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Recklinghäuser Zeitung, 23. September 2000

In Ahaus ist nichts mehr, wie es einmal war

Castor: Behrens schliesst Transporte in diesem Jahr aus - Polizei will lückenlosen Sicherheitsbeweis

von Michael Donhauser

Im beschaulichen Ahaus mit seinem mitteralterlichen Schloss ist seit zwei Jahren nichts mehr, wie es einmal war.

Im Maerz 1998 hatte ein Castor-Transport ins Brennelemente- Zwischenlager den Namen der 30000-Einwohner Stadt im westlichen Muensterland zum Synonym fuer die Konfrontation von Atomkraftgegnern und Staatsgewalt werden lassen. Jetzt stehen neue Transporte aus verschiedenen Kernkraftwerken an - und die Zusammenstoesse von Demonstranten und Polizei sind vorprogrammiert.

NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) hat allen Beteiligten allerdings etwas Luft verschafft: Transporte in diesem Jahr wird es nicht geben, schrieb er in einem Brief an den Ahauser Buergermeister Dirk Korte (CDU).

30000 Polizisten hatten 1998 den Zug mit Castor-Behaeltern durch mehrere Bundeslaender geleitet. In Ahaus wurden 640 Demonstranten festgenommen. "Wir glauben, dass es beim naechsten Transport wieder 30 000 Polizisten sein muessen. Das Protestpotential ist gewachsen", so der NRW-Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Norbert Spinnrad, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, sieht das aehnlich. "Es gibt keinen Transportkonsens."

Waehrend sich seine Sorgen vor allem um die Auseinandersetzung mit gewaltbereiten Atomkraftgegnern ranken, macht sich sein Kollege Wendt andere Gedanken: "Das Risiko der Strahlen- Sicherheit der Castor-Behaelter ist unkalkulierbar", sagt er. Seit in den Kernkraftwerken Biblis und Philipsburg beim Verladen undichte Behaelter auftauchten, sei die staendig latent vorhanden Angst der Beamten vor einem Einsatz in der Naehe radioaktiv strahlender Behaelter gewachsen: "Der Vertrauens-GAU ist da."

Tatsaechlich gibt die Situation in den Atomkraftwerken Raetsel auf. Die Betreiber stehen vor vollen Lagern, die abgebrannten Brennelemente muessen weg. Der geplante Bau von dezentralen Zwischenlagern in der Naehe der Meiler kommt nicht so recht voran. Die Betreiber wollen die Transporte so schnell wie moeglich auf den Weg schicken. Die Polizei will die Zuege aber nicht eher schuetzen, bis sie einen lueckenlosen Sicherheitsbeweis fuer ihre Beamten vorgelegt bekommt.

Wann es den Atomkraftwerken gelingt, die Nachweiskette zu schliessen, ist offen. Die Vereinbarung zwischen Bund und Atomgesellschaften sieht eine Frist zwischen Anmeldung und Transportstart von sechs Monaten vor. Aufgeschoben ist aber auch fuer den Ahauser Buergermeister nicht aufgehoben. "Machen wir uns nichts vor, die Transporte werden kommen. Wann auch immer", sagt Korte.


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