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Westfälische
Nachrichten - Gronauer Nachrichten, 25. September '99"Politik ist für mich eine Verpflichtung"Für Jürgen Goerke beginnt die fünfte Legislaturperiode
Seine politische Heimat fand der Hauptschullehrer in der gerade gegründeten Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), "ganz normale Leute, die zu Unrecht mit den Grünen in einen Topf geworfen wurden". Auf Anhieb erhielt er einen Sitz im Ahauser Rat. 20 Jahre ist das nun her, am 1. Oktober beginnt für den 61jährigen die fünfte Legislaturperiode als Ratsherr für die UWG und für Alstätte. Goerke, seit 1971 an der Alstätter Hauptschule tätig und über 15 Jahre Leiter des Katholischen Bildungswerkes, hatte sich schon länger mit Energiepolitik befasst und hielt den Weg weg von alternaiven Energien für falsch. Auch wusste der Vater von zwei damals noch kleine Kindern um die Gefahren, "die langen Halbwertzeiten und die unausgereifte Technik". Mit einem Bild illustriert der Lehrer für Mathematik, Physik, Chemie und Religion seine Bedenken: "Man schickt auch kein Flugzeug in die Luft, beovr man einen Landeplatz hat." Gemeinsam mit der Bürgerinitiative versuchte die UWG in langwierigen und teuren Prozessen die Einlagerung zu verhindern. Das gelang nicht. Rückblickend hält sich Goerke aber zugute: "Wir haben als einzige Gruppe den heutigen Ist-Zustand vorausgeahnt." Umweltpolitik blieb ein Interessenfeld des Alstäters. Im Rat setzt er sich für die Bezuschussung von Alternativenergien ein. Von ihm stammt die Anregung, Photovoltaikstrom, den Hausbesitzer in das Netz der Stadtwerke einspeisen, zu bezahlen. Er trug auch zur Einrichtung eines Wohngebietes mit Blockheizkraftwerk bei. Er bedauert zwar, "dass die Rolle der UWG für die Öffentlichkeit oft im Hintergrund bliebe, weil die letztendliche Entscheidung von der CDU-Mehrheit getroffen würde. Dennoch zeigt sich Goerke zufreiden: "Auf das Ergebnis kommt es an." Zweiter Schwerpunkt ist die Sozialpolitik. Seit 15 Jahren leitet Goerke den Sozialausschuss. Persönlich besonders betroffen waren er und seine Frau Rita, als Anfang der 90er Jahre 70 Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Kosovo in der Alstätter Turnhalle, nahe ihrer Wohnung an der Hochstraße, nach ihrem Eindruck, "eingepfercht" waren. Die Goerkes setzten sich für bessere Verhältnisse ein. Sie (und ihr Telefon) wurden bis spät in die Nacht Anlaufstelle für die Flüchtlinge. Rita Goerke und der Alstätter Verein "Familie in Not", den sie seit fast 25 Jahren leitet, halfen bei Problemen des Alltags, Alstätter spendeten Kleidung, der Kolpingverein veranstaltete eine Nikolausfeier. Jürgen Goerke bewirkte die Zusammenführung mehrerer Familien. Rita Goerke: "Die nannten meinen Mann 'Papa'." Auch heute noch: "Wir kriegen dankbare Anrufe und Briefe aus Jugoslawien, Makedonien und Albanien." Als im Rat Übelegungen angestellt wurden, die Asylbewerber mit fertig gepackten Lebensmittelpaketen zu versorgen, fand Jürgen Goerke das menschenunwürdig und wandte sich vehement dagegen. "Ich war für Schecks nach Gronauer Beispiel. Die Leute sollten sich selber kaufen können, was sie brauchen, die Pakete waren überteuert, enthielten viel zu wenig und oft verdorbene Ware." Ungern erinnert er sich an diese Zeit, als die Wogen hochschlugen und er sogar Drohbriefe mit rechtsradikalem Tenor erhielt. "Da habi ich manche Prügel eingesteckt. Aber der Rückhalt in der UWG und die Solidarität vieler haben mir geholfen." Viel Zeit und Kraft hat das gesellschaftliche Engagement ihn in den vergangenen 20 Jahren gekostet. Seine Hobbys Schachspielen, Radfahren und Schwimmen mussten zurücktreten. "Doch die Arbeit macht mir nach wie vor Spaß", betont der 61jährige. Nachdenklich wird er allerdings, wenn es um die gesellschaftliche Wirksamkeit seines Handelns und dem der UWG geht. Positiv wertet Goerke, dass sich eine politische Kultur entwickelt habe und mancher Argumententauch stattgefunden habe. Das schlechte Abschneiden der Partei bei den Kommunalwahlen sei allerdings ein Schlag gewesen, gesteht der Politiker ein. "Es ist schwer, die bisherigen Mitstreiter weiterhin zu motivieren, die undankbare Rolle von Politikern zu übernehmen, deren Einsatz in ihrer Bedeutung verkannt wird." Von Frustation könne aber keine Rede sein. Goerke: "Politik ist für mich Aufgabe und Verpflichtung. Ich würde das alles wieder genauso machen und baue auf ein Umdenken und die damit verbundene aktive Unterstützung durch die Alstätter, die uns gewählt haben und den Kopf nicht in den Sand stecken wollen."
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