, Einrichtung von Gefangenensammelstellen, Freihaltung des Militärflugplatzes Bentlage für BGS-Hubschrauber.

Weiterhin hat die BI Informationen erhalten, dass es für die Bahnpolizei (heute ebenfalls zum BGS gehörig) im Münsterland ab der 45. Kalenderwoche eine Urlaubssperre gibt, das gleiche für die Beschäftigten im Brennelement-Zwischenlager Ahaus (BZA).BZA dementiert die Urlaubssperre, ebenso der BGS. Der BGS gibt aber inzwischen zu, dass Vorbereitungen für einen Castor-Transport laufen, wenn auch noch kein Termin feststehe. Die Bundeswehr bzw. das Verteidigungsministerium verweigerten Journalisten, die sich erkundigen wolten, ob die Informationen der BI stimmen, einen Kommentar. Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens bestreitet ebenfalls, dass ein Termin für einen Transport feststehe, und verweist darauf, dass erst noch eine Arbeitsgruppe der Innenministerien aus Bund und Ländern sowie des Bundesumweltministeriums zusammentreten müsse, um einen Termin festzulegen. Dies solle noch im August geschehen. Interessant ist, wie unterschiedlich Innenminister Behrends (SPD) in den Medien zitiert wird: Laut FR gibt es "in diesem Jahr ganz gewiss nicht mehr" einen Tranport, laut Stuttgarter Zeitung ist ein Transport noch in diesem Jahr "unwahrscheinlich", nach einer AP-Meldung, die auch in der WAZ veröffentlicht wurde, sei der Termin eines Transports "noch offen" (alle Meldungen vom 19. oder 20.8.).

Uns scheint hier eine gigantische Desinformationskampagne zu laufen, wie wir sie ja schon beim letzten Transport erlebt haben. Wir verlassen uns lieber auf unsere Informanten. Wir haben 5 voneinader unabhängige Informanten, die uns die genannten Informationen haben zukommen lassen. Und wir haben diese Informanten in der Vergangenheit als zuverlässig kennen gelernt. Zwei von ihen haben uns 1998 über die Vorverlegung des Transporttermins informiert, lange bevor die Polizei im Münsterland Bescheid wusste.


Woher kommt der Transport?

Wir haben bisher keine verlässliche Information darüber erhalten, woher der Transport nach Ahaus kommen soll. Allerdings ist folgendes klar: genehmigt sind je 2 Transporte à 3 Behälter aus Neckarwestheim, Biblis und Philippsburg nach Ahaus. Sie dürften jeweils im 6er-Pack transportiert werden. In Biblis und Philippsburg gibt es aber zur Zeit noch große Probleme mit der Beladung. Mit dem neu angeordneten Beladeverfahren, das Restfeuchte im Deckel-und Dichtungsbereich verhindern soll, kommen die Betreiber nicht zurecht: Es gelingt ihnen seit Monaten nicht, Castor-Behälter dicht zu beladen. In Biblis sind daher bisher nur 2 Behälter beladen, in Philippsburg noch kein einziger ! Dagegen stehen in Neckarwestheim bereits 6 fertig beladene Behälter !!! Allerdings drängt auch Biblis auf einen Transport, da dort der nächste Brennelement-Wechsel ansteht. Wir gehen zur Zeit aber davon aus, dass ein Transport, wenn der denn noch in diesem Herbst kommen sollte, aus Neckarwestheim kommen dürfte. Nicht ganz klar sind wir uns darüber, ob Polizei und Innenminsiterium NRW wirklich so ahnungslos sind, wie sie sich geben. Wenn sie wirklich nicht eingeweiht sind (was eher unwahrscheinlich ist), dann vielleicht deshalb, weil in einer Nacht- und Nebelaktion des Bundes versucht werden soll, den Transport nur mit BGS-Begleitung durchzuziehen, um Personal und Kosten zu sparen. Eine solche Strategie dürfte dann aber mit der Veröffentlichung der Pläne durch uns gescheitert sein.

AUCH DESHALB IST ES WICHTIG, JETZT DEN CASTOR-ALARM AUSZULÖSEN UND BUNDESWEIT ZU MOBILISIEREN !

Gründe dafür, sich auch jetzt wieder quer zu stellen, gibt es genug:

Castor-Transporte dienen nach wie vor nicht dem Ausstieg aus der Atomenergie, sondern dem langfristigen Weiterbetrieb der AKW, die rot-grüne Vereinbarung mit den EVU garantiert 32, in Wahrheit sogar 35 Jahre Laufzeiten für alle AKW.
Durch die rot-grüne Vereinbarung wird die Menge des Atommülls, von dem bisher schon niemand weiß, wie er zu entsorgen ist, noch einmal mehr als verdoppelt.
Ein Endlager für hochradioaktiven Müll, das diesen Namen verdient, ist weltweit nicht in Sicht: Im Gegenteil, der Umweltsachverständigenrat der Bundesregierung hat im März festgestellt, dass die Endlagerproblematik wahrscheinlich gar nicht lösbar ist. Wer unter diesen Umständen Atommüll weiter produziert, handelt kriminell !
Transporte in ein "Zwischenlager" bedeuten keine Entsorgung, sondern lediglich eine Verschieberei des Atommülls, die Entsorgung vortäuschen soll. Dies muss offengelegt werden !
Auch 2 1/2 Jahre nach dem Kontaminsationsskandal sind die technischen Probleme mit den Castor-Bahältern nicht gelöst, im Gegenteil: Rostende Castoren im Ahauser BZA (Typ Castor THTR/AVR), falsch bemessene Moderatorstäbe in den Behältern vom Typ V/19, die die Neutronenabschirmung beeinträchtigen, Probleme mit der Restfeuchte, die langfristig zu Rostschäden und zu Undichtigkeit führen können und aktuell ein ordnungsgemäßes Beladen verhindern: Dies alles zeigt, dass die Genehmigung für Lagerung und Transport abgebrannter Brennelemente in Castor-Behältern gar nicht hätte gegeben werden dürfen.

Deshalb ruft die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" erneut bundesweit auf:

Wehrt Euch, leistet Widerstand! Stellt Euch dem Castor-Transport entgegen - egal, ob er im November oder später kommt! Kommt nach Ahaus oder tretet dem Transport an der Strecke entgegen! Verhindern wir den Castor, bevor er überhaupt losfährt!

Mehr Infos: http://www.bi-ahaus.de


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