Willkommen beim blickpunkt.september.99

inhalt.
Ausgabe vom 02. September '99

Was sie bewegte, was sie in Bewegung setzte
1979-1999: Unabhängige Politik wird 20
Wie glaubwürdig ist der (Noch-)Bürgermeister?
Die wundersame Wandlung des Dr.K.
"War da nicht was..."
Schlaglichter aus zwanzig Jahren
zitat.
Kinderfest vor der Stadthalle
Diskussion Bürgermeisterkandidaten
randnotizen.
BZA-Erweiterung, Hubert Wimber, Fast Drei Prozent
bauernregel.2
bauernregel.1
schlußpunkte.
Wüllenerinnen und Wüllener, wehrt Euch!
termine.
schlußpunkte.
Bildungslücken
4 Fragen an...
Annette Lange zur Frauenpolitik
bauernregel.3
Selbstbestimmt und unabhängig
Jugendparlament: Politik aktiv gestalten
lesepunkt.
Vorsorge
stichpunkt.
Jugendparlament
bauernregel.4
Unabhängig - entschieden für Ahaus
Die KandidatInnen der Unabhängigen Wählergruppe
zur Kommunalwahl am 12. September stellen sich vor
Die im blickpunkt.september.99 veröffentlichten Interviews aller KandidatInnen finden Sie im Internet-Angebot der UWG Ahaus.
impressum.



Hubert Kersting
41 Jahre
verheiratet, drei Kinder
Diplom-Volkswirt
Bürgermeisterkandidat der UWG Ahaus

Guten Tag,
Bundesfinanzminister Eichel erntet in letzter Zeit von fast allen Seiten Lob, weil er ein ehrgeiziges Sparprogramm durchsetzten will. Wie sieht vor diesem Hintergrund die Finanzlage der Stadt Ahaus aus?

In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der eigenen Steiereinnahmen vonüber 70% des Verwaltungshaushaltes auf fast 60% gesunken. Eine Verbeserung dieser Lage ist nicht in Sicht. Die Ausgaben sowohl im Verwaltungs- wie im Vermögenshaushalt sind für die nächsten Jahre mehr oder weniger festgelegt.

Ehrgeizige Investitionsprojekte im Straßenbau wie die Parallelstraße und die Nordtangente stehen an. Die Finanzierung steht im Kern. Konnte die Verschuldung im Jahre 1997 auf 39 Mio. DM gedrückt werden, ist bis zum Jahre 2002 eine Stegerung um fast 20 Mio. DM auf 58 Mio. DM fest eingelplatn. Die Pro-Kopf-Verschuldung soll um fast 50% steigen. Die Mittel zur Schuldentilgung sind dagegen festgefroren. Wie geht’s danach weiter? Ist von der CDU der mit dem Bau der zweiten BZA-lagerhalle verbundene warme Geldregen fest eingeplant? Begibt man sich leichtsinnigerweise tiefer in die finanzielle Abhängigkeit von den Überweisungen des BZA?

Die UWG ist konsequent nicht nur gegen das "Zwischen"lager oder seinen möglichen Ausbau, sondern auch gegen eine Finanzpolitik, die in eine höhere Verschuldung hineinführt. Verschuldne geht immer nur auf Kosten der zukünftigen Generation. Auch mehr Steuereinnahen durch höhere Grund- und Gewerbesteuersätze sind mit der UWG nicht zu machen. Eher müssen größere Investitionen verschoben werden, als daß die Stadt sich in eine finanzielle Zwangslage hineinmanövriert. Ausgeglichene Haushalte und die Verringerung der Verschuldung sind erklärte Ziele einer UWG-Finanzpolitik.

UWG-Politik heißt Bürgernähe. In diesem blickpunkt. vor der Kommunalwahl am 12. September erfarhen Sie mehr über die direkte Beteiligung der Bürger an den politischen Entscheidungen in unserer Stadt, für die sich UWG und die UWGjugend schwerpunktmäßig einsetzen: die Bezirksausschüsse der einzelnen Ortsteile als bürgernahe Ortsparlamente und das unabhängige Jugendparlament, in dem die Schüler und die Jugendlichen über ihre Anliegen selbst beraten und entscheiden.

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Spätsommer wünscht

Ihr Hubert Kersting

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Einige Attraktionen für die jüngere und jüngste Generation bot nicht nur der Kinder-Sonntagsspaziergang des Westmünsterland-Bündnisses mit Treckerparade, Malaktion und mehr. Kind du Kegel sind auch beim Kinderfest am 04. September genau richtig, wenn Unabhängige Wählergruppe und UWGjugend ihr 20jähriges Bestehen feiern. Ab 11 Uhr gibt’s auf der Wiese vor der Ahauser Stadthalle ein buntes Programm mit Spielen, Spannung und jeder Menge Überraschungen.

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termine.

Kinderfest von UWG und UWGjugend
mit buntem Programm für Kind und Kegel
Samstag, 04. September, ab 11 Uhr
Wiese vor der Stadthalle, Ahaus

www.tournee: Wat wählen wir?
UWGjugend und UWG-KandidatInnen informieren über Wahlrecht ab 16, Jugendparlament und Bezirksausschuß
im September in ihrem Ortsteil

Sonntagsspaziergang
Sonntag, 19. September, 14 Uhr
BI-Wiese, Ammeln

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randnotizen.
BZA-Erweiterung, Hubert Wimber, Fast Drei Prozent

Während ganz Deutschland in den letzten Wochen und Monaten über den Ausstieg aus der Atomenergie streitet und um Restlaufzeiten feilscht, gibt es in Ahaus-Ammeln scheinbar einen Betrieb, wo in den Vorstandsetagen die Zeichen der Zeit verkannt werden. Wie anders ist es zu verstehen, daß noch in der Wochenpost vom 21. Juli 1999 eine Anzeige der BZA geschaltet war, in der auf die Erweiterung der Atommülldeponie um ein Zwischenlager für sogenannte schwach- und mittel-radioaktive Abfälle verwiesen wird? Doch: Schon Michail Gorbatschow mußte erkennen: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben... !"

Nicht mehr nach Bonn, Berlin oder Düsseldorf brauchen enttäuschte AhauserInnen sich zu richten. Für Beschwerden und Kritik über konzeptloses Herumkungeln mit der Atomindustrie und andere Errungenschaften grüner Regierungsbeteiligung steht nun direkt vor Ort ein Ortsverein von Bündnis’90/Die Grünen zur Verfügung. Ob dies ein letzter Versuch der Ehrenrettung werden soll oder regierungstreue Konfliktmanager endlich im widerständischen Ahaus Fuß fassen wollen, der blickpunkt. weiß es nicht. Jürgen Trittin, Deutschlands derzeit unbeliebtester und wohl auch erfolglosester Minster ließ sich jedenfalls nicht lumpen und gleich von seinen Parteigenossen in die Ahauser Stadthalle holen, obwohl er noch kurz zuvor die Einladung von Bürgerinitiative und UWG zu einer öffentlichen Infoveranstaltung in Ahaus "aus terminlichen Gründen" leider ausschlagen mußte. Plötzliche "Terminänderungen" kennen wir schon aus dem letzten Jahr... Hatte auch jetzt möglicherweise Hubert Wimber seine Finger im Spiel?

Und noch ein Kaninchen hat die Abschaffung der 5%-Hürde aus dem Hut gelockt. Fast Drei Prozent lautet nicht nur das häufige Wahlergebnis, sondern auch der Name hinter der Abkürzung FDP. Diesmal muß sie ihrem Namen aber wirklich alle Ehre machen, sonst klappt’s nicht mit dem erhofften Sitz im Stadtrat. Bei der letzten Kommunalwahl reichte es ja nur zum Antreten der FNKDP (Fast Null Komma Drei Prozent).

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bauernregel.1

"Wenn das Huhn mit dem Eierlegen aufhört,
fühlt es sich wohl vom Atommüll gestört."

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Was sie bewegte, was sie in Bewegung setzte
1979-1999: Unabhängige Politik wird 20






Demokratischen Einfluß zurückgewinnen: Anti-AKW-Hüttendorf 1979 im Wendland
Ahaus. Vor zwanzig Jahren trat die Unabhängige Wählergruppe erstmals bei einer Kommunalwahl in Ahaus an. Mit ihrem Gegenentwurf verantwortungsbewußten Handelns hat sie Bewegung gebraht in die Kommunalpolitik. Was aber unterscheidet nun die UWG von den Parteien? Die Gründe für das Entstehen einer unabhängigen Liste in Ahaus scheinen auf der Hand zu leigen, trat doch allein die UWG 1979 in Ahaus für den Stop der Atomenergie und des geplanten Atommüllagers ein und hoffte somit Hand in Hand mit der zwei Jahre zuvor entstandenen Bürgerinitiative deren Ziele auf parlamentarischer Ebene zu verwirklichen.

Dabei war das BEZ jedoch genausoweing alleiniger Anlaß wie Ahaus ein Einzelfall gewesen wäre. Vielmehr vollzog sich in den 70er Jahren ein breiter - ökologischer - Bewußtseins- und Wertewandel, im Laufe dessen sich weite Teile der bundeseutschen Gesellschaft bewußt wurden, daß die Grnezn des Wachstums des modernen Industriestaates erreicht waren. Deutlichster Ausdruck des Unbehagens gegenüber Parteien- und Verbändestaat und seinen Fortschrittsversprechen war die neue Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung, die sich auch in Ahaus formierte. Unkonventionell und pragmatisch schlossen sich zahlreiche Bürger so in Gruppen und Initiativen zusammen, um ihren gemeinsamen Wunsch nach einem Ausstieg aus dem Atomprogramm auszudrücken sowie gleichzeitig ihre Ablehnung zu äußern gegnüber einer rein technokratischen Entwicklung.

Das damalige Mißtrauen kam nicht von ungefähr: Der seit 1955 gezielt von Bundesregierung und Industrie betreibene Aufbau der Atomenergie wurde an der Bevölkerung vorbei vollzogen. ein Eingreifen des Budnestages in die ersten Atomprogramme war weder möglich noch erwünscht, so daß ein kontrollierendes oder korrigierendes Eingreifen praktisch nicht stattfand.

Diese Rolle übernhamen dagegen nun die Bürger selbst auf teilweise ganz neuen Wegen: Auf den Bauplätzen, vor Gerichten oder in den Parlamenten versuchten sie die völlig von ihnen abgekoppelten Entscheidungsprozesse zu beeinflussen. Für den letztgenannten Weg entschied sich am Schauplatz Ahaus die UWG, nicht ohne an der Seite viler weiterer Gruppen und Initiativen auf vielfältige Weise für die Rückgewinnung von Einfluß- und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bürger zu streiten.

Wenn auch die Ahauserinnen und Ahauser vor allem atompolitisch von ihrer Stadt vor vollendetet Tatsachen gestellt wurden, so war und ist das UWG-Prinzip "Bürgerwille hat Vorfahrt" nicht allein auf den Konflikt um das Ammelnner Atommüllager bezogen. Es fordert vor dem Hintergund von Ohnmachtserfahrungen gegenüber Verwaltungen und Entscheidungsträgern eine gleichberechtigte Mitbestimmung in allen Lebensbereichen, egal, ob am Arbeisplatz oder bei der Bauleitplanung in der Nachbarschaft. In Formen basis- und direktdemokratischer Partizipation sollen die Menschen dort entscheiden, wo sie selbst unmittelbar betroffen sind. Die Ideen und Forderungen aus den 70er Jahren sind auch heute noch aktuell: Wo Parteien versagen oder befangen sind, bedarf es unabhängigen Einspruchs.

Wo zukunftsprägende Entscheidungen von Aufsichtsräten oder Verwaltungsbürokratie unter Koalitions- und Fraktionszwängen und nicht vom Bürger getroffen werden, bleiben bürgerschaftliches Engagement und Zivilcourage genauso unerläßlich wie eine selbstbestimmt, unabhängige Politik, egal ob in Sachen Atomausstieg oder in der kommunalen Verkehrs- und Flüchtlingspolitik.

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"War da nicht was..."
Schlaglichter aus zwanzig Jahren

1979 Die UWG erreicht bundesweites Aufsehen für ihren Einzug in den Stadtrat mit 25 % der Stimmen
1980 Bürgerbefragungen der UWG zur Gestaltung der Ahauser Wohngebiete
1981 Raummangel in der Jugendarbeit und Verkehrsberuhigung sind UWG-Themen
1985 BEZ-Baustopp nach erfolgreicher Klage von Bauer Lenting bis 1988
1988 Die UWG setzt sich für ein Frauenhaus und bei Aktionen gegen Tiefflüge ein
1992 Beginn der Einlagerung von Atommüll aus dem Reaktor Hamm-Uentrop
1993 Vertrag von Stadt und BZA: 160 Mio. DM für die Erweiterung
1994 Beginn der monatlichen Sonntagsspaziergänge am Atommüllager
1996 Endlich: Kostendeckende Einspeisevergütung für Solarstrom kommt
1998 Castor-Transport erreicht unter Umgehung des Demonstrationsrechtes und massiver Polizeigewalt Ahaus

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4 Fragen an...
Annette Lange zur Frauenpolitik


Annette Lange

35 Jahre, in Kürze verheiratet
Diplom-Sozialarbeiterin
seit 1994 jüngste Ratsfrau im Ahauser Stadtrat

Aus der katholischen Jugendarbeit kommend, hat Annette Lange in den letzten Jahren in der Ahauser Jugend- und Familienpolitik Akzente setzen können. In unserem Interview zieht sie eine Bilanz und gibt einen Ausblick in Sachen Frauenpolitik.

blickpunkt: Sie sind nunmehr seit 13 Jahren in der UWG aktiv und seit 5 Jahren im Ahauser Stadtrat. Wie sind Ihre Erfahrungen als Frau in der Politik?

Annette Lange: Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Frauen Politik zunächst einmal ganz anders definieren als Männer und ein anderes Politikverständnis haben. Sie sind oft zurückhaltender, weil sie sich weniger zutrauen als sie wirklich können, aber auch kooperativer. Im Gegensatz dazu gelingt es ihnen vielmals besser, ihre Interessen und Anliegen durchzusetzen. Leider sind Frauen häufig auch abhängiger von familiären Bindungen, die es ihnen nicht oder nur schwer ermöglicht, politisch tätig zu werden. Ich halte diese Tatsache für ein Manko, da Frauen auch in der Kommunalpolitik unentbehrlich sind. So würden Frauenbelange und Familieninteressen zudem die Berücksichtigung finden, die sie verdienen.

blickpunkt: In welchen Bereichen der politischen Arbeit liegen Ihre Schwerpunkte?

Annette Lange: Mein besonderer Schwerpunkt in den 13 Jahren UWG-Politik lag, aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit als Sozialarbeiterin, immer in den Bereichen Jugend-, Familien und Frauenpolitik. Weiterer Anlaß, gerade in der UWG tätig zu sein, war und ist die diffuse Umweltpolitik der Stadt Ahaus und der CDU in punkto BZA , deren Ausmaß und Risiko für die Ahauser nicht zu ermessen ist Ebenfalls liegt mir die momentane Handhabung der Stadtverwaltung in bezug auf die Asylbewerbersituation und deren Umgang damit (Shopsystem etc.) quer im Magen.

blickpunkt: Welches politische Ziel ist Ihnen, gerade im Bereich der Frauenpolitik, wichtig?

Annette Lange: Seit Jahren hat die UWG dafür gekämpft, daß für Ahaus eine Stelle für Gleichstellungsfragen und -belange geschaffen wird. Die Stadtverwaltung und auch die CDU sträubte sich jedoch mit Vehemenz. Vor einiger Zeit mußten jedoch auch diese, durch die gesetzliche Verankerung von Gleichstellungsstellen, einsehen, daß diese auch für Ahaus notwendig ist. Seit dieser Zeit wird durch Frau Großmann (Soziologin) mit einer halben Stelle gute Gleichstellungsarbeit geleistet und es ist bereits vieles im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Veränderungen (Befragung zu und Abbau von Angsträumen) angestoßen. Es müßte jedoch für Ahaus mehr geschehen, deshalb ist es Ziel meinerseits den Stellenumfang auf eine ganze Stelle zu erweitern um hier einen gemeinsamen Dreh- und Angelpunkt auch im Bereich der Frauenpolitik zu erhalten.

blickpunkt: Was würden Sie sich für die Zukunft der Ahauser Kommunalpolitik wünschen?

Annette Lange: Was auch heute noch enorm reizt, mich politisch zu engagieren, ist das "Sich Einmischen" in eine verkrustete Ahauser Kommunalpolitik der CDU, die ich persönlich seit langen Jahren für dringend erneuerungsbedürftig halte. Dabei ist es mir ein großes Anliegen, Ziele und Veränderungen an den wirklichen Bedürfnissen der Ahauser Bevölkerung zu orientieren und diese an Entscheidungen konkret zu beteiligen. Mein Ziel und großer Wusch ist es deshalb, bei der Kommunalwahl im September die politische Mehrheit der CDU zu kippen, damit es gelingt, eine gute und gerechtere Familien-, Senioren-, Jugend-, Frauen- und Umweltpolitik für die Bürger unserer Stadt zu gestalten.

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Selbstbestimmt und unabhängig
Jugendparlament: Politik aktiv gestalten


Mit dem Jugendparlament sollen Jugendliche selbstbestimmt und unabhängig die Jugendpolitik in Ahaus mitbestimmen.

Ahaus. Weite Teile des Politik-Establishments beschweren sich in schlagwortartiger Manier über "Politikverdrossenheit" bei der Jugend und auch in Ahaus wird von einigen CDU-Kommunalpolitikern eine "desinteressierte und demotivierte Jugend" ausgemacht. Soziologische Untersuchungen haben hingegen ergeben, daß die vielzitierte "Politikverdrossenheit" nicht von einer "keine Lust-Generation" stammt. Im Gegenteil: Das Interesse und Bedürfnis, sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen ist gerade bei der jungen Generation groß. Nur möchten sich viele Jugendliche nicht an den demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen beteiligen, da ein tiefes Mißtrauen und Unverständnis gegenüber den etablierten Parteien und den Politikern besteht: Die "Politikverdrossenheit" ist deshalb in Wahrheit eine Parteien- und Politikerverdrossenheit. Symbolisch hierfür sind Sprüche wie "wir können ja eh nichts ändern" oder "die da oben machen so oder so was sie wollen".

In der Situationsanalyse "Jugend und Jugendarbeit in Ahaus" ist nachzulesen, daß es auch in Ahaus "Ohnmachtsgefühle gegenüber der Kommunalpolitik gibt und, daß Jugendliche den Eindruck haben, daß über ihre Köpfe hinweg bestimmt wird". Dies ist nicht unbegründet, denn noch immer entscheiden in Fragen der Jugendarbeit in Ahaus Erwachsene über Jugendliche. Die nur sporadisch, alle paar Jahre stattfindene Jugendkonferenz "Sach Watt" hat dabei zunehmend nur noch Alibi-Charakter ohne eigene Rechte und Kompetenzen. Trotz intensiver und guter Vorbereitung durch das Jugendamt sind die Teilnehmerzahlen in Ahaus rapide gesunken. Dieses stark reglementierte "Schaulaufen" der Jugendlichen vor den Kommunalpolitikern hat nach Ansicht von UWG und UWGjugend dringend frischen Wind nötig.

Um eine vernünftigere und transparentere Jugendpolitik zu schaffen, strebt die UWG deshalb die Einrichtung eines Jugendparlamentes an, das Jugendliche selbstbestimmt und unabhängig über ihre Anliegen entscheiden läßt. Das mit einem eigenen Budget ausgestattete Jugendparlament bietet so eine Form direkter Demokratie: Diejenigen entscheiden, die auch von den Entscheidungen betroffen sind.

Die CDU Ahaus möchte offensichtlich jedoch nichts von ihrer Macht an die Bevölkerung übertragen. Sie will weiterhin allein und autoritär ihre Entscheidungen treffen und diese dann herunterverwalten. Die Junge Union erklärte so bereits, daß sie das Jugendparlament ablehnt. Kein Wunder - wenn es nach der Parteiprogrammatik der CDU auf Landes- und Bundesebene ging, dürften die 16 und17jährigen bei der Kommunalwahl am 12. September überhaupt nicht wählen, da sie von der CDU immer noch als "unmündig" angesehen werden. Wer für mehr Mitbestimmung der Jugend in Ahaus ist, muß am 12. September UWG wählen.

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stichpunkt.
Jugendparlament

selbstbestimmte Entscheidungen der Jugendlichen über ihre Angelegenheiten
Vernetzung und Koordination der Aktivitäten der Jugendheime, Schulen, Vereine und Gruppen
z.B. Herausgabe eines Jugendkulturkalenders

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Wie glaubwürdig ist der (Noch-)Bürgermeister?
Die wundersame Wandlung des Dr.K.


Dr. "Pinoccio" Korte: Der richtige Bürgermeister?







20. März 1998: "Tag X" – der Castor kommt. Ahaus gleicht einer besetzten Stadt. Tausende von Polizisten in Kampfuniform schützen den Transport. Wogegen?

Gegen mehrere Tausend Menschen aus Ahaus und Umgebung, aus dem Münsterland und dem übrigen Nordrhein-Westfalen, ja aus dem ganzen Bundesgebiet. Sie alle stellen sich quer. Weil sie wissen, dass der Transport überflüssig ist: Gundremmingen z.B. hat noch Lagerkapazitäten für 7 Jahre. Weil sie wissen, daß der Transport als eine politische Machtdemonstration gegenüber der Bevölkerung durchpeitscht wird. Weil sie zumindest ahnen, daß von ihm Gefahr ausgeht - auch wenn sie noch nicht wissen können, was wenige Wochen später bekannt wird: 3 der 6 Behälter, die von der Polizei ins BZA geleitet werden, sind kontaminiert. Die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung sind weit überschritten. Der Transport erweist sich damit im Nachhinein auch als illegal.

Dennoch: Hunderte von Menschen, die friedlich auf den Gleisen sitzen und gewaltfreien Widerstand leisten, werden ohne richterliche Erlaubnis in Polizeigewahrsam genommen und bis zu 18 Stunden festgehalten. Sie werden darüber hinaus teilweise mit Bußgeldern belegt. Einige, die sich an den Schienen festgekettet haben, erhalten darüber hinaus Strafbefehle. Ihnen allen gilt unser Respekt. Sie haben persönliche Nachteile bewußt in Kauf genommen, um gegen politisches Unrecht anzugehen. Ihre Zivilcourage nutzt uns allen. Ihr Widerstand war moralisch gerechtfertigt.

Aber auch, wer sich selbst nicht an Protestaktionen beteiligt hat, konnte am Tag X spüren, was "Staatsgewalt" auch heißen kann:

Selbständige und Beschäftigte werden an der Zu- und Abfahrt zu Gewerbebetrieben gehindert, teilweise obwohl sie Passierscheine haben. In einzelnen Fällen werden ihnen Schläge angedroht.
Landwirte müssen mit ansehen, daß auf ihren Grundstücken Zäune gezogen werden, obwohl sie dazu keine Zustimmung gegeben haben. Berittene Polizei zertrampelt rücksichtslos Felder.
Anwohner der Wohngebiete östlich der Bahnlinie können zum Teil nicht in ihre Häuser gelangen oder diese verlassen.
Kinder können nicht zur Schule, weil keine Busse fahren oder ein Durchkommen nicht möglich ist. Aber die Schulbehörden bestehen darauf, daß Unterricht stattfindet.

Ahaus - eine Stadt im Ausnahmezustand., auf die an diesem Tag das Interesse der ganzen Republik gerichtet ist. Ahaus - eine Stadt, in der die Empörung der Menschen nie so groß war wie an diesem Tag. Ahaus - eine Stadt, in der sich plötzlich viele Menschen miteinander solidarisch fühlen, die sich vielleicht vorher kaum kannten. Und auf einmal scheinen auch alle diejenigen gegen Castor-Transporte zu sein, die jahrelang die Ansiedlung des BZA gefördert haben. So auch der inzwischen von der CDU zum Bürgermeister gewählte Dr. Korte. Für ihn sind Szenen wie am 20.3. für Ahaus "nicht mehr zumutbar".

Wer die Ahauser Kommunalpolitik über die Jahre verfolgt hat, reibt sich verwundert die Augen: War das wirklich der gleiche Dr. Korte, der jahrelang den Bau des BZA und später sogar einer zweiten Lagerhalle befürwortet hatte ? Der Seite an Seite mit dem ehemaligen Stadtdirektor Dr. Jünemann die Ansiedlungsverträge mit dem BZA ausgehandelt und im Rat in Kampfabstimmungen durchgesetzt hatte ? Der für Kritiker der Atommüll-Lagerung in Ammeln nur Hohn und Spott übrig hatte ?

War der "Tag X" etwa das "Damaskuserlebnis" des Dr.K., die Wandlung "vom Saulus zum Paulus"? Oder war es doch nur der bevorstehende Wahlkampf, der ihn bewegte ? Schließlich muß sich Dr.K. im September als erster Bürgermeister einem Votum der Wähler stellen - und wie deren mehrheitliche Einstellung zu weiteren Castor-Transporten ist, war nach den Ereignissen des 20.3. jedem klar! Vielleicht tun wir Dr.K. unrecht. Denn: muss nicht jeder die Chance erhalten, seine Meinung zu ändern? Ja, sicher! Und niemand würde sich mehr freuen als die UWG, wenn sich Dr. Korte demnächst engagiert gegen Castor-Transporte einsetzen würde - gemeinsam mit der Bürgerinitiative, gemeinsam mit den vielen kirchlichen Verbänden, gemeinsam mit den Landwirten und anderen - ach, wäre das schön! Aber glauben tun wir’s, ehrlich gesagt, nicht. Und wenn doch: Muss Dr. K. deswegen gleich Bürgermeister sein?

Wer als Bürgermeister die Ahauser Interessen gegenüber Bonn und Düsseldorf mit Erfolg vertreten will, muß vor allem glaubwürdig sein. Wer aber Ansiedlungsverträge mit BZA und dem Land abschließt, wer Geldzahlungen in Millionenhöhe dafür annimmt, daß die Stadt Bau und Betrieb des BZA keine Steine in den Weg legt - der ist nicht glaubwürdig, wenn er jetzt auf einmal nicht mehr will, daß das BZA auch gefüllt wird!

Deshalb: Ahaus braucht einen Bürgermeister, der gegen weitere Castor-Transporte ist und der dies aufgrund seiner eigenen Vergangenheit glaubwürdig nach außen vertreten kann !

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zitat.

(Läuft alles wie geschmiert...)

"Ich bin eigentlich immer überzeugt gewesen
und bin das nach wie vor,
daß das Zwischenlager von der Technik her
beherrschbar ist und damit auch verantwortbar."

(Dr. Korte im WDR-Interview wenige Tage vor dem Castor-Transport)

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In den Ring der Stadthalle stiegen am 12. August die vier Bürgermeisterkanidaten von CDU, UWG, SPD und Grünen auf Einladung der Bürgerinitiative. Hübert Kersting (UWG) kündigte an, auch beim nächsten Tag X wieder dort zu sein, "wo’s brennt", während Andreas Dönnebrink (SPD) den polizeilichen Wasserwerfern gleich das Wasser abstellen will und Dr. Korte eine Mitverantwortung für die Ansiedlung des BZA von sich wies.

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bauernregel.2

"Eher badet die Kuh im Wasserkanister
als daß den Ausstieg regelt ein Umweltminister."

Die blickpunkt.Redaktion sammelt weiterhin Ihre neuen Bauernregeln. Sammeln Sie mit.

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schlußpunkte.
Wüllenerinnen und Wüllener, wehrt Euch!


Wüllen wurde während der kommunalen Gebietsreform von Ahaus gewaltsam besetzt.

Aus dem Nichts tauchte er auf, Hermann-Josef Haveloh, quasi der "Robin Hood" der entrechteten Wüllener, die seit langem unter der Besatzung durch die Stadt Ahaus schwer zu leiden haben. Nicht länger wird es einem Wüllener zugemutet werden müssen, die Qual der unzumutbaren Wegstrecke von Wüllen nach Ahaus von ca. 2000 Metern in Kauf nehmen zu müssen. Und was Ahaus recht ist, muß Wüllen billig sein und so wird sicher schon in Kürze in Wüllen ein eigenes Jugendkulturcafé entstehen, am besten mitsamt eigenem Bahnhof. Ist doch Logo, oder was?

Auch wächst jetzt endlich wieder zusammen, was sich die Ahauser auf ihrem als "kommunale Neugliederung" getarnten Raubzug damals unter den Nagel rissen: Das Scharfland muß wieder Wüllen werden, keine Frage, Wüllen verlangt seine Ostgebiete wieder zurück. Wir reiben uns die Augen, lesen nochmals und nochmals den Bericht in der Münsterland Zeitung und stellen uns immer wieder die gleiche Frage: Kandidiert Hermann Josef Haveloh nun für den Satdtrat der Stadt Ahaus, pardon, des Dorfes Wüllen, oder hat er nur rechtzeitig seinen Hut in den Ring werfen wollen als Kandidat für den Prinzen der nächsten Karnevalssaison in Klein-Köln? Versteckt sich hinter "Wüllen unser Dorf" etwa der designierte Elferrat? Macht Wüllen die kommunale Gebietsreform wieder rückgängig und erklärt sich unabhängig?

Jetzt wird sich in Wüllen ersteinmal amüsiert, da müssen wir haveloh zustimmen, denn amüsant sind seine Vorstellungen auf jeden Fall. Also: Wüllenerinnen und Wüllener, wehrt Euch! Die Ahauser nehmen Euch die Liegeplätze im Freibad weg! Helau!

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schlußpunkte.
Bildungslücken

Bildungslücken, so breit wie Strohballen, sollen laut "Stern"-Studie in den Köpfen deutscher Schüler klaffen. Der "Spiegel" testet entsetzt die verkümmerten Reste des Hochschulwesens und ängstlich fragt der "Focus": "Wie klug sind die Deutschen?" An Ahaus, der Schulstadt schlechthin, schien die Bildungsmisere bisher vorbeigegangen zu sein. Bis zu jenem Tag, an dem Jens S., Vorsitzender und Ratskanidat der Jungen Union, den CDU-Fernseh-Wahlkampf startete. In der Quiz-Show "Jeder gegen jeden" des Privatsenders Pro7 wollte der Einser-Abiturent eines bischöflichen Privatgymnasiums Wissen und Wortgewandtheit demonstrieren. ABI-Team, die Abiturzeitung der Canisius-Schlue, schnitt mit und offenbarte uns Wissensbestände, so ller wie die blaue Tonne nach der Müllabfuhr und einen schindsuchtartigen Verlust von Algemeinbildung, der selbst die jungen Wissenseliten unserer Stadt bereits in fortgeschrittenem Studium befallen zu haben scheint. Doch fassen wir uns selber an den (Holz-)Kopf und testen wir unseren eigenen Bildungsnotstand. Hier Fragen und Antworten des Rats- und Ratekandidaten:

Frage 1: "Welchem Element ist der Steinbock zugeordnet?" Nein, es ist nicht die Luft, schließlich können Steinböcke ja nicht fliegen. Richtige Antwort: Erde. Nun gut , nicht jeder Schüler ist Hobbyastronom, Frage 2 hätte jedoch mit elementarem Grundwissen der deutschen Literaturgeschichte problemlos beantwortet werden können: "Warum wurden Konrad im Struwwelpeter die Daumen abgeschnitten?" Klar, wegen des Daumenlutschens. Aber nicht nur der Lehrplan im Fach Deutsch wird wohl um diesen Klassiker des pädagogisch wertvollen Kinderbuches ergänzt werden müssen. Jüngere deutsche Geschichte kommt an Ahauser Gymnasien offensichtlich gar nicht mehr vor. Frage 3: "Welcher spätere Bundeskanzler der SPD gründete 1936 in Berlin als angeblicher norwegischer Student Gunnar Gasland eine Untergrundorganisation?"

Vielleicht ist die politische Arbeit Willy Brandts noch nicht bis an die Canisius-Schule gedrungen, vielleicht kennt der CDU-Nachwuchs einfach keine anderen SPD-Politiker: Gerhard Schöder sieht mit seiner Politik zwar oft ziemlich alt aus, hat aber definitiv nicht acht Jahre vor seiner Geburt in Berlin eine Untergrundorganisation gegen die Nazis gegründet.

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bauernregel.3

"Ob Bauer, die Kuh, das Rind oder Schaf
bei Agenda 2000
wird jeder aufbrausend
und keiner bleibt brav."

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lesepunkt.
Vorsorge

Vorsorge

Vorsorglich wird behauptet:
Ihr könnt sorglos sein!

Versorgt werden muß das Volk
sorgsam mit Informationen
über die Unverzichtbarkeit der Atomenergie
und die Harmlosigkeit von Atomtransporten.

Entsorgt werden
können bloß die Steuerzahler.

Nur ein sorgloser Bürger
ist ein braver Untertan!

Und wer ein Sorgenkind bleibt
für den Staat
dem besorgt es die Polizei
sorgfältig
mit Schlagstöcken und Wasserwerfern.

Der Staat beruft sich dann
auf sein (Ent-)Sorgerecht.

Susanne Rafael

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bauernregel.4

    "Fängt das Huhn auf dem Gleise leise
     an mit dem Brüten,
     will es wohl den Castor verhüten."

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impressum.

Herausgeber: Unabhängige Wählergruppe Ahaus e.V.
Redaktion blickpunkt.
Schmalenstrothstr. 23, 48683 Ahaus
Verantwortlich: Dieter Homann
Redaktion: Annette Bruns-Schmeing, Corinne Heaven, Ulf Kemper, Frank Kirchhoff
Karikaturen: Hilmar Lange
Fotos: Heinz Duttmann
Layout: Jörg Mühlenhoff
Spendenkonto: Volksbank Ahaus, KontoNr. 608 205 100

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