UWG-Position,
01. März 2001
Stellungnahme zum Haushaltsplan 2001 der Stadt Ahaus
von Dieter Homann, UWG-Fraktionsvorsitzender
>allgemeines. >finanzen. >stadtentwicklung. >schulen.
>soziales. >kinder und
jugendliche. >abfall. >bza. >fazit.
"Unser Weg wird zwar steiniger, bleibt aber
insgesamt noch gut gehbar.", mit diesen Worten beschreibt Kämmerer Althoff die
Finanzbasis des vorgelegten Haushaltes für 2001. Bei den geplanten Großprojekten,
insbesondere in den Bereichen Stadtentwicklung und Schulen, die weit über das Jahr 2001
hinaus wirken, gilt es daher, festes Schuhwerk zu tragen, um den Weg auch in Zukunft zu
bewältigen und nicht ins Stolpern zu geraten.

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Die Gewerbesteuereinnahmen in Ahaus haben sich
erfreulicherweise in den letzten zwei Jahren auf einem hohen Niveau eingependelt, wobei
wir durchaus dem Kämmerer zustimmen, dass wir diese nicht unbedingt als feste Größe
für die folgenden Jahre annehmen können. Daher gilt es nach Ansicht der UWG-Fraktion,
neue Einnahmequellen zu erschließen. Da diese wohl kaum durch neue Zuweisungen vom Bund,
Land oder Kreis zu erwarten sind, andererseits aber auch Steuer- bzw. Gebührenerhöhungen
nicht die richtigen Instrumente sind, plädieren wir für eine konsequente Sparpolitik, um
auch in den kommenden Jahren einen ausgeglichenen Haushalt präsentiert zu bekommen. Wir
haben soeben dem Antrag des Herrn Löhring nicht zugestimmt, alle Haushaltstitel mit
freiwilligen Leistungen mit einer Haushaltssperre von einem Prozent zu versehen, da wir
eine Sparpolitik nicht mit dem Rasenmäher vornehmen können. Jedoch sollten wir alle
vorgesehenen Ausgaben in diesem Jahr auf den Prüfstand stellen und uns auch dann, wenn es
manchmal unbequem ist, zum Sparen zwingen.
Wenn auch die Kreisumlage im Jahre 2001 nicht in dem Maße zu Buche
schlägt wie in den Vorjahren, was nicht zuletzt auf die Neuregelung im Bereich der
Sozialhilfe zurückzuführen ist, so hätte sich der Kreis, und hier insbesondere die
Mehrheit im Kreistag, durchaus dem Votum der Kreis-UWG anschließen und den Hebesatz für
die Kreisumlage um mindestens weitere 0,5 Punkte senken können. Nach Ansicht unserer
Fraktion gibt es keinerlei plausiblen Gründe dafür, dass sich der Kreis auf Kosten der
Städte und Gemeinden entschuldet, während diese immer stärker belastet werden.

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Mit der Innenstadtsanierung einerseits und der
Umsetzung des städtebaulichen Konzeptes des BSG-Geländes andererseits sind zwei wichtige
Entwicklungsmaßnahmen der Stadt Ahaus auf den Weg gebracht worden, die uns wohl über
diese Legislaturperiode hinaus beschäftigen werden. Eine sorgfältige Abstimmung der
Nutzung muß dabei oberste Priorität einnehmen, damit bei der Planung des BSG-Geländes
kein konkurrierendes Zentrum für die Innenstadt entsteht.
Bei diesen Großprojekten sollten wir nicht nur alles daran setzen,
Einvernehmen im Rat und den Ausschüssen zu erzielen, sondern alle wesentlichen
Entscheidungen in enger Abstimmung mit der betroffenen Bevölkerung zu treffen. Nur so
kann gemeinsam eine Innenstadtsanierung erfolgreich entwickelt werden.
Als ein weiteres Herzstück Ahauser Stadtentwicklung sieht die
UWG-Fraktion die nun geschaffene Möglichkeit, Wohnbaugelände zwischen Ahaus und Wessum
zu erschließen. Der in diesem Bereich getätigte Grundstückskauf wird sich zwar über
einige Jahre im Etat niederschlagen, bringt jedoch für die jetzigen und zukünftigen
Bewohner eine deutliche Erhöhung der Wohnqualität mit sich.
Gleichzeitig möchten wir aber auch deutlich darauf hinweisen, dass die
großzügige Ausweisung von Wohnbauflächen nicht mehr länger mit dem Tempo der
Vergangenheit fortschreiten kann. So ist nun stärker auf die Erschließung der
Restflächen hinzuwirken. Die Ausweisung zukünftiger Flächen ist strenger am Bedarf
auszurichten, nicht am vom sehr günstigen Grundstückspreis initiierten Zuzugsdruck.

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet
die Fraktion der UWG die Entwicklungen im Bereich der Schulen der Stadt Ahaus:
Von meinem Fraktionskollegen Hubert Kersting vor gut einem Jahr angeregt,
bedeutet das Konzept Schulen ans Netz "E-nitiative@haus" in diesem und den
Folgejahren eine enorme Kraftanstrengung: sowohl für den städtischen Haushalt in Heller
und Pfennig oder demnächst in Euro und Cent, aber sicher ebenso für alle beteiligten
Schulen und Lehrkräfte bei der konzeptionellen Ausgestaltung. Ist es auch noch ein weiter
Weg, bis die ABC-Schützen der Marienschule mit den Abiturienten des Hegius-Gymnasiums
vernetzt sein werden, so ist nun der Weg für ein zukunftsfähiges Informationszeitalter
geebnet. Hier wird die Stadt Ahaus ihrer Funktion als Schulstadt nicht nur gerecht,
sondern nimmt landesweit eine Vorbildfunktion ein. Voraussetzung dafür ist jedoch auch
eine optimale Ausbildung der Lehrkräfte, mit der zwar schon begonnen wurde, unserer
Meinung nach jedoch noch der Ergänzung bedarf. Erforderlich wäre in diesem Zusammenhang
über ein Feedback zu erkunden, ob die Lehrkräfte den erreichten Ausbildungsstand als
ergänzenswert ansehen oder nicht.
Mit Besorgnis beobachtet die UWG-Fraktion die Übergangsquoten von den
Grundschulen zu den weiterführenden Schulen, bei der der eindeutige Trend zu den
Realschulen und auch zur Alstätter Gemeinschaftshauptschule in naher Zukunft sowohl diese
Schulen erneut vor räumliche Kapazitätsprobleme stellen als auch die zu befürchtenden
"Rückläufer" mit ihrem schulischem Einbruch den Teufelskreis noch weiter
ankurbeln werden. Diese Situation ist weder für die Schüler noch für den
Bildungsauftrag der Haupt- und Realschulen zu verantworten. Mit Klassenstärken von bis zu
35 Schülern an den Realschulen werden diese immer mehr zu einer Wissensfabrik, wobei viel
mehr eine an den individuellen Bedürfnissen der Schüler ausgerichtete Pädagogik
notwendig wäre. Hier gilt es, dass die Stadt Ahaus als Schulträger gemeinsam mit den
betroffenen Schulen Konzepte entwickelt und Maßnahmen ergreift, um diesem Trend
entgegenzusteuern. Der bislang in Industrie und Handwerk gute Ruf der Ahauser Hauptschulen
darf nicht weiterhin aufs Spiel gesetzt werden, sondern der bisherige hohe Stellenwert
muss mit Hilfe der Politik und in Absprache mit den betroffenen Schulen verteidigt werden.
Als positiv, aber auch dringend erforderlich, sehen wir den Neubau der
Sporthalle für die Anne-Frank-Realschule, womit gleichzeitig der Grundstein für die
notwendige Erweiterung der Realschule gelegt wurde. Seit Einrichtung der
Anne-Frank-Realschule hat diese sich immer wieder mit Provisorien beholfen, wobei auch die
Einrichtung der Realschule "Am Vestert" nur kurzfristig für eine Entspannung
sorgen konnte. So sollte nun der Erweiterungsbau in einer Weise geplant und umgesetzt
werden, dass die Anne-Frank-Realschule ausreichende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen,
um ihrem Bildungsauftrag gerecht werden zu können und nicht schon in kurzer Zeit über
neue Behelfslösungen nachgedacht werden muß.
Die UWG-Fraktion bedauert es, dass die Mehrheitsfraktion ihrem Antrag auf
Einrichtung einer Haushaltsstelle für die Ausweisung von Schulsozialarbeit nicht gefolgt
ist. Die Situation an den Ahauser Schulen, die immer mehr einem drohenden Pulverfass
gleicht, unterstreicht die Notwendigkeit der Einrichtung dieser Stellen. Daher sollte die
Stadt Ahaus auch in diesem Bereich Mut zur Innovation zeigen, um an Ort und Stelle sowohl
Schülern und Lehrkräften präventiv helfen zu können. Eine Kosten-Nutzen-Analyse
dürfte schon kurzfristig beweisen, dass sich die vorgeschlagenen Investitionen, nicht
zuletzt im Jugendhilfeetat, auszahlen werden.

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Im Bereich der Sozialhilfe begrüßt die UWG-Fraktion
die neue Kostenverteilung auf den Kreis und die Städte ausdrücklich: Sie führt zu einer
Kostenreduzierung in erheblichem Umfang, was auch wir nicht zuletzt auf das rechtzeitige
Engagement der Stadt Ahaus für den Bereich "Arbeit statt Sozialhilfe"
zurückführen. Neben der finanziellen Entlastung für die Stadt Ahaus sehen wir hierin
jedoch als besonders hervorzuheben, dass hier zahlreiche Menschen wieder in den
Arbeitsprozess integriert wurden und diese hiermit erheblich an Lebensqualität gewonnen
haben. In diesem Jahr wird das finanzielle Ergebnis zwar durch den Härteausgleich noch
geschmälert, doch gehen wir davon aus, dass dieser Härteausgleich zumindest langfristig
entfallen wird.
Eine weitere gesetzliche Neuregelung bei der Arbeitserlaubnis für
Asylbewerber wird zwar durch vermeidbare Einschränkungen erschwert, macht es aber nach
Ansicht unserer Fraktion erforderlich, das Engagement bezüglich der "Hilfen zur
Arbeit" nun auch verstärkt auf diesen Bereich zu legen. Neben der
Integrationswirkung sehen wir hier eine Möglichkeit, die Leistungen nach dem
Asylbewerberleistungsgesetz dauerhaft senken zu können.
Während die Maßnahmen und Projekte gegen Rechtsradikalismus nur eine
verhältnismäßig kleine Position im Gesamthaushalt ausmacht, so hat das Land mit der
Mittelzuweisung ein auch in Ahaus durchaus notwendiges Engagement auf den Weg gebracht.
Die Stadt Ahaus sollte ihrerseits mit der Abschaffung des
Asylbewerbershops zu einem ausländerfreundlichen Klima in unserer Stadt beitragen.
Aufgrund der Äußerungen der Verwaltung in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses,
die uns hoffen lassen, dass das Shop-System schon in Kürze der Vergangenheit angehören
wird, haben wir unseren diesbezüglichen Antrag vorläufig zurückgezogen.
Während die Stadt Ahaus bei interkommunalen Leistungsvergleichen stets
auf gute Ergebnisse mit einem bürgerfreundlichen Verwaltungshandeln verweist, so sollte
dieses Image durch einzelne Mitarbeiter im Sozialamt nicht beschädigt werden. Leider
erfahren wir immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern aus Ahaus, die aufgrund ihrer
Lebenssituation ihren Unterhalt mittels Sozialhilfe bestreiten müssen, von einem
abweisenden und selbstgerechten Umgang einiger Mitarbeiter mit ihnen. Sicher haben die
Mitarbeiter des Sozialamtes bei der Stadt nicht immer einen leichten Stand, doch auch und
gerade in diesem Bereich sollte den Bürgern unbürokratisch und entgegenkommend geholfen
werden. Die ohnehin häufig entwürdigende Lebenssituation dieser Menschen darf nicht
durch eine unfreundliche Behandlung im Sozialamt weiter verschlimmert werden.

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Den Anstieg der Kosten für die städtischen
Tageseinrichtungen für Kinder sieht die UWG-Fraktion als sehr positiv an, spricht doch
der steigende Bedarf nicht zuletzt für eine kinderfreundliche Stadt. Diesem Bedarf hat
die Verwaltung des Jugendamtes durch kurzfristige Bereitstellung zusätzlicher
Kindergartenplätze im vergangenen Jahr Rechnung getragen. Nun gilt es, ebenso den
wachsenden Bedarf an Hort-Plätzen für schulpflichtige Kinder zu untersuchen und
fortzuschreiben, entsprechende Angebote zu konzipieren und umzusetzen. Wartelisten und
Provisorien dürfen hier nicht die Antwort bleiben.
Die Ferienspiele für Kinder und Jugendliche in Ahaus sind schon
ausgebucht, kaum dass sie angeboten werden. Damit zeigt sich auch in diesem Bereich ein
weitaus größerer Bedarf, als er derzeit von den Trägern der Ferienspiele gedeckt werden
kann. Daher ist es nach Ansicht der UWG-Fraktion unerlässlich, entsprechende Anreize bei
den freien Trägern für die Ausweitung dieser Angebote zu schaffen oder aber in enger
Kooperation freier und öffentlicher Träger der Jugendhilfe zusätzliche Angebote zu
initiieren.
Mit dem Neubau des LOGO haben alle Fraktionen im Schulterschluß eine
attraktive Einrichtung für die Jugend unserer Stadt auf den Weg gebracht. Auch knapp ein
Jahr nach der Eröffnung des LOGO sehen wir jede Mark, die in das LOGO geflossen ist, als
eine sinnvolle Investition an. Dabei ist uns aber bewußt, dass das Angebot des LOGO nur
einen Ausschnitt der Ahauser Jugendszene erreicht. Unser Hauptaugenmerk und politisches
Handeln muß daher zukünftig auf die Jugendlichen gerichtet sein, die weder von den
Angeboten der verbandlichen noch der offenen Jugendarbeit erfasst werden. Zwar sind hier
erste Maßnahmen bereits erfolgt, doch gilt es auch hier, den genauen Bedarf zu
analysieren und entsprechende Angebote zu schaffen.

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Wenn auch die Gebührensatzungen im Bereich
Abfallentsorgung im letzten Jahr noch eine Mehrheit im Ahauser Rat gefunden hat, so ist
doch allen Fraktionen deutlich geworden, dass das Ende der Fahnenstange bei der Belastung
der Ahauser Bürgerinnen und Bürger erreicht ist.
War die vorgelegte Kalkulation schon für die Mitglieder des Rates wenig
nachvollziehbar, umso weniger dürfte der Anstieg der Gebühren für die Bürgerinnen und
Bürger von Ahaus nachvollziehbar sein. Mülltrennung und erst recht Müllvermeidung
müssen sich für die Bevölkerung rechnen und dürfen nicht länger durch
Gebührenerhöhungen bestraft werden.
Hier gilt es, rechtzeitig strukturelle Verbesserungen in der Abfallpolitik
zu erarbeiten, notwendige Verhandlungen mit dem Entsorgungsunternehmen zu führen und für
die Bevölkerung eine günstigere Ausgangslage zu schaffen. Das Gebot der
Kostenneutralität darf sich nicht länger zum Nachteil der Bürgerinnen und Bürger von
Ahaus auswirken. Außerdem ist der Kreis Borken in die Pflicht zu nehmen, der Zinserträge
aus der Rekultivierungs-Rücklage nicht zum Haushaltsausgleich verwenden darf, sondern
hiermit zu moderaten, akzeptablen und gerechten Müllgebühren beitragen muß.

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Auch wenn der geplante Castor-Transport nach Ahaus
durch Bundesumweltminister Trittin abgesagt wurde, ist noch nicht erkennbar, dass die
Bevölkerung von Ahaus zukünftig von der strahlenden Fracht verschont bleibt.
Die sog. Infrastrukturhilfen vom BZA bleiben ein schwarzer Fleck auf einem
ausgeglichenen Haushalt und ein Zeichen für eine gefährliche Hypothek in Ammeln, die wir
unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen werden. Für die UWG sind die Transporte
überflüssig, denn sie dienen ausschließlich einem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke bis
zu ihrem technischen Aus.
Wir sehen es als längst überfällig an, dass endlich auch die Ahauser
CDU Flagge zeigt und sich von ihrer atomfreundlichen Euphorie der Vergangenheit
distanziert und gemeinsam mit den anderen Fraktionen im Ahauser Rat für ein Ende der
Einlagerungen in Ahaus einsetzt.

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Die Fraktion der UWG erkennt und anerkennt durchaus
zahlreiche positive Aspekte und Weichenstellungen bei dem vorgelegten Haushaltsplan für
2001.
Dafür möchte ich mich im Namen der UWG-Fraktion sowohl beim Kämmerer,
Herrn Althoff, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch allen Mitarbeitern der
Verwaltung für die geleistete Arbeit bei der Aufstellung dieses Haushaltsplanes ganz
herzlich bedanken.
Die nach dem Gießkannenprinzip eingeplanten Infrastrukturhilfen BZA
stoßen jedoch auf eine grundsätzliche Ablehnung seitens der UWG-Fraktion und so werden
wir auch heute dem vorgelegten Haushaltsplan nicht zustimmen können.

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