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>aus rat und ausschüssen.
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Antrag für die Ratssitzung am 27. April 2005Benennung eines Platzes als Löwenstein-PlatzAntragstext Der Rat möge beschließen, den Platz vor dem Bekleidungshaus Haverkamp als Löwenstein-Platz zu benennen.
An dem Platz lag seit 1902 das älteste und größte jüdische Kaufhaus im damaligen Kreis Ahaus, das Textilkaufhaus Hugo Löwenstein (heute Haverkamp), damals noch Bahnhofstraße. Der 1871 geborene Hugo Löwenstein ist älteren Ahausern noch ein Begriff, weil viele Ahauser dort ihre Kleidung kauften. Er galt als angesehener und großzügiger Bürger unserer Stadt. So wird berichtet, dass er 1928 in der "Heimatwoche" Exponate für die Ausstellung des Heimat- und Verkehrsvereins beisteuerte. Auch ist überliefert, dass er 1929 die Fenstervorhänge für den Rathausneubau und 1931 zur Einweihung des Ahauser Krankenhauses die Betten und die Bettwäsche für den Neubautrakt stiftete. In guter Erinnerung ist er in Ahaus auch dadurch, dass er bedürftigen Familien nach der Anzahlung der Ware weitere Raten erließ. Im 1. Weltkrieg war Hugo Löwenstein vier Jahre lang als deutscher Soldat an der Front gewesen. Er war auch viele Jahre lang zweiter Vorsteher und "Repräsentant" der Synagogengemeinde Ahaus, zuletzt bis zu seinem Wegzug 1937 nach Berlin.
Schon frühzeitig bekam die Familie Löwenstein die Auswirkungen der Machtergreifung Hitlers zu spüren. Der Boykott jüdischer Geschäfte, im Reichsgebiet für den 1. April 1933 festgelegt, begann für das Kaufhaus Löwenstein bereits am 30. März. Als Hugo Löwenstein im April 1933 zum Jubiläum der Jute-Spinnerei und Weberei wie auch andere national gesinnte Ahauser Bürger die schwarz-weiß-rote Fahne hissen wollte, wurde ihm das durch den Ortsgruppenleiter verboten. Im Herbst 1933 plante Löwenstein eine Erweiterung seines Geschäftes, doch versagte ihm die Bank den nötigen Kredit, weil der Landrat die oppositionelle Haltung des Sohnes ins Spiel brachte. Im September/Oktober 1933 wurde er wegen angeblichen Devisenschmuggels inhaftiert: Er hatte seiner Nichte in Haaksbergen zur Hochzeit die Aussteuer geschenkt. Im Juni 1934 beantragte er bei der Stadt Ahaus die Ausstellung eines Reisepasses; vermutlich hat er seinerzeit überlegt, ins Ausland zu gehen. Im Dezember 1934 erhob der Kreisleiter der NSDAP gegen ihn den Vorwurf der "Preistreiberei", der sich aber nach polizeilicher Vernehmung nicht halten ließ. Nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 wurde ihm verboten, nichtjüdische Angestellte zu beschäftigen; manche Ahauserin verlor auf diese Art ihre Arbeit bei Löwenstein. Noch im Mai 1936 musste er sich der unberechtigten Vorwürfe der örtlichen "Deutschen Arbeitsfront" wegen Verstoßes gegen die Nürnberger Gesetze erwehren. Im April 1937 verkaufte er sein Geschäft nach kurzer Zeit der Verpachtung an den mit ihm befreundeten Josef Haverkamp, weil die Schikanen und Demütigungen der Nazis die Existenz des Geschäfts bedrohten.
Er zog im Sommer 1937 mit seiner Tochter Inge nach Berlin, weil er glaubte, in der Anonymität der Großstadt die NS-Zeit besser überstehen zu können. Hugo Löwenstein wurde am 08. September 1942 durch die Gestapo Berlin verhaftet und ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort verstarb er am 28. September 1942 im Alter von 70 Jahren. Sein 1909 geborener Sohn Adolf, der in Ahaus die Rektoratsschule besucht und eine kaufmännische Lehre absolviert hatte, war in den letzten Jahren der Weimarer Republik im "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" aktiv: eine Organisation der demokratischen Parteien SPD und Zentrum, die gegen die immer stärker werdende Nazi-Bewegung Widerstand leistete. Er wurde nach der Machtergreifung von den Nazis verfolgt, floh schon 1933 in die Niederlande, wo er im September 1942 aufgegriffen wurde und nach Auschwitz deportiert wurde. Dort starb er am 16. Dezember 1942. Die Benennung des genannten Ortes als Löwenstein-Platz wäre auch für die in Paris lebende Tochter bzw. Schwester Inge ein Zeichen der Versöhnung. Der Arbeitskreis "Ahauser Geschichte 1933 - 1945" hat in einem Bürgerantrag bereits vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass Straßenbezeichnungen sehr gut geeignet sind, nicht nur Geschichtsinteressierten das Anliegen einer Stadt zu verdeutlichen, sich ihrer Historie, speziell der jüdischen Mitbürger, zu erinnern. Der mittlerweile verwirklichten Benennung der Gasse "An der Synagoge" sollten unseres Erachtens weitere Bezeichnungen von Plätzen und Straßen nach ehemaligen jüdischen Mitbürgern folgen. Auch wenn wir die Probleme mit der Umbenennung von Straßen, an denen jüdische Bürger früher wohnten, sehen, so wäre in dieser Hinsicht der Löwenstein-Platz unproblematisch, weil hiermit kein Adressenwechsel verbunden ist. Im Zuge der Innenstadtsanierung könnte hiermit auch in Sachen Erinnerungskultur ein Zeichen gesetzt werden.
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